Einen besonderer Festakt beging kürzlich der Verein „Dorfgemeinschaft Seibelsdorf e.V.“ in der hiesigen Markgrafenkirche. Der Marktrodacher Gemeindeteil feiert als eine der älteren Ortschaften in der Region in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen. Ein Novum dabei ist, die Feierlichkeiten durch vielfältigste kulturelle Veranstaltungen, Mitmach-Aktionen und gemeinsame Feste bis zum Jahresende zu zelebrieren.
Martin Fleischmann: 33 Generationen zurück
„900 Jahre: Da reden wir von über 33 Generationen“, verdeutlichte Moderator und Festausschussvorsitzender Martin Fleischmann den Besuchern in der gut gefüllten Markgrafenkirche. Und dass Seibelsdorf „nicht nur irgendein Kaff war“, zeigte sein chronologischer Abriss durch die wechselhafte Geschichte des Marktrodacher Gemeindeteils: So war es anno 1126, als „Sigiboldestorff“ erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Eine enorme Aufwertung erfuhr das Pfarrdorf im 14. Jahrhundert durch Etablierung eines Amtssitzes und einer sogenannten „kleinen Herrschaft“. Nach dem Übergang in den Besitz der Markgrafen von Bayreuth-Kulmbach wurde im Jahre 1523 das Marktrecht verliehen. Mit der Reformation in Deutschland hielt auch der lutherische Glaube Einzug in Seibelsdorf. „Die Seibelsdorfer waren Protestanten der ersten Stunde“, betonte Fleischmann.
Mitte des 18.Jahhrunderts wird Markgrafenkirche in Seibelsdorf gebaut
Die immense Bedeutung des Protestantismus wurde von 1735 bis 1760 durch den Bau der noch heute ortsbildprägenden Markgrafenkirche manifestiert. Von 1809 bis 1924 war Seibelsdorf zudem Dekanatssitz. 1802 fiel der Ort an das Königreich Bayern und wurde dem Gerichtsbezirk respektive dem spätere Bezirksamt (ab 1939 Landkreis) Stadtsteinach zugeordnet.
Am 1. Mai 1978 ging die Gemeinde an den Landkreis Kronach über und wurde in der neu geschaffene Gemeinde Marktrodach eingegliedert; letztere hat ihr Marktrecht alleine den Seibelsdorfern zu verdanken.
Zentrale Anlaufstelle „Dorfgemeinschaft Seibelsdorf e.V.“
Im Zuge der Vorbereitung des Jubiläums wurde, so Fleischmann, mit Gründung des Vereins „Dorfgemeinschaft Seibelsdorf e.V.“ bereits 2025 eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, um die unzähligen Dorfvereine zu unterstützen und gemeinsame Aufgaben umzusetzen. So konnte ein breit gefächertes neunmonatiges Programm unter Beteiligung aller Dorfvereine konzipiert werden.
Einer der Höhepunkte ist dabei die Aktion „900 Bäume für 900 Jahre“, welche die Wiederaufforstung einer eigens dafür bereitgestellten Fläche im Gemeindewald zum Ziel hat.
Mitmach-Chronik unter Federführung von Karl Schoger
In Kooperation mit dem Projekt „Holz-Art“ des Kronacher Künstlers Ingo Cesaro ist für Mitte des Jahres zudem eine Ausstellung von Exponaten in der Dorfmitte geplant; Sujet ist dabei der historische Namensgeber der Ortschaft: Sigibold.
Die jüngste Geschichte des Gemeindeteils soll durch eine interaktive Mitmach-Chronik unter Federführung von Karl Schoger näher beleuchtet werden. Für eine Lesung im Saal des Gasthauses Gareis konnte für den 17. Oktober ferner die aus Seibelsdorf stammende renommierte Schriftstellerin Elli Kolb gewonnen werden.
Norbert Gräbner hat Seibelsdorfer Wurzeln großväterlicherseits
Von der „geschichtsträchtigsten Gemeinde innerhalb des heutigen Marktes Marktrodach“ sprach Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner (FW) in seiner Laudatio. Er selbst „outete“ sich dabei als Marktrodacher mit Seibelsdorfer Wurzeln großväterlicherseits.
Auf die Umgestaltung des Vogtsplatzes wie auch die Generalsanierung des historisch bedeutsamen Pfarrhauses als Hort für Vereine und dringend benötigten Wohnraum lege die Gemeinde im Jubiläumsjahr einen besonderen Fokus. Und auch um die Zukunft machte sich das Gemeindeoberhaupt wenig Sorgen; so habe Seibelsdorf in Relation zum bundesdeutschen Durchschnitt eine bemerkenswert hohe Geburtenrate und einen überproportional hohen Kinderanteil. „900 Jahre – das ist weit mehr als nur eine Zahl. Es ist Geschichte von gewachsenen geschichtlichen und gesellschaftlichen Strukturen sowie von Menschen, die ihre Heimat geprägt haben“, würdigte auch Landrat Klaus Löffler (CSU).
Landrat Klaus Löffler: Vorbildliches bürgerschaftliches Engagement
Das Jubiläum als Inbegriff gelebten Zusammenhalts solle Anlass sein, um Dankbarkeit gegenüber all jenen zu zeigen, „die uns dieses schöne Zuhause hinterlassen haben und jene, die es nun gestalten“. Vorbildlich nannte er in diesem Zusammenhang das bürgerliche Engagement und die Gestaltung der Gemeinschaft vor Ort; sie seien „das Herzstück unseres Zusammenlebens“.
Für die feierliche musikalische Umrahmung zeichneten die Musikkapelle Seibelsdorf mit festlichen Blasmusikklängen sowie ein großer gemischter Chor – bestehend aus der Chorgemeinschaft Seibelsdorf und dem Gesangverein Oberrodach – unter dem Dirigat von Benjamin Jung verantwortlich.
Programm im Seibelsdorfer Jubiläumsjahr
18. April: Fränkischer Abend mit „In aner Dur“, Saal Gasthaus Gareis
1. Mai: Maifest des Frankenwaldvereins auf der Radspitze
25. Mai: Pfarrfest an der Markgrafenkirche unter dem Motto „Glauben feiern und Gemeinschaft leben“
6./7. Juni: Dorffest am Dorfplatz in Seibelsdorf
27. Juni: Sommer-Soiree unter der Friedenseiche mit der Chorgemeinschaft und der Musikkapelle Seibelsdorf, Vogtsplatz
19. Juli: Sommer-Serenade des Cäcilia-Salonorchesters, Saal Gasthaus Gareis
1. August: Straßenfest des FC Seibelsdorf
16. bis 22. September: Seibelsdorfer Kirchweih
17. Oktober: Lesung der Autorin Elli Kolb, Saal Gasthaus Gareis
7. November: Irischer Abend mit „Larkshill“, Saal Gasthaus Gareis
13. Dezember: Feierlicher Abschluss auf dem Seibelsdorfer Weihnachtsmarkt, Dorfplatz
Lesen Sie auch













