Die Trends sind eindeutig: Die Deutschen essen immer weniger Fleisch, in den vergangenen zehn Jahren hat bundesweit jede dritte Metzgerei geschlossen und mit Dumpingpreisen erwirtschaften die 19 größten Fleischer des Landes ein Viertel des Umsatzes. Doch sind die Folgen der bundesweiten Entwicklung auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt zu spüren?
Metzger in Adelsdorf hat geschlossen
Im Januar hat erst die Metzgerei Brunner ihre Filiale in Höchstadt geschlossen. Bereits im Sommer hat Jürgen Fleischmann seine Metzgerei in Adelsdorf dicht gemacht. In ganz Franken war er dank eines ausgereiften Marketings für seine Rindersteaks und seine Genussevents bekannt. „Der klassische Handel ist für mich durch“, schreibt er auf Nachfrage. „Das macht keinen Sinn mehr.“ Er arbeite jetzt wieder in der Pflege, wolle da helfen. Seine Liebe zu Steaks dürfte aber bleiben, ein paar Ideen für die Zukunft habe er auch schon, aber spruchreif sind die anscheinend noch nicht.
Hohe Kosten machen Probleme
Jürgen Reck, stellervertretender Innungsmeister für den Landkreis kennt die Probleme der Branche. „Zum Fachkräftemangel kommen jetzt noch die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise hinzu“, sagt der Metzgermeister aus Möhrendorf. Im eigenen Laden beschwere sich auch immer mal ein Kunde über gestiegene Preise. „Aber mir bleibt ja nichts anderes übrig“, sagt Reck. „Am Ende des Monats muss ich ja meine 15 Angestellten bezahlen.“
In Bayern gibt es nach Thüringen noch die meisten Metzger pro Einwohner, auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt stemmt sich die Branche bislang erfolgreich gegen die bundesweiten Trends. So verzeichnete die Handwerkskammer Mittelfranken vor zehn Jahren 46 Fachbetriebe im Metzgerhandwerk. Aktuell sind es 43. Bei den Auszubildenden sieht es in Mittelfranken ebenfalls besser aus als im Bundestrend.
14 Auszubildende mehr als 2021
So waren 2019 im gesamten Kammerbezirk 41 Jugendliche gerade in Ausbildung zum Fleischer, nach einem Rückgang auf 22 Auszubildende im Jahr 2021 sind es aktuell 36 Auszubildende. Allein im Landkreis Erlangen Höchstadt haben im vergangenen Jahr sieben Lehrlinge mit ihrer Ausbildung begonnen. Einer davon bei Jürgen Reck in Möhrendorf.
Werbung für den Beruf an Schulen
Bei der Nachwuchssuche hat dem Metzgermeister eins vor allem weitergeholfen: Bekannt ist er für seine Bratwürste. Mit denen nimmt er auch immer wieder an internationalen Wettbewerben teil. Zuletzt wurde er im September in den USA Wurstweltmeister. Dabei produzierte er seine Wurst live vor der Jury. Am Ende konnte er die meisten Punkte einheimsen. Angereist ist er mit dem nötigen Selbstbewusstsein. Schließlich ist er zuvor drei mal in Folge Wursteuropameister geworden.
Die Pokale helfen ihm, jetzt das nötige Personal zu gewinnen. „Ich gehe auch in die Schulen, etwa zum Berufetag an der Mittelschule in Baiersdorf“, sagt Reck. „Dort erzähle ich von meinem Werdegang und von meinen Erfolgen.“ So ist es ihm auch gelungen, jungen Menschen für seinen Beruf zu begeistern. Seit dem 1. September 2022 hat er einen Lehrling und auch 2023 wird im September ein Azubi bei ihm die Lehre beginnen.
Metzger fährt zu den Kunden
Beim Verkauf versucht Reck sich möglichst breit aufzustellen. Die Basis bildet sein Dorfladen in Möhrendorf, daneben hat er auch eine Verkaufsstelle im örtlichen Supermarkt. Zudem fahren seine Mitarbeiter mit einem Verkaufswagen in die Ortschaften, in denen es keine Metzgerei gibt und keine Supermärkte. Der Wagen werde sehr gut angenommen.
Beim Fleisch setzt er auf Qualität. Er kauft bei Bauern in der Region ein, kennt viele Höfe mit eigenen Augen. Geschlachtet werden die Tiere dann in Erlangen oder Fürth, je nachdem welcher Schlachthof näher liegt. Und den Angus-Rindern, deren Fleisch er verkauft, wird der Weg in den Schlachthof ganz erspart. Sie werden auf dem Hof in der Oberpfalz geschlachtet, wo sie vorher das ganze Jahr auf der Weide stehen.
Kunden schätzen Qualität
„Es muss nicht jeden Tag Fleisch sein“, sagt er. „Dann kann man für gute Qualität auch ein wenig mehr Geld ausgeben.“ Seine Kunden wüssten die Qualität zu schätzen. Trotz Rekord-Inflation sei sein Umsatz im vergangenen Jahr nicht eingebrochen. Dabei waren die Jahre zuvor schon außergewöhnlich gut. Im Lockdown hätten viele wieder angefangen, sich mehr Zeit zu nehmen und selbst zu kochen.
Doch die Schließungen und die verbreiteten Nachwuchssorgen der Branche machen ihm auch zu schaffen. „Gerade die kleinen Betriebe sind ja sehr individuell“, sagt er. „Jeder Meister hat seine Spezialität – ob das jetzt die Stadtwurst ist oder der Schinken. Mit jeder Schließung geht auch ein Stück Vielfalt verloren.“ Doch wenn die Kunden, den Fleischern im Landkreis weiter die Treue halten, hat das Handwerk in Mittelfranken vielleicht doch eine Zukunft.
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