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Karenztags-Debatte
Kein Lohn am ersten Krankheitstag: Das sagen Puma und Co.
Krankschreibung
Firmen aus der Region äußern sich zur Forderung nach einem Karenztag. // Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
LKR Erlangen-Höchstadt – Diskussion um Lohnfortzahlung: Firmen könnten Milliarden sparen, wenn sie den ersten Tag einer Krankheit nicht bezahlen müssten – trotzdem äußern sich Schaeffler, Siemens und Co. verhalten.

Kein Lohn mehr am ersten Krankheitstag? Die Forderung nach dem sogenannten „Karenztag“ hatte Allianz-Chef Oliver Bäte angesichts des hohen Krankheitsstandes in Deutschland vor Kurzem in einem Interview mit dem Handelsblatt ausgesprochen. So meldete zum Beispiel der AOK-Bundesverband im vergangenen Jahr 225 krankheitsbedingte Arbeitsausfälle je 100 Versicherte vom Januar bis August 2024 – ein Anstieg gegenüber dem Höchstwert des Vorjahres. Mit der Einführung eines Karenztages könnten laut Bäte jährlich circa 40 Milliarden Euro eingespart werden. 

Seit Bätes Vorschlag wird von vielen Seiten Kritik laut, die Diskussion nimmt kein Ende. Auch die FDP sieht die Idee kritisch und konterte mit einem Gegenvorschlag: So sollten Arbeitgeber stattdessen die Möglichkeit haben, Arbeitnehmern Boni für Kalendermonate ohne Krankheit zu bezahlen, so heißt es in einem Positionspapier der Partei. 

Süßwaren Soldan: Unternehmen äußert sich nicht

Nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch die großen Arbeitgeber in der Region dürften die Debatte mit Spannung verfolgen. Dennoch äußern sich viele auf Anfrage eher zurückhaltend, so zum Beispiel der Süßwarenhersteller Dr. C. Soldan GmbH mit Sitz in Adelsdorf. So teilt das Unternehmen auf Anfrage mit, dass es keine Informationen zu dem Thema liefern könne. „Das Unternehmen sieht erst Handlungsbedarf, wenn politische Ideen auch entsprechend verabschiedet sind“, so eine Sprecherin. Ähnlich zurückhaltend zeigt sich der Sportriese Adidas. Dieser wolle sich zur Anfrage nicht äußern, teilt ein Sprecher des Unternehmens mit und bittet um Verständnis.

Ein Puma Logo ist an der Wand des Puma Outlets in Herzogenaurach zu sehen.
Ein Puma Logo ist an der Wand des Puma Outlets in Herzogenaurach zu sehen. // FT-Archiv

Zur Idee eines Karenztages äußert sich auch der direkte Nachbar Puma nicht. Ein Sprecher des Unternehmens teilt allerdings mit, dass der Krankenstand beim Unternehmen „stark unter dem bundesweiten Durchschnitt“ liege, tatsächlich sogar „im unteren, einstelligen Prozentbereich“. Das liege nach Auffassung des Konzerns unter anderem an der hohen Flexibilität und dem Angebot an kostenlosen Grippeimpfungen und Sportkursen sowie einem kostenlosen Fitnessstudio, das das Unternehmen seinen Mitarbeitern unter anderem biete. 

Schaeffler setzt auf präventives Angebot 

Ähnlich äußert sich Schaeffler. „Wir bitten um Verständnis, dass wir keine Angaben zum Krankenstand im Unternehmen machen und zur aktuellen Diskussion keine Stellung nehmen“, schreibt ein Sprecher des Unternehmens auf die Anfrage der Redaktion. 

Schaeffler in Höchstadt
Zur aktuellen Debatte um den Karenztag äußert auch Schaeffler sich verhalten. // FT-Archiv

Auch hier wird das präventive Angebot betont, das das Unternehmen für seine Mitarbeiter schafft. Dieses sei „in enger Zusammenarbeit mit den Krankenkassen entwickelt“ worden. So haben Mitarbeitende zum Beispiel seit 2018 die Möglichkeit, „ihre Gesundheit aktiv über den Schaeffler Health Coach zu fördern“. Außerdem biete Schaeffler ein breites Betriebssportangebot und sensibilisiere seine Mitarbeiter regelmäßig zu Themen wie mentaler Gesundheit. „Dieses ganzheitliche Konzept zeigt, wie sehr Schaeffler das Wohl seiner Mitarbeitenden wertschätzt und sie aktiv auf ihrem Weg zu einem gesunden Arbeitsleben begleitet“, so der Sprecher weiter. 

Kein Anstieg der Krankheitstage bei Siemens

Siemens hingegen äußert sich auf Nachfrage auch konkreter zum Krankenstand im Unternehmen. „Bei Siemens sind die Krankheitstage über die letzten drei Geschäftsjahre konstant geblieben (und nicht angestiegen), daher sehen wir derzeit bei dem Thema keinen Handlungsdruck“, so ein Sprecher. Bei der Frage des Karenztages handle es sich demnach aber um „eine Regelung, die der Gesetzgeber angehen müsste, sofern er Änderungsbedarf sieht“. 

Siemens
Statt über Karenztage zu diskutieren, will Siemens mit präventiven Maßnahmen die Gesundheit der Mitarbeiter fördern. // Sven Hoppe/dpa

Ebenso wie Schaeffler und Puma biete auch Siemens seinen Mitarbeitern „ein umfangreiches analoges und digitales Portfolio in den Bereichen Bewegungsförderung, gesunde Arbeitswelt, Ernährung und psychische Gesundheit“. Dabei gehe das Angebot über das hinaus, was das Gesetz vorschreibe. 

Stadt Erlangen gegen Einführung von Karenztagen

Auch die Stadt Erlangen, immerhin einer der größten Arbeitgeber in der Region, äußert sich auf Nachfrage deutlich ausführlicher. „Bei Mitarbeitenden, die mindestens einmal länger als 3 Tage am Stück krank waren, ist die Anzahl rückläufig vom Jahr 2022 mit 80 Prozent auf 2024 mit 61 Prozent. In 2024 waren 2.060 Mitarbeitende mindestens einmal länger als 3 Tage am Stück krank“, teilt eine Sprecherin der Stadt mit. 

Rathaus von Erlangen
Die Stadt Erlangen spricht sich klar gegen Boni bei Gesundheit aus. // FT-Archiv

Die Einführung eines Karenztages sei laut Stadt jedoch „keine Garantie, dass dadurch die Zahl der Krankmeldungen zurückgehen würde“. Man müsse hingegen eher bedenken, dass Mitarbeiter, die wegen eines Karenztages krank zu Arbeit kämen, andere Mitarbeiter anstecken und so Folgekosten verursachen könnten. „Im Übrigen unterstellt man den Mitarbeitenden, dass sie sich missbräuchlich krankmelden, was nicht unserer Wahrnehmung entspricht“, so die Sprecherin weiter. 

Die Stadt setze daher, wie auch die anderen Firmen der Region, auf Maßnahmen zur Gesundheitsförderung „wie Wirbelsäulengymnastik, Rückentraining oder Yoga“. Gegen den Vorschlag der FDP, Boni für Monate ohne Krankheit auszuzahlen, spricht die Stadt sich klar aus: „Diesem Modell spricht das Allgemeine Gleichbehandlungskonzept (AGG) entgegen. Das AGG verbietet Diskriminierung im Berufsleben aufgrund von Krankheit“, so das Statement. 

 

 

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