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Energiewende
Solarstrom für Schaeffler aus Medbach
Die Firma Wust Wind und Sonne will bei Medbach eine Photovoltaikanlage errichten.
Die Firma Wust Wind und Sonne will bei Medbach eine Photovoltaikanlage errichten. // Symbolbild/Patrick Pleul/dpa
Höchstadt a. d. Aisch – Die heimische Industrie und die Bürger sollen profitieren. Der geplante Solarpark in Medbach wurde im Stadtrat Höchstadt diskutiert.

Die Leistung von bis zu 24 Megawatt Peak ist beachtlich: Der Strom würde ausreichen, um rund 5000 Haushalte im Jahr zu versorgen, so die Angaben der Firma Wust Wind und Sonne. Diese plant, auf Feldern (26 Hektar inklusive Ausgleichsflächen) bei Medbach eine Photovoltaik-Anlage (PV).

Energie fürs Schaeffler-Werk

Der Strom soll jedoch nicht einfach ins Netz eingespeist werden, sondern der heimischen Industrie zur Verfügung stehen – genauer gesagt der Firma Schaeffler, wie in der Sitzung des Stadtrats am Montag deutlich wurde. Über ein Erdkabel würde der Sonnenstrom zum 2,8 Kilometer entfernten Umspannwerk in Höchstadt geleitet und von dort aus zum Werk.

Der Stadtrat hat den ersten Planungen grünes Licht gegeben. Zwei Gegenstimmen kamen von Baptist Enkert (CSU) und Christian Beßler (AfD).

Da noch Fragen im Rat waren, betonte Bürgermeister Gerald Brehm (JL) mehrfach, dass es sich zunächst um die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans handelt. Sprich um eine erste Planung. Einwände, Änderungen, Wünsche seien im Verfahren wie üblich immer noch möglich.

Kritik kam von Günther Geyer (CSU): Er frage sich, warum man über das Projekt jetzt berate, obwohl ein Kriterienkatalog für Freiflächen-PV ausgearbeitet wurde, allerdings noch nicht im Gremium vorgestellt (auf CSU-Antrag verschoben auf die nächste Sitzung, weil nicht früh genug vorgelegt). Auch eine angekündigte Bürgerversammlung in Medbach hätte längst stattfinden müssen, sagt Geyer. Brehm erwidert, es habe von der Firma Wust bereits vor längerem eine Informationsveranstaltung (wegen Corona online) gegeben.

Bürgerversammlung angekündigt

Der Bürgermeister kündigte aber an, dass es eine Bürgerversammlung geben werde, um die Medbacher zu Wort kommen zu lassen. Unter anderem sie sollen sich schließlich am Solarpark beteiligen können – es handelt sich um ein Bürgermodell.

Enkert mahnte an, dass wieder landwirtschaftliche Flächen verloren gingen. Dachflächen seien noch lange nicht ausgereizt. Diese müssten Vorrang haben. Letzteres betonte auch Grünen-Stadtrat Peter Winkler. Er sieht ein „Dilemma“ zwischen Flächenfraß und nötiger Energiewende. Letztlich gaben die Grünen jedoch ihre Zustimmung. „Ein Windrad oder eine Solaranlage kann ich notfalls auch wieder einmal abbauen“, sagte Andreas Hänjes (SPD), als das Gremium einen kleinen Diskurs-Ausflug zu den Themen Gaskrise und Atomkraft machte. Der Umbau zu erneuerbaren Energien müsse forciert werden, befand nicht nur Hänjes, sondern auch Alexander Schulz (CSU): „26 Hektar ist natürlich ein Wort. Niemand nimmt das auf die leichte Schulter. Aber es ist wichtig, dass wir das ins Laufen bringen.“

Auf diesen Feldern bei Medbach soll die Solaranlage entstehen. Links im Hintergrund ist die Kompostanlage zu sehen.
Auf diesen Feldern bei Medbach soll die Solaranlage entstehen. Links im Hintergrund ist die Kompostanlage zu sehen. // Christian Bauriedel

Fundamental dagegen äußerte sich Beßler von der AfD. Die Anlage sei überdimensioniert. „Schaeffler hat genug Platz auf den Dächern ihres Werksgeländes“, so Beßler, der dem Bürgermeister „Gemauschel“ mit der Wirtschaft vorwarf. Brehm reagierte wütend: „Das ist fahrlässig und beschämend.“ Es handle sich schließlich um den größten Arbeitgeber für die Menschen in und um Höchstadt. Warum sollte man diesem verwehren, in der Region erneuerbare Energie zu erzeugen – und das auch noch in einem Bürgerbeteiligungsmodell, so Brehm. „Die Dächer der Firma Schaeffler reichen bei Weitem nicht aus“, fügte Martin Oberle (JL) an. Was er skeptisch sieht: Die Firma Südwerk will auf weiteren Feldern oberhalb ebenfalls eine PV-Anlage bauen. Hier handle es sich um besonders fruchtbare Äcker, so Oberle. Auch Hänjes sagt, er sähe weitere PV-Flächen dort kritisch.

Geyer erinnerte daran, dass „Medbach besonders sensibel“ sei. Mülldeponie, Kompostanlage, Autobahn: Der Ort sei schon belastet. Allerdings sind die Flächen, auf der die PV-Anlage stehen soll, nicht von Wohnbebauung einsehbar, wie die Projektverantwortlichen von Wust betonen. Geyer regte an, dass man sich im Kreistag für eine Überbauung der Mülldeponie mit Solarplatten starkmachen könnte, falls dies technisch möglich ist.

Mehr Windkraft gefordert

Brehm erklärte zum Bürgersolarpark: „Ich war erst dagegen. Aber in diesen Fragen muss man einfach umdenken.“ Er meinte damit Russlands Krieg in der Ukraine und die fundamentale Umwälzung des Energiemarkts. Erneut brachte Brehm mehr Windkraft ins Spiel: „Auch die Windenergie muss forciert werden. Die Stadt muss sehen, dass sie bei Strom und Wärme autark wird.“ Und das könne „keine zehn Jahre mehr“ dauern.

 

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