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Namen
Warum heißen Franken Fuchs, Hase oder Igel?
Fuchsteufelswilde Kirchweih Anfang der 90er Jahre: Hier graben die Burschen erst  Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs aus – und dann das Kirchweihfass.
Fuchsteufelswilde Kirchweih Anfang der 90er Jahre: Hier graben die Burschen erst Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs aus – und dann das Kirchweihfass. // Tebbe
Signet des Fränkischen Tags von Oliver Ultsch
Mainstockheim – Deshalb tragen nicht wenige Menschen in Franken tierische Nachnamen wie Adler, Hummel, Geier, Fuchs, Hase, Vogel, Wolf oder Bär

Auf auf, der Jäger hat zur Jagd geblasen! Wer unterhält sich da denn miteinander, zumindest in der Fabel? Wir fangen mal mit „Meister Lampe“ an.

Er gilt gemeinhin als nervöses, schreckhaftes und scheues Tier. Der typische Hasenfuß vermeidet Entscheidungen und mischt sich lieber nirgends ein – er könnte ja am Ende noch Partei für andere ergreifen müssen.

Warum tragen nicht wenige Menschen in Franken tierische Nachnamen wie  Hase oder Fuchs?
Warum tragen nicht wenige Menschen in Franken tierische Nachnamen wie Hase oder Fuchs? // Henrie/Adobe Stock

Der Hase erhielt diesen Nachnamen einst auf Grund seiner persönlichen Wesenszüge. Bei Tiernamen war das keine Seltenheit und deutlich häufiger, als dass ein Bezug zum Tier selbst hergestellt wurde, etwa weil der Namensträger ein solches besaß oder dieses züchtete.

Weitere Beispiele: Adler – jemand, der alles bemerkte und dem nicht das Geringste entging. Hummel – ein fahriger, aufgeregter Mitmensch. Hahn – für einen wichtigtuerischen oder kampfeslustigen Charakter. Gleich zweifach fies: Quadflieg – quat für böse oder schlecht und Fliege für einen lästigen, störenden Menschen. Andere Sprache gefällig? Wowereit – der Name des ehemaligen Berliner Bürgermeisters bedeutet im Baltischen schlicht: Eichhörnchen.

Der Name Wölfel kommt geballt in Nordbayern vor.
Der Name Wölfel kommt geballt in Nordbayern vor. // www.geogen.stoepel

„Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.“ Diese berühmte Redewendung hat übrigens mit dem Tier gar nichts zutun – und geht auf einen seiner Namensträger zurück. Ein gewisser Victor von Hase stand Mitte des 19. Jahrhunderts vor Gericht, da er einem befreundeten Kommilitonen bei der Flucht geholfen hatte – mit dem eigenen Studentenausweis und somit seiner Identität. Als er sich vor einem Tribunal äußern sollte, lautete die Antwort: „Mein Name ist Hase, ich verneine die Generalfragen, ich weiß von nichts.“ Abgekürzt verbreitete sich dieses Statement sehr schnell, ein geflügelter Begriff ward geboren.

Interessantes Detail: Er war angehender Jurist und wusste damit bestens Bescheid. Noch heute ist es Usus, lieber die Aussage zu verweigern, als sich selbst zu belasten.

Bärig: Die größte menschliche „Bär“-Dichte gibt es im „mittleren Osten“ Deutschlands.
Bärig: Die größte menschliche „Bär“-Dichte gibt es im „mittleren Osten“ Deutschlands. // www.geogen.stoepel

Der Gesprächspartner des Hasen in der Fabel ist der gute alte Fuchs. Er gilt ja bekanntermaßen als listig und schlau, bedacht und berechnend. Ein Schlawiner, wie er im Buche steht. Waren einst seine Eigenschaften entscheidend für die Benennung? Recht wahrscheinlich. Er könnte aber auch als Jäger oder Kürschner viel mit dem Tier zu tun gehabt haben. Auch nicht unmöglich: Er hatte rote Haare.

Die meisten Bären gibt’s in Kulmbach

Im Norden Deutschlands wird die „Fuchsdichte“ bei den Namen deutlich geringer. Hier gab es eine andere Ausformung des Begriffs für dieses Tier. In der Sprache, in der sich unsere Vorfahren einst artikuliert haben, gab es im Süden den Vuhs. Hier bildete sich mit der Zeit ein „ch“ aus. Im Norden war nur ein Buchstabe anders: Vohs war der Fuchs und hier reduzierte sich mit den Jahrhunderten das lang ausgesprochene „o“ und verschob die Betonung auf das „s“ am Ende. Schon hatte man zwei völlig unterschiedliche Begriffe – und zwei Familiennamen: Fuchs und Voss. Die aber beide das Gleiche bezeichnen. Im Englischen übrigens „Fox“ – im Prinzip eine Mischung der zwei deutschen Varianten.

Hier sind “Wölferts“ zuhause.
Hier sind “Wölferts“ zuhause. // www.geogen.stoepel

Dazu passend: Namen wie Rotfuchs sind natürlich logisch, Rothfuß wiederum eher weniger. Auch Fußhöller und Fußwinkel lassen sich eher mit dem Tier als mit dem Körperteil verbinden. So tauchen speziell im südwestlichen NRW viele mit dem Namen(sbestandteil) „Fuß“ auf, die eine ganz andere Bedeutung haben als gedacht. Da wurde der Vuhs mit der Zeit zum Fuß umgedeutet.

Ebenfalls im Wald unterwegs: der Wolf – im Süden weit verbreitet, im Norden als Wulf(f) und im Übergangsbereich als Wolff. In Franken ist er als Wölfert um Coburg und als Wölfel in einem Streifen von Erlangen bis hoch nach Hof vertreten. Bei diesen Namen gibt es aber den Vornamen Wolf, der zumeist Pate stand.

Oliver Ultsch ist Versicherungskaufmann und Buchautor. In seiner Freizeit beschäftigt er sich leidenschaftlich gern mit Ahnen- und Namensforschung. Ultsch lebt mit Frau und Kindern in Niederfüllbach bei Coburg.
Oliver Ultsch ist Versicherungskaufmann und Buchautor. In seiner Freizeit beschäftigt er sich leidenschaftlich gern mit Ahnen- und Namensforschung. Ultsch lebt mit Frau und Kindern in Niederfüllbach bei Coburg. // Pia Ultsch

Beim Bär trifft wohl beides zu. Auf der einen Seite die Bezeichnung für einen starken, mutigen und kräftigen Menschen. Auf der anderen existierte der Vorname Bero(win), den es heutzutage kaum noch gibt, der aber zur damaligen Zeit häufig vergeben wurde. Bär gibt es als Familiennamen größtenteils in Ober- und Mittelfranken – Schwerpunkt sind die Landkreise Kulmbach und Bayreuth.

Rotkopf-Vögel aus Kronach

Der Geier hatte den Ruf, gierig und verlangend zu sein. Die Bezeichnung entwickelte sich aus dem mittelhochdeutschen gir, was den Nagel auf den Kopf trifft. Auch bei diesem Tier liegt die Schlussfolgerung nahe, dass ein Nachbar das Verhalten des Tieres perfekt verkörperte. Dabei gibt es den Geier vom Badischen bis ins Dreiländereck bei Passau und in Franken gar nicht so exklusiv. Der Geyer wiederum ist in den Landkreisen Wunsiedel und Erlangen-Höchstädt am häufigsten und kann mit Fug und Recht als thüringisch-fränkische Angelegenheit bezeichnet werden.

Beim Eichhorn, einem gängigen Nachnamen mit deutlicher Ballung von Bamberg bis zum Thüringer Wald, fehlt noch die Verniedlichung. Dieser wendige emsige Zeitgenosse taucht an den Südhängen des Mittelgebirges bereits vor 1600 direkt an der Grenze zu Franken in einer Vielzahl auf, die beeindruckend ist. Hier wurde schon sehr früh das Fundament für eine weite Verbreitung des Namens gelegt.

Auf dem Kirchweihwagen ist Karl-Dieter Fuchs seit 1990 ein gern gesehener Gast.
Auf dem Kirchweihwagen ist Karl-Dieter Fuchs seit 1990 ein gern gesehener Gast. // D. Fischer (Archiv)

Beim Rebhan muss man nur wenige Kilometer östlicher schauen. Die Wiege jener Sippe liegt in den Landkreisen Sonneberg in Thüringen und im fränkischen Kronach. Auffällig bei diesem Vogel: der rote Kopf, die gedrungene Gestalt und der Wechsel vom Prachtkleid während der Brutzeit und der schlichten grauen Färbung im restlichen Jahr. Welche Eigenschaft wohl nun zum Namen führte?

So heißt Franken!
So heißt Franken! // Grafik Dagmar Klumb

Vorschau auf die nächste Folge: Im September geht es um einen Beruf, bei dem das einstige Wort für „bedecken“ eine große Rolle spielt.

WENN BÜRGERMEISTER KARL-DIETER FUCHS FUCHSTEUFELSWILD WIRD:

Fuchs aus seinem Kirchweih-Bau gezogen

„Der ist, wie er heißt: a schlauer Fuchs.“ Wie oft Karl-Dieter Fuchs diesen Spruch wohl vernommen hat? „Oft!“, sagt der Bürgermeister des Weindorfes Mainstockheim (Kreis Kitzingen) und grinst. Dabei ist Karl-Dieter Fuchs ziemlich sicher, dass sein Name gar nicht unbedingt tierischen Ursprungs ist, sondern aus der Zeit der Pest stammt: „Nach einer Familienchronik ist damals ein Häcker aus Fuchsstadt mit seiner Familie nach Winterhausen geflüchtet, wo man ihn dann wegen seiner Herkunft als ’Fuchs’ bezeichnet hat.“ Über Sommerhausen und Segnitz kamen die Vorfahren des seit 1990 amtierenden Bürgermeisters nach Mainstockheim.

Hier sorgt „der Fuchs“ gern auch für gute Laune. In den 90er-Jahren gab es im Kirchweih-Zelt die sogenannte Saalwette – wie bei „Wetten dass“. Eine Frau aus Mainstockheim wettete, dass die Burschen des Ortes es nicht schaffen, Bürgermeister Fuchs mit einer lebendigen Gans auf die Bühne zu bringen und dort „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ zu singen.

Doch weit gefehlt: Der Gemeinde-Chef ließ sich eine Gans in die Arme drücken – „ein braves Tier war das, wir haben vor dem Zelt noch das Singen geübt“ – und schmetterte dann unter dem Applaus des Publikum das alte Kinderlied. Die Burschen gewannen die Wette und wurden flüssig entlohnt. Kein Wunder, dass es in Mainstockheim heute noch heißt: „A Hund is’ er scho, der Fuchs.“   (Diana Fuchs, weder verwandt noch verschwägert)

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