War es Vergewaltigung oder doch einvernehmlicher Sex? Seit drei Prozesstagen versucht das Kronacher Schöffengericht eine schwierige Frage zu klären, aber noch immer ohne Ergebnis. Hintergrund: Ein junges Paar lernte sich einst via Chat im Netz kennen, schon beim ersten persönlichen Treffen kam es zum Oralverkehr.
Es war alles freiwillig und im gegenseitigen Einvernehmen, beteuert seit Anfang Mai ein 22-Jähriger aus dem Landkreis Kronach, der zum Angeklagten wurde. Es war Vergewaltigung, meint das wenig jüngere, mutmaßliche Opfer.
Nur eine einzige Vernehmung
Mit einer einzigen Vernehmung startete und endete der dritte Verhandlungstag. Das mutmaßliche Opfer soll gleich nach der noch frischen Tat auf einen guten Bekannten getroffen sein, dem sie von den Übergriffen erzählt haben soll. Der Angeklagte hatte am zweiten Verhandlungstag erklärt, dass dieser Bekannte ihn später via Chat gezwungen hätte, ihm die gewaltsamen Übergriffe zu gestehen. Ansonsten würde er in dessen Heimatort publik machen, dass er ein rücksichtsloser Vergewaltiger sei und ihn mit weiteren Personen verprügeln. Ein halbherziges Geständnis habe er aus Angst ihm gegenüber abgegeben.
Bekannter des Opfers als Zeuge
Der ebenfalls 22-jährige Bekannte erzählte am Dienstag nun als Zeuge von den Erlebnissen und Geschehnissen am Tattag. Er und seine Bekannte hätten damals zuerst auf einem Fest und dann bei gemeinsamen Bekannten gefeiert. Die junge Frau habe sich jedoch vorher verabschiedet und mitgeteilt, dass ein guter Freund, also der jetzige Angeklagte, aus dem Raum Coburg sie nach Hause fahren werde.
Der Zeuge: „Das der wegen dem kurzen Heimweg extra von Coburg aus herfährt, hat mich gewundert.“ Er und seine Bekannte hatten bis dahin schon einiges getrunken gehabt. „Ich war nicht mehr nüchtern, aber ich wusste noch, was ich mache.“ Seine Bekannte hatte angeblich etwa sechs Bier getrunken. Auf die Nachfrage des Gerichts erklärte er, dass er nicht gewusst habe, dass sie offenbar auch „gekifft" hatte.
Angeklagter gibt Tat laut Zeugen zu
Als er selbst eine halbe Stunde später nach Hause gekommen sei, habe er seine Bekannte und Mitfeierkollegin getroffen. „Sie hat geweint, ihre Haare waren durcheinander...“ Sofort habe sie ihm erzählt, dass sie vergewaltigt worden sei. „Sie war traurig, aufgeregt und ängstlich.“ Nach der Drohung habe der Angeklagte ihm gegenüber die Tat zugegeben. „Er hat gesagt, er geht selbst zur Polizei.“ Auf die Frage des Gerichts, ob er ihm auch gedroht hatte, bei einem Nichtgeständnis ihn mit weiteren Freunden zu verprügeln, verweigerte der Zeuge die Angaben. An einem der nächsten Verhandlungstage sollen Psychiater, die das mutmaßliche Opfer schon vor und nach der Tat behandelt haben, gehört werden.
Die Verhandlung soll am 22. Juni fortgesetzt werden.
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