Kunst
Kitzinger Künstler vernetzen sich
Künstler aus dem Landkreis Kitzingen wollen verstärkt zusammenarbeiten. Im März wurde daher das „Netzwerk Kultur Region Kitzingen“ gegründet, das allen Kulturschaffenden des Landkreises offen steht. 14 Mitglieder stellen nun in Marktbreit gemeinsam aus.
Künstler aus dem Landkreis Kitzingen wollen verstärkt zusammenarbeiten. Im März wurde daher das „Netzwerk Kultur Region Kitzingen“ gegründet, das allen Kulturschaffenden des Landkreises offen steht. 14 Mitglieder stellen nun in Marktbreit gemeinsam aus.
Foto: Martin Baterschofsky
Marktbreit – Gemeinsam wollen Künstler und Kulturschaffende aus dem Landkreis Kitzingen mehr erreichen. Jetzt stellt das neue Netzwerk in Marktbreit aus.

Was wäre das Leben ohne Kunst? Ohne Malerei, Bildhauerei und Musik? Ohne Design, Literatur, Schauspiel und Fotografie? Selbst wer von sich sagt, er habe mit Kunst nichts am Hut, wird sie in seinem Alltag und seinem Umfeld entdecken – und merken, dass sie fehlen würden, gäbe es sie nicht. Doch freischaffende Künstler haben es schwer, auf sich aufmerksam zu machen. Deshalb haben sich Künstler im Landkreis zu einem „Netzwerk Kultur Region Kitzingen“ zusammengetan, das noch kräftig wachsen soll. Mit einer Ausstellung in Marktbreit geht das Netzwerk nun ab dem 16. September erstmals an die Öffentlichkeit.

Alleine tun sich freie Künstler schwer

Wie kann sich ein einzelner Künstler sichtbar machen? Es ist ein Problem, mit dem viele Kulturschaffende kämpfen. „Alleine kommt man nicht vom Fleck“, sagt Antje Molz vom Dachverband freier Würzburger Kulturträger. Diesen Dachverband gibt es schon seit vielen Jahren. Gegründet wurde die Interessensvertretung der freien Kulturszene der Stadt Würzburg bereits 1989 als nicht eingetragener Verein. Um die Stadt Würzburg herum aber sucht man derartige Zusammenschlüsse meist vergebens. Molz hat daher angeregt, dass sich auch in anderen Regionen und Landkreisen die Künstler zusammentun.

In Kitzingen ist diese Anregung auf fruchtbaren Boden gefallen, und das hat mit Claus Peter Berneth zu tun. Bei einer Veranstaltung des Dachverbandes in Würzburg hatte er die Anregung aufgenommen, „so etwas doch auch mal in Kitzingen zu probieren“, sagt der Marktbreiter, der als Organisator des Kunstfestes Artbreit weithin bekannt ist und viel Erfahrung mit Kunst, aber auch der Planung und Umsetzung von Veranstaltungen hat. Er weiß sehr genau, wie wichtig Netzwerke in der Kunst sind. Künstler zu kennen, Kontakte zu Veranstaltern zu haben, an Ausstellungsräume zu kommen, aber auch zu wissen, wo es finanzielle Unterstützung, Fördermöglichkeiten und Zuschüsse gibt und wie man an die Gelder kommt.

Herbert Link hält die Gründung des Künstler-Netzwerks im Landkreis für überfällig und eine geniale Idee. Auch er ist bei der ersten Ausstellung in Marktbreit dabei.
Herbert Link hält die Gründung des Künstler-Netzwerks im Landkreis für überfällig und eine geniale Idee. Auch er ist bei der ersten Ausstellung in Marktbreit dabei.
Foto: Herbert Link

„Alleine kann man nichts bewegen“, sagt Antje Molz über freischaffende Künstler. Dieses Problem gebe es schon immer. „Aber Corona hat die alten Probleme noch verstärkt.“ Claus Peter Berneth hat den Ball aufgenommen, den Molz ihm zugespielt hat. Er hat einige Künstler angeschrieben, daraufhin kam ein erstes Treffen zustande. „Es ist ein Versuch, dass die Künstler im Landkreis sich nach und nach organisieren“, sagt der Marktbreiter. Am 25. März wurde das Netzwerk gegründet. „Notwendig, überfällig und eine geniale Idee“, schreibt der Kitzinger Künstler Herbert Link in einer Pressemitteilung, mit der er auf die erste öffentliche Veranstaltung des Netzwerks hinweist. Seither treffen sich freie Kulturschaffende alle vier bis sechs Wochen und tauschen sich über ihre künstlerische Tätigkeit aus. Die Atmosphäre sei bereits vertraut. „Erstaunlich, was dabei sichtbar wird: enormes Potenzial und große Vielfalt!“, so Link. Davon könnten sich bei der Ausstellung in Marktbreit alle Kunstinteressierten überzeugen.

Auch Klaus Schneider aus Wiesentheid betont, wie engagiert die Künstler bei den Treffen sind. „Die Zusammenarbeit ist sehr angenehm und macht Spaß.“ Während bei der Gründungsversammlung auch Musiker dabei waren, stellen nun erst einmal bildende Künstler aus, 14 an der Zahl.

Schneider kennt den Würzburger Dachverband schon länger und weiß, wie hilfreich so ein Zusammenschluss ist. Er selbst hat in diesem Jahr schon dreimal ausgestellt, einmal beim KulturPackt Schweinfurt, einmal bei der Kunstwoche Ramsthal und einmal alleine in Scheinfeld. „Wenn man alleine ausstellt, muss man sich um alles kümmern – von der Werbung bis zur Verköstigung bei der Vernissage“, so der Wiesentheider. „In einer Gemeinschaft verteilt sich das.“

Dass sich Claus Peter Berneth für das Netzwerk stark macht, empfindet Klaus Schneider als großen Gewinn. Berneth wisse durch Artbreit sehr viel, kenne sich aus und habe nun auch die Räumlichkeiten für die erste Ausstellung organisiert. Die sei „relativ spontan“ entstanden, sagt Claus Peter Berneth. Die Ausstellung ist ein Anfang, „das muss jetzt alles erst mal werden“, sagt der Marktbreiter. Der Kreis soll noch deutlich größer werden. Wer sich dem Netzwerk anschließen will, ist herzlich eingeladen – und kann bei der Ausstellung vorbeikommen oder sich an einen der Künstler wenden, die bereits Mitglied sind. Ausstellungen, Konzerte, eine Kombination von bildenden Künsten und Musik – „wie auch immer“, blickt Berneth in die Zukunft, es gebe ganz viele Möglichkeiten.

Im Rathaus fehlt ein Ansprechpartner für die Kultur

Antje Molz freut sich über die Aufbruchstimmung im Landkreis Kitzingen. Zumal es in der Stadt Kitzingen für Künstler sehr schwierig sei. „Im Rathaus gibt es keinen Ansprechpartner für Kultur“, kritisiert sie, „da ist keiner zuständig“. Es genüge nicht, einen ehrenamtlicher Kulturreferenten im Stadtrat zu ernennen. „Die Kultur ist ein Wirtschaftsfaktor. Da wird viel Potenzial verschenkt“, ist Molz überzeugt.

Im Landkreis Kitzingen sind Kunst und Kultur im Regionalmanagement angesiedelt. Simone Göbel und Maja Schmidt haben in den letzten Jahren über die Regionalmanagement-Förderung des Heimatministeriums und dann des Wirtschaftsministeriums Kulturprojekte im Landkreis initiiert – beispielsweise die fünfjährige Reihe der Kulturzeichen, die virtuelle Ausstellung Kulturzeichen 24/7 und das Künstlerportal, an dem sich aktuell 35 Künstler beteiligen.

Im aktuellen Antrag der Regionalmanagement-Förderung war eine Projektidee die Gründung eines Netzwerks von Künstlern, informiert Simone Göbel. Dieses habe sich mit Unterstützung des Dachverbands freier Würzburger Kulturträger dann zwischenzeitlich selbständig gegründet. „Das hat uns sehr gefreut, vor allem, weil viele Gründungsmitglieder Künstler unserer virtuellen Ausstellung waren oder sich beim Künstlerportal beteiligen“, so Göbel. Von daher bestehe ein guter Kontakt und so seien sie und Schmidt zur ersten Ausstellung des Netzwerks auch von mehreren Künstlern eingeladen worden. „Es ist großartig, dass sich dort ein Austausch entwickelt hat“, erklärt Simone Göbel. Das Netzwerk werde in Zukunft sicherlich als Ganzes ein wichtiger Ansprechpartner sein. „Ich hoffe, dass sich weitere Künstler anschließen.“

Landkreis plant Workshop mit den Künstlern

Auch mit Antje Molz vom Dachverband stünden Schmidt und Göbel seit Monaten in Kontakt und man tausche sich über zukünftige Projekte aus. „Unter anderem planen wir schon länger einen Workshop Ende September, zu dem wir alle Künstler aus dem Kitzinger Land eingeladen haben, mit denen wir seit den Kulturstationen über die Kulturzeichen bis hin zum Künstlerportal zu tun hatten.“ Man wolle sich dabei mit den Künstlern und Kulturschaffenden austauschen und überlegen, „ob und wie wir gemeinsam im nächsten Jahr ein Projekt entwickeln und umzusetzen können“.

Eine Aussage, die auch Klaus Schneider gerne hören wird. Er ist überzeugt davon, dass der Landkreis mit dem Netzwerk viel auf die Beine stellen kann. Und zwar vermutlich mit sehr viel weniger Aufwand und Kosten, als es früher beispielsweise bei den Kulturzeichen der Fall gewesen sei.

Ausstellung Netzwerk Kultur Region Kitzingen in Marktbreit

Was und wann: Das Netzwerk Kultur lädt zu einer Kunstausstellung am 16., 17. und 18. September sowie am 23., 24. und 25. September in die Ochsenfurter Straße in Marktbreit ein. Christiane Berneth, Kulturreferentin der Stadt Marktbreit, wird die Ausstellung am 16. September um 18 Uhr eröffnen. An den anderen Tagen ist die Ausstellung von 14 bis 19 Uhr geöffnet.

Wer: 14 Künstler beteiligen sich an der Ausstellung: Susanne Braterschofsky (Marktbreit, Malerei), Marc Brooks (Dettelbach, Fotografie), Gabriele Brunsch (Obernbreit, Autorin, Theater, Malerei), Anette Fernandes (Kitzingen, Malerei, Design), Heike Häberlein (Volkach, Skulpturen), Anja Karres (Kitzingen, Malerei), Susanne Karres (Kitzingen, Malerei), Marc Krämer (Marktsteft, Malerei), Herbert Link (Kitzingen, Malerei), Natascha Mann (Marktbreit, Malerei), Kurt Pregitzer (Marktbreit, Skulpturen), Klaus Schneider (Wiesentheid, Skulpturen), Elisabeth Versl-Waag (Wiesentheid, Malerei) und Ralf Weinkirn (Buchbrunn, Malerei). (len)