Mehr als 60 Seiten, gespickt mit Informationen über rund 20 Selbsthilfegruppen im Landkreis Kronach: Der neue Selbsthilfe-Wegweiser, Stand Dezember 2023, ist ein ebenso handlicher wie umfassender Ratgeber für alle, die Unterstützung suchen. Übersichtlich unterteilt in die verschiedenen Bereiche, erweist sich die Broschüre als hilfreiche Sammlung von hiesigen Selbsthilfe-Organisationen und Beratungsangeboten.
„Es war an der Zeit, den Wegweiser zu aktualisieren“, erklärt die Ansprechpartnerin für die Selbsthilfe-Unterstützungsstelle Kronach, Birgit Weickert, dass sich in den letzten Jahren vieles in diesem Bereich im Landkreis getan habe. Seit über zehn Jahren betreibt der Caritasverband die Selbsthilfe-Unterstützungsstelle und steht als Ansprechpartner für Fragen in diesem Themenbereich zur Verfügung.
Nachdem das Landratsamt im Jahr 2010 die Selbsthilfe-Unterstützung an den Caritasverband übertragen habe, könne man sich vor Ort intensiver mit Selbsthilfegruppen und deren Anliegen auseinandersetzen und die Gruppen bei ihrer Tätigkeit begleiten. Schon lange biete man verschiedenen Selbsthilfegruppen die Möglichkeit, sich in den Caritas-Räumlichkeiten zu treffen.
„Leider haben sich im Laufe dieser Zeit mehr Selbsthilfegruppen aufgelöst als neu gegründet“, bedauert die Sozialpädagogin, dass auch durch die Pandemie „vieles den Bach hinunter gegangen“ sei. Einige, insbesondere schon lange bestehende Selbsthilfegruppen hätten das Beste aus der Situation gemacht und im Rahmen des Möglichen Kontakt gehalten. Andere jedoch, vor allem solche, die schon vorher mit Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt hätten, hätten die Zwangspause nicht überstanden.
Es fehlt oft an Nachfolgern
„Oft krankt es an der Nachfolge in der Leitung, wenn die jeweiligen Ansprechpartner beispielsweise aus Altersgründen ihr Amt abgeben. Ein Beispiel hierfür ist die Auflösung der Selbsthilfegruppe für an Depression erkrankte Menschen, die sich – trotz regen Zuspruchs – aus eben diesem Grund nach über 20 Jahren auflöste. Erfreulicherweise gründete sich diesbezüglich kürzlich mit neuen Leiterinnen eine neue Selbsthilfegruppe unter dem Namen „Lichtblick“.
„Wir setzen auf beides – auf ein gedrucktes Heftchen und das Internet“, betont Birgit Weickert. Man stelle doch immer wieder fest, dass viele Menschen gerne etwas Schriftliches in der Hand hätten. Der erste gedruckte Wegweiser kam 2013 heraus; 2015 die zweite Auflage. Während der Corona-Zeit erschien der Wegweiser 2021 im gleichen Layout, jedoch nur als Online-Ausgabe. Auch dieses Mal steht die Broschüre wieder auf der Caritas-Seite des Landkreises im Downloadbereich zur Verfügung. Online wird sie auch ständig aktualisiert. Die „Lichtblick“-Selbsthilfegruppe ist hier beispielsweise schon vertreten, während es für die Print-Ausgabe bereits zu spät war.
Unverzichtbare Säule des Sozialwesens
„Die Gründung war mir ein großes Anliegen, nachdem es hier gehäuft Anfragen gab“, betont Birgit Weickert, die einräumt, nicht alle Krankheitsbilder abdecken zu können. Hierfür findet sich in der Broschüre ein Verweis auf überörtliche Stellen, mit denen die Caritas gut vernetzt sei. Das Heftchen erhebe auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit aller Hilfsangebote. Nicht enthalten seien die Angebote materieller Hilfen wie die Kleiderkammer und ähnliches.
„Selbsthilfe ist mittlerweile eine der unverzichtbaren Säulen im Gesundheits- und Sozialwesen unseres Landes“, verdeutlicht Landrat Klaus Löffler. Bei den Selbsthilfe-Aktivitäten im Landkreis Kronach genieße das Miteinander einen hohen Stellenwert, was vor allem dem großen Engagement in den einzelnen Gruppen zu verdanken sei. Dabei erweise sich die Kompetenz der Bürger in eigener Sache als wesentliches Element der erfolgreichen Arbeit.
Jedoch erfordere und verdiene auch die Selbsthilfe-Arbeit Förderung und Hilfestellung durch das Gemeinwesen. Sein Dank galt hier dem Caritasverband, der sich vorbildlich für die Koordination und Unterstützung des Selbsthilfegedankens engagiere. Dieses Engagement werde vom Landkreis finanziell mitgetragen.
„Der Selbsthilfegedanke ist der Caritas ein großes Anliegen“, würdigt auch Birgit Weickert die immense ehrenamtliche Arbeit aller, die sich in Selbsthilfegruppen einsetzen. Der Erfahrungs- und Informationsaustausch in den Zusammenschlüssen und die gegenseitige Hilfe seien eine wichtige Unterstützung vorhandener professioneller Hilfsangebote.
Bindeglied zwischen Profis und Selbsthilfe
Die in die Soziale Beratungsstelle eingegliederte Selbsthilfe-Unterstützungsstelle verstehe sich dabei als Bindeglied der Bürger einerseits zu den Selbsthilfegruppen und andererseits zu den Profis.
Für Anregungen zwecks Gründung weiterer Zusammenschlüsse sei man stets offen und dankbar. Wer eine Selbsthilfegruppe gründen möchte, könne sich gerne an sie wenden.
Den in einer Auflage von 800 Exemplaren erschienenen Wegweiser gibt es kostenlos in der Geschäftsstelle des Caritasverbandes. Er wird aber auch im Landratsamt sowie an weiteren Stellen ausgelegt.
Weitere Informationen
Mit Fragen können sich Interessierte an die Sozialen Beratungsstelle/Selbsthilfeunterstützung beim Caritasverband Landkreis Kronach wenden. Telefon 09261/6056-20, E-Mail: birgit.weickert@caritas-kronach.de










