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Eigenheim-Flaute
Immobilie kaufen oder warten? Das ist die Lage bei Erlangen
Eigentum zu erwerben ist bei einem Durchschnittseinkommen kaum noch möglich. Das haben Experten nun sogar dem Besserverdiener-Landkreis Erlangen-Höchstadt attestiert. (Symbolbild)
Eigentum zu erwerben ist bei einem Durchschnittseinkommen kaum noch möglich. Das haben Experten nun sogar dem Besserverdiener-Landkreis Erlangen-Höchstadt attestiert. (Symbolbild) // Foto: Christin Klose/ dpa-tmn
Erlangen-Höchstadt – Eigentum zu erwerben ist bei einem Durchschnittseinkommen kaum noch möglich. Das attestieren Experten nun sogar dem Besserverdiener-Landkreis Erlangen-Höchstadt. Ein Blick auf die Bilanz und Chancen.

Der Traum von den eigenen vier Wänden. Er kann Sicherheit, Investition oder Altersvorsorge bedeuten. Von ihm wird auch in Erlangen-Höchstadt von vielen Menschen geträumt. Wie realistisch die eigene Immobilie im Landkreis zurzeit ist, das zeigt ein Blick auf die aktuellen Zahlen, Kosten und die allgemeine Lage auf dem Immobilienmarkt.

Etwas Bewegung auf Immobilienmarkt in Erlangen-Höchstadt

Die Nachfrage auf dem Markt für Wohnimmobilien im Raum Erlangen ist nach wie vor hoch. Zu diesem Ergebnis kam jüngst eine Marktanalyse der Sparkasse und der Landesbaukasse Süd (LBS). Naheliegend, denn in der Universitätsstadt und im Speckgürtel um Erlangen stiegen die Preise für Immobilien seit Jahren. In Erlangen ist der Handel mit Immobilien nach den Daten der „Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach“  im vergangenen Jahr um 20 Prozent zurückgegangen – auf ein Transaktionsvolumen von 495 Millionen Euro. 

Im Vergleich dazu hat sich in Erlangen-Höchstadt mehr getan. Der Landkreis verzeichnete 2025 ein Transaktionsvolumen von 476 Millionen Euro – und damit ein Plus von knapp 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (der Zehn-Jahres-Durchschnitt für Erlangen-Höchstadt liegt bei 446 Millionen Euro). Das sogenannte Transaktionsvolumen bezeichnet die Gesamtsumme aller gezahlten Kaufpreise an einem bestimmten Markt und Zeitraum. Ein größeres Volumen kann unterschiedliche Gründe haben, zum Beispiel Preissteigerungen oder mehr Kauf und Verkauf.

In Bezug darauf kommt die Sparkasse für den Raum Erlangen zu dem Schluss, dass das eingependelte Zinsniveau und die stabilisierten Preise für gebrauchte Wohnimmobilien für eine Erholung des Bestandmarktes gesorgt haben. Viele Menschen hätten sich inzwischen an die neue Marktsituation „gewöhnt“ und wieder „Zutrauen entwickelt“, heißt es bei der Sparkasse. Die anhaltend hohe Nachfrage habe für stabile Preise gesorgt. Eine milde Umschreibung dafür, dass sich die Immobilienpreise in Bayern, nach Angaben der LBS von 2010 bis 2022 mehr als verdoppelt haben. 

Das kosten Immobilien in Erlangen-Höchstadt

Wer ein Eigenheim erwerben will, muss das also auch in Erlangen-Höchstadt also in Kauf nehmen – oder Abstriche machen. Das Preisniveau biete nach wie vor Chancen für Käufer auf dem Gebrauchtmarkt, insbesondere, wenn man bereit sei, Kompromisse bei Lage und Ausstattung einzugehen, so die Sparkasse.

Bei einem gebrauchten, frei stehenden Haus im Raum Erlangen ist die Preisspanne zum Beispiel sehr groß und derzeit für 150.000 bis 1,1 Million Euro zu haben. Gebrauchte Doppelhaushälften und Reihenhäuser werden für 350.000 bis 900.000 Euro und Eigentumswohnungen für 2.000 bis 6.500 Euro pro Quadratmeter inseriert. Doppelhaushälften und Reihenhäuser sind für 450.000 bis eine Million Euro auf dem Markt und neue Eigentumswohnungen für 4.500 bis 10.000 Euro pro Quadratmeter. Baugrundstücke kosten zwischen 160 und 1.250 Euro pro Quadratmeter. Die Zahlen sind dem jüngsten Marktspiegel der Sparkassen-Finanzgruppe entnommen.

Wohnbau liegt weit hinter Bedarf in Bayern

Während der Bedarf an Wohnraum nach wie vor hoch ist, ist die Zahl der Neubauten dagegen weiter gering. 2025 wurden in Bayern gut 46.000 Wohnungen fertiggestellt – ein Rückgang von rund 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Bauzahlen liegen laut der Sparkasse weit unter dem postulierten Bedarf von etwa 70.000 Wohnungen.

Der Mangel an Wohnraum zeige sich nach Ansicht der Schwäbisch-Hall-Stiftung „Wohnen bauen leben“ außerdem in der „Eigenheimflaute“ im Landkreis. Die Stiftung hat eine Studie der Forschungseinrichtung  Pestel Institut über soziale Aspekte von Wohneigentum in Auftrag gegeben. Aus der regionalen Wohnmarktuntersuchung geht für Erlangen-Höchstadt hervor, dass im Landkreis im vergangenen Jahr nur 155 Wohnungen in neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern entstanden sind – weniger als im betrachteten Vergleichszeitraum. Von 2020 bis 2022 sind nach der Untersuchung im Durchschnitt 366 Wohnungen pro Jahr in Erlangen-Höchstadt entstanden.

Traum vom Eigenheim in Erlangen-Höchstadt zunehmend unerreichbar

Unterm Strich fällt Mike Kammann, Vorsitzender des Kuratoriums der Schwäbisch-Hall-Stiftung und Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall, ein pessimistisches Urteil. Für viele, vor allem aber 25- bis 45-Jährige, sei der Traum vom Eigenheim immer schwerer zu erreichen, wird  Kamann in einer Mitteilung der Stiftung zitiert. „Die Chancen, im Kreis Erlangen-Höchstadt ein Haus zu bauen oder eine Immobilie zu kaufen, sinken immer weiter. Wohneigentum ist selbst bei einem durchschnittlichen Einkommen oft nur dann noch möglich, wenn es Hilfe aus der Familie gibt – zum Beispiel durch ein vorgezogenes Erbe“, so Kammann. Und das, obwohl Arbeitnehmer im Landkreis Erlangen-Höchstadt bundesweit mit die höchsten Gehälter verdienen.  

Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft bei Erlangen

Damit Wohneigentum für Bürgerinnen und Bürger nicht zum Luxus wird, fordert das Pestel Institut Fördermaßnahmen durch den Bund. Die Dringlichkeit zeigt sich auch an anderer Stelle: Denn die Immobilienflaute wirkt sich zudem unmittelbar auf die regionale Wirtschaft aus. Die besagte Studie kommt zu dem Schluss, dass der regionalen Wirtschaft durch weniger Eigenheimbau im vergangenen Jahr ein Umsatzverlust von fast 128 Millionen Euro entstanden ist.

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