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Auf dem Kronacher Freischießen
Selbsttest: Wie sieht der Alltag eines Schaustellers aus?
Kronacher Freischießen 2024: Selbstversuch an der Kasse
Jeffrey Fuchs gehört seit sieben Jahren zur Crew von Schausteller Michael Wolf. Unsere Redakteurin hat ihm auf dem Freischießen einen Nachmittag über die Schulter blicken dürfen. // Daniela Pondelicek
Kronach – Von der Wartung bis zur Kasse: Der Alltag eines Schaustellers ist vielseitig und aufregend. Ein Einblick auf das, was für die meisten Freischießen-Besucher verborgen bleibt.

"Willst du die nächste Fahrt ansagen?" Zugegeben, als ich als kleines Mädchen auf dem Freischießen vor dem Breakdance stand und mir die wirbelnden Kabinen angeschaut habe, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass mir diese Frage einmal gestellt wird. Doch nun, einige Jahre später, als Jeffrey Fuchs das Mikro zu mir dreht, rutscht mir das Herz schon ganz schön in die Hose. 

Dabei habe ich doch genau das gewollt: Ich habe mich mit Michael Wolf und seiner Crew auf dem Freischießen getroffen, um einmal selbst "Schausteller-Luft" zu schnuppern. Zwei Stunden lang habe ich dabei Jeffrey Fuchs über die Schulter geschaut - und durfte mich dann auch selbst mal ausprobieren.

Kronacher Freischießen: Ausstellerfamilie Wolf seit mehreren Jahrzehnten am Start

Gehen wir zuerst aber noch einen Schritt zurück. Michael Wolf und seine Crew gehören mit dem Breakdance, Schaschlik und seit neuestem auch mit Churros quasi schon zum festen "Freischießen"-Inventar. "Mein Großvater müsste vor rund 50 bis 60 Jahren das erste Mal da gewesen sein, mein Vater hatte sein 'Freischießen'-Debüt vor genau 36 Jahren", erzählt Michael Wolf. Er selbst erinnere sich auch noch gut daran, als Kind auf der Hofwiese zu Gast gewesen zu sein. "Deshalb fühlt es sich auch schon ein bisschen wie ein 'Nachhausekommen' an, wenn wir in Kronach zu Gast sein dürfen."

Und wie sieht der Job von Michael Wolf aus, wenn er dann in Kronach ist? Er selbst beschreibt seine Funktion als "ein bisschen Buchhalter, ein bisschen Teamleader und ein bisschen Elektriker".  "Im Prinzip sieht jeder Tag anders aus, aber es gibt ein paar Routinen, die immer wieder zurückkehren", so Wolf.


Möglicher Tagesablauf für die Schausteller auf dem Freischießen:

10 Uhr: Aufstehen, Teambesprechung

11 Uhr: Start mit Wartungsarbeiten am Fahrgeschäft

12 bis 14 Uhr: Freizeit

14 bis 24 Uhr: Festbetrieb, wechselnde Schichten

nach Schluss: Aufräumarbeiten, Buchhaltung (Michael Wolf: "Vor ein Uhr nachts ist für uns nicht an Schlaf zu denken."


Das wären zum Beispiel Wartungsarbeiten am Fahrgeschäft. "Das dauert in etwa eine Stunde", so Wolf. Bevor dann die Besucher auf den Festplatz strömen, soll dann auch noch Raum für die Freizeitgestaltung sein - und für den Austausch mit den anderen Schaustellern.

Zusammenhalt und klare Rollenverteilung bei den Schaustellern

"Für uns ist jedes Volksfest wie ein kleines Familientreffen", erzählt Michael Wolf.

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"Doch egal, wie lange wir uns nicht gesehen haben: Es ist immer so, als wären wir nie voneinander getrennt gewesen."

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Michael Wolf Schausteller (Breakdance)

Denn: Die Schausteller kennen sich seit Jahren, wenn nicht sogar seit Generationen. Doch der Job bringt es mit sich, dass sie nicht immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort sehen können. "Doch egal, wie lange wir uns nicht gesehen haben: Es ist immer so, als wären wir nie voneinander getrennt gewesen", erklärt Michael Wolf.

Doch nun zurück zu ihm und seiner Crew: Wie ist die Arbeit auf dem Freischießen? "Jeder im Team hat seine Rolle, also sein Aufgabengebiet, das ihm zugewiesen ist", erklärt er. So greife alles ineinander, so wie die Schalter und Hebel im "Breakdance" selbst.

Kronacher Freischießen: So arbeitet es sich in der "Breakdance"-Kabine

Jeffrey Fuchs ist der Hebel, der an diesem Tag an der Breakdance-Kasse sitzt. Er ist seit sieben Jahren im Team dabei - und hat selbst an einem Tag, an dem mächtig viel los ist, alles gut im Blick. Für mich sieht es jedenfalls so aus, als müsste er gar nicht mehr großartig darüber nachdenken, welche Knöpfe er jetzt drücken muss - sowohl in der Kabine, als auch bei den Besuchern.

So schafft er es, dass die Besucher bei "Major Tom" mitsingen - und kann abschätzen, wer bei den hohen Temperaturen für eine Dusche mit dem Wasserschlauch vertragen könnte. Er bekommt zumindest auf jedes "Zicke, zacke"  ausnahmslos ein "Hoi Hoi Hoi" zurück.

Fahrtansage beim Fahrgeschäft im Selbsttest: Zu viel Hall ist keine gute Idee

Und bei mir? Nun, mir spielt - wie sollte es auch anders sein - meine Nervosität einen Streich, und ich mache bei meiner Ansage prompt einen groben Anfängerfehler: Ich habe auf meinen ganzen Text einen Hall gelegt, und das klingt am Ende wenig überzeugend. Wer sich im Übrigen schon immer gefragt hat, wie das eigentlich gemacht wird: Regeln lässt sich der Effekt über ein Pedal unter dem Pult.

Freischießen 2024: Selbstversuch an der Kasse
Auch unsere Redakteurin Daniela Pondelicek hat eine Fahrt ansagen dürfen. // Jeffrey Fuchs

Spaß gemacht hat es mir trotzdem - zumal Jeffrey Fuchs auch nachempfinden kann, wie es mir gegangen ist. "Bei meiner ersten Ansage musste ich mich auch richtig überwinden, weil auf dem Festplatz viele Leute waren, die mich kannten", erzählt er und lacht. Mittlerweile habe er definitiv eine Routine entwickelt - und sichtlich Spaß an dem Job. "Es ist einfach toll, dass jeden Tag andere Leute kommen -  und auch Jahr für Jahr unsere 'Stammgäste' wiederzusehen."

Nicht nur für's Freischießen in Kronach: Michael Wolf sucht Verstärkung für seine Crew

Der Hall auf der Stimme, ein bisschen Wasser für die Fahrgäste - das ist aber noch nicht alles, was das Breakdance kann: An diesem Tag zündet Jeffrey Fuchs mittels "Fernbedienung" auch noch ein paar Feuereffekte. 

Mein etwa zweistündiges Schnupperpraktikum ist wie im Fluge vergangen. Wer sich im Übrigen noch anschließen möchte: Michael Wolf sucht auch noch Verstärkung für sein Team. "Es ist kein Job wie jeder andere, man muss definitiv dafür gemacht sein", erklärt Michael Wolf. Doch wie man sieht, gibt der Job auch etwas zurück. "Ich könnte mir einen anderen Job jedenfalls nicht vorstellen."

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