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Streit eskaliert
Schrauben-Attacke auf Schaubergs Biker?
Trachtet ein Unbekannter den Bikern am Schauberg nach dem Leben?
Trachtet ein Unbekannter den Bikern am Schauberg nach dem Leben? // Matthias Hoch
Kronach – Die Anwohner an der bei Bikern beliebten Strecke sind genervt vom Motorradlärm. Ein Unbekannter greift zur Selbstjustiz.

Die Straße schreibt ihre eigenen Gesetze. Und am Schauberg herrscht Anarchie. Pünktlich zum Start der diesjährigen Motorradsaison zieht es Biker aus nah und fern wieder zur 3,4 Kilometer langen Landesstraße zwischen Schauberg (Kreis Kronach) und Jagdshof (Thüringen) – zum Ärger der Anwohner, die sich vom Dröhnen der Motoren belästigt fühlen. Weil ihr Ruf nach einer Streckensperrung für Motorräder am Wochenende bislang ins Leere gelaufen ist, hat ein noch Unbekannter das Gesetz in die eigenen Hände genommen. Und lebensgefährliche Tatsachen geschaffen.

Tina Meinke entkommt am Montagnachmittag nur knapp der Katastrophe. Die 39-Jährige fährt mit ihrem Motorrad in die Kurve am Fuße der Strecke, die der örtlichen Bikerszene als Treffpunkt dient. Ihr Mann kommt in dem Moment auf seinem Gefährt den Berg herunter. „Er sagte mir, dass sie gerade Schrauben auf der Strecke gefunden und sie aufgelesen haben.“ Gefahr gebannt, denkt sich Tina Meinke und fährt nichtsahnend, wie so oft, die kurvenreiche Strecke.

Doch schnell merkt sie, dass diesmal irgendetwas anders ist. Als sie oben am Berg ankommt und anhält, weist sie ein anderer Biker darauf hin, dass in ihrem Vorderreifen eine Schraube steckt. „Ich bin dann irgendwie den Berg wieder her­unter geeiert“, schildert sie die brenzlige Situation, die sie nur dank eines Zufalls unbeschadet überstand. Unten in der Kurve wird der Reifen notdürftig geflickt. Doch der Schock sitzt tief: „Das ist, wie wenn man auf einem Schwamm fährt. Wäre ich weitergefahren – ich hätte vermutlich die Kontrolle über das Motorrad verloren.“

Diese Schrauben und noch mehr haben die Biker auf der Straße gefunden.
Diese Schrauben und noch mehr haben die Biker auf der Straße gefunden. // privat

Die Biker fahren die Strecke noch einmal ab – und finden weitere Schrauben. „Die muss jemand ausgestreut haben, während wir am Berg waren“, ist sich Tina Meinke sicher, denn ihr Freund und sein Kollege hätten zuvor alle Schrauben eingesammelt.

Im Internet wird mit Selbstjustiz gedroht

Insgesamt finden die Biker an diesem Tag über 100 Schrauben. An einen Zufall glaubt am Schauberg niemand. Weil ihnen niemand aufgefallen ist, der zu Fuß unterwegs war, vermuten sie, dass die spitzen Metallkörper aus einem fahrenden Auto heraus auf die Straße geworfen worden sind. „Ich kann mir nur vorstellen, dass es jemand aus dem Dorf war, der sich gesagt hat: ,Jetzt reicht’s mir. Jetzt fahr ich los“, vermutet die 39-Jährige.

Denn in den Tagen vor der mutmaßlichen Schrauben-Attacke wurde die Lärmbelästigung durch die Biker am Schauberg in den sozialen Medien hitzig diskutiert, vor allem auf thüringer Seite in Jagdshof und Judenbach. „Um 8 Uhr geht es los, ab 20 Uhr wird es ruhiger. Fenster zu und Jalousien runter, damit man am Wochenende ruhiger leben kann“, schildert jemand die Geräuschkulisse im Ort.

Ein anderer wird noch deutlicher: „Eine absolute Schweinerei. Der Lärm ist unerträglich.“

Eine Schraube steckt im Reifen von Bikerin Tina Meinke.
Eine Schraube steckt im Reifen von Bikerin Tina Meinke. // privat

Unterschwellige Drohungen werden ausgesprochen: „Diesem Treiben muss Einhalt geboten werden. Sollten es keine Ämter tun, so finden sich sicherlich genug genervte Bürger, die entsprechende Maßnahmen einleiten.“ Und im Ort heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass etwas passieren muss.

Polizei geht von Straftat aus

Mit den ersten trockenen Frühlingstagen der Motorradsaison hat das Treiben am Schauberg Überhand genommen. „Ich kann verstehen, dass manche Anwohner genervt sind. Es sind auch viele Fahrer von außerhalb gekommen“, räumt Biker Sandro K. ein. „Doch Schrauben auf der Straße auszulegen, damit jemand einen Unfall baut – da hört der Spaß auf.“ Ihren Fund haben die Biker mit Fotos dokumentiert und Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Was Sandro K. ärgert: Zuerst hätten die Beamten die Vermutung geäußert, dass die Schrauben von Bikern verstreut worden sind. „Wo ist da der Sinn? Wir bringen uns doch nicht selbst in Gefahr.“

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Inzwischen nimmt die Polizei die Sache jedoch ernst: „Vor Ort konnten die Beamten tatsächlich mehrere 3,5 Zentimeter lange, spitze Schrauben feststellen“, schildert Carolin Steiner von der Polizei Sonneberg. Das hatte weitreichende Folgen: Bisher haben sich einige Verkehrsteilnehmer bei der Polizei gemeldet, die sich durch die Schrauben einen platten Reifen eingefahren haben.

Verletzt wurde bislang niemand. Doch die Polizei ermittelt jetzt wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. „Es ist zu vermuten, dass die Schrauben durch eine bisher unbekannte Person absichtlich ausgelegt wurden.“

Polizei bittet um Hinweise

Solange der Täter nicht gefunden ist, fährt die Angst am Schauberg mit. „Wir wissen, dass wir aufpassen müssen“, sagt Sandro K. Aber Schrauben auf der Straße, gibt er zu bedenken, können für alle Verkehrsteilnehmer verheerende Folgen haben. „Wenn ein Motorradfahrer deshalb wegrutscht und in dem Moment ein Auto entgegenkommt oder ein Autoreifen platzt, kann das richtig übel ausgehen.“ Die Polizei warnt deshalb die Verkehrsteilnehmer am Schauberg eindringlich, die Fahrweise entsprechend anzupassen, um im Ernstfall rechtzeitig reagieren zu können, und bittet um Hinweise, die zum Täter führen.

Tina Meinke hofft unterdessen, dass verärgerte Anwohner den direkten Kontakt suchen, anstatt Selbstjustiz zu begehen. „Wir sind absolut gesprächsbereit.“

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