Voller Spannung in den Lostopf greifen und die kleinen Papierröllchen öffnen – immer mit der Hoffnung auf einen schönen Preis und in der Gewissheit, dabei gleichzeitig die wertvolle Arbeit des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) zu unterstützen: Ein Abstecher zum BRK-Glückshafen gehört für viele Besucher des Kronacher Freischießens einfach dazu. Für die ehrenamtlichen Mitarbeiter bedeutet das zwar jede Menge Arbeit – doch sie machen diese mit Begeisterung. Das Schönste für sie ist, tolle Preise wie Plüschtiere, Spielsachen, Haushaltsgegenstände, dekorative Artikel oder die kultigen Ein-Punkte-Preise an die glücklichen Gewinner zu überreichen.
Magdalena Schipper: Vielfältiges Sortiment
„Wir haben auch in diesem Jahr wieder eine große Auswahl vorbereitet. Von Spielsachen bis hin zu Haushaltsartikeln ist alles vorhanden. Und natürlich haben wir auch viele schöne Plüschtiere“, berichtet Magdalena Schipper aus dem Ehrenamtsmanagement, die hauptverantwortlich für den Einkauf der Preise ist. Diese Aufgabe wurde in den letzten Jahren zunehmend schwieriger, da viele Glückshäfen und Losbuden in der Region aufgegeben wurden. Mittlerweile ist der Kronacher BRK-Glückshafen der letzte seiner Art in der Umgebung. „Es gibt zwar noch Losbuden, aber meistens werden dort nur Plüschtiere angeboten. So ein vielfältiges Sortiment wie unseres findet man fast gar nicht mehr“, erklärt sie. Besonders herausfordernd seien die stark angestiegenen Einkaufspreise.
„Es wird immer schwieriger, wirtschaftlich einigermaßen klarzukommen und dabei dennoch ansprechende, hochwertige Preise anzubieten. Würde man die gesamte Arbeit und den Aufwand oder gar das Personal gegenrechnen, wäre das eigentlich eine Nullnummer“, ergänzt der Stellvertretende BRK-Kreisgeschäftsführer Ralf Schmidt. Trotzdem wird der Losverkauf ausschließlich von Ehrenamtlichen gestemmt. Viele von ihnen engagieren sich hier bereits seit Jahrzehnten und tragen damit zum Erfolg der Aktion bei.
Ehrenamtliche als Herzstück bei Kronacher Freischießen
Eine besondere Erwähnung verdient Irene Müller, die seit der Übernahme des Glückshafens durch das BRK im Jahr 1972 dabei ist. Bis 2017 war sie sogar maßgeblich am Einkauf der Preise beteiligt. Die Ehrenamtlichen verkaufen nicht nur Lose, sondern verteilen auch die Gewinne, betreuen den Stand und kümmern sich um die Reinigung und den Auf- und Abbau. Der Dienst wird in Schichten geplant, wobei die letzte oft bis spät in die Nacht dauert. Dennoch bereitet die Arbeit den Helfern so viel Freude, dass sie immer wieder gerne mitmachen – vor allem, wenn sie Hauptgewinne überreichen können.
„Obwohl wir den Lospreis aus wirtschaftlichen Gründen längst hätten erhöhen müssen, haben wir uns bewusst entschieden, ihn weiterhin bei 50 Cent pro Los zu belassen“, erklärt Ralf Schmidt. Besonders in Anbetracht der derzeitigen Preissteigerungen sei es dem BRK wichtig, auch jungen Familien entgegenzukommen. Ebenso bemühe man sich, die breite Auswahl an Gewinnen für alle Altersgruppen beizubehalten. „Der Glückshafen hat einfach Tradition“, so Schmidt.
Kultige Kleingewinne bei Kronacher BRK-Glückshafen
Er berichtet, dass sich viele schon Wochen vor dem Freischießen danach erkundigen und sich darauf freuen. Der Erhalt dieser Attraktion, gerade in Verbindung mit dem Sanitätsdienst, ist dem BRK daher ein großes Anliegen.
Wie Magdalena Schipper verrät, gibt es bei den Plüschtieren jedes Jahr neue Trends. In diesem Jahr seien besonders „Capybara“ beliebt – die größten Nagetiere der Welt, die ursprünglich aus Südamerika kommen. Auch „Peppa Pig“-Figuren und Klassiker wie „Barbie“ oder „Star Wars“-Artikel sind weiterhin gefragt. Daneben gibt es Spiele, Fahrzeuge, Puppen, praktische Haushaltswaren und vieles mehr. Bei der Auswahl der Gewinne wird stets auf Qualität geachtet, so dass vor allem Markenartikel angeboten werden.
Erlös für Menschen aus der Kronacher Region
Eine weitere Besonderheit des BRK-Glückshafens sind die kultigen Kleingewinne wie Seifenblasen, kleine Schmuckartikel, „Mucknplatschen“ und Flieger, die seit Beginn dabei sind. Der Standort des Glückshafens hat sich ebenfalls nie verändert. Viele Besucher nutzen ihn als Treffpunkt – früher, in Zeiten ohne Mobiltelefone, war dies besonders hilfreich. Auch die Klientel ist über die Jahrzehnte gleich geblieben: Von Kindern bis Senioren kaufen Menschen aller Altersschichten Lose. Einige „Stammkunden“ kommen jedes Jahr, oft auch, um die Arbeit des BRK zu unterstützen.
Die Erlöse aus dem Glückshafen kommen direkt den Menschen in der Region zugute. Damit finanziert das BRK beispielsweise Schulungen und Ausbildungen für Ehrenamtliche. „Die Loskäufer können sicher sein, dass ihr Geld komplett im Landkreis bleibt und direkt der Bevölkerung zugutekommt“, versichert Ralf Schmidt.
Neben dem Glückshafen ist das BRK traditionell auch mit einer Sanitätswache am Freischießen vertreten. Diese gewährleistet schnelle Hilfe bei Verletzungen oder plötzlichen Erkrankungen. Die ehrenamtlichen Sanitäter sorgen dafür, dass die Besucher das Fest unbeschwert genießen können.
Kronach: Ein Glückshafen mit Geschichte
Der BRK-Glückshafen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits 1876 wurde eine erste Glücksbude aufgestellt, um die Einnahmen für die Armenkasse zu erhöhen. 1926 errichtete die Stadt Kronach ein neues Gebäude, betrieb den Glückshafen jedoch nur eine Zeit lang selbst. Seit 1972 wird dieser von der Stadt an das BRK vermietet und hat sich seitdem als wichtige Attraktion des Kronacher Freischießens etabliert.
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