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Konzerterlebnis
Zuversicht in Moll: Kronach Klassik am 4. Oktober
Magdalena Klein leitet erneut das Orchesterprojekt Kronach Klassik 2026.Mathias Rümmler
Magdalena Klein leitet erneut das Orchesterprojekt Kronach Klassik 2026. // Foto: Mathias Rümmler
Signet des Fränkischen Tags von Nicole Julien-Mann
Kronach – Dirigentin Magdalena Klein arrangiert für Kronach Klassik ein besonderes Konzertprogramm. Warum die Tonarten dann eine besondere Rolle spielen.

Drei Werke, drei Molltonarten, drei sehr unterschiedliche musikalische Welten: Wenn am 4. Oktober das Orchesterprojekt Kronach Klassik im Kronacher Kreiskulturraum zu seinen beiden Konzerten einlädt, geht es um Musik, die auch die dunkleren Seiten des Lebens kennt.

Doch von einem düsteren Konzerterlebnis will Dirigentin Magdalena Klein keineswegs sprechen. Im Gegenteil: Sie hat ein Programm zusammengestellt, das von Dramatik, Melancholie und Schicksal erzählt – und gerade daraus seine Kraft bezieht.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten bringt Kronach Klassik junge und erfahrene Musikerinnen und Musiker zusammen, die sich in kurzer, intensiver Probenzeit anspruchsvolle sinfonische Literatur erarbeiten. Inzwischen reisen die Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands an. Die organisatorischen Fäden des ehrenamtlich organisierten Projekts hält Walter Gossel aus Küps in der Hand, der selbst als Klarinettist im Orchester mitspielt.

Kronach Klassik: Tonarten als Konzept

Die musikalische Leitung übernimmt erneut Magdalena Klein, die im vergangenen Jahr erstmals bei Kronach Klassik am Pult stand. Das Programm hat sie selbst zusammengestellt.

Das verbindende Element sind die Tonarten: Louise Farrencs Ouvertüre Nr. 1 e-Moll op. 23, Frédéric Chopins Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll op. 21 und Piotr I. Tschaikowskis Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36. „In allen drei Stücken hört man etwas von den traurigeren, härteren Zeiten im Leben“, sagt Klein. Bei Tschaikowski entstand die Sinfonie in einer persönlich schwierigen Lebensphase. Chopin dagegen schrieb sein Klavierkonzert am Beginn seiner Karriere, als er als junger Pianist auf dem Weg war, sich einen Namen zu machen.

Mit Louise Farrenc setzt Klein zugleich einen bewussten Kontrapunkt zu den beiden berühmten Komponisten. Farrenc hinterließ ein umfangreiches kompositorisches Werk, das heute nur selten auf den Konzertprogrammen steht. Ihre frühe Ouvertüre stellt Klein bewusst neben die bekannteren Werke Chopins und Tschaikowskis.

In schwierigen Zeiten kann große Kunst entstehen

Die Molltonarten bedeuten für Klein allerdings nicht, dass das Konzert in Schwermut versinkt. „Man braucht keine Angst zu haben, dass es ein depressives Konzerterlebnis wird“, sagt sie. Die drei Werke seien vielmehr „sehr kraftvoll“. Gerade in schwierigen Zeiten könne große Kunst entstehen.

Und darin sieht die Dirigentin auch einen Bezug zur Gegenwart: In einer Welt, in der täglich Nachrichten über Krisen und Konflikte auf die Menschen einwirken, könne Musik einen anderen Blick eröffnen. „In all den dramatischen Momenten blitzen auch friedliche und positive Augenblicke auf. Und die haben noch mehr Kraft, wenn sie zwischen der Schwere stehen.“ Diese Momente wolle sie mit dem Orchester herausarbeiten. Für Klein ist das Programm deshalb trotz seiner Mollstimmungen „ein Mut machendes Konzert“.

Im Mittelpunkt des zweiten Werks steht die Pianistin Johanna Doll. Mit drei Jahren begann sie Klavier zu spielen, spätestens mit 13 Jahren stand für sie fest, dass sie Pianistin werden wollte. Chopin ist ihre „unendlich große Jugendliebe“ und musikalischer Wegbegleiter von der Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfungen fürs Studium bis jetzt.

Melancholie ohne Klagen

„Er ist einer der ganz großen Virtuosen, er hat bis dahin unerhörte Möglichkeiten für das Klavier geschaffen“, sagt Doll. Gleichzeitig fasziniert sie seine Fähigkeit, Tragik und Melancholie in Musik zu verwandeln, ohne dass sie jemals ins Klagen kippt. Aus schwierigen Momenten werde bei Chopin Schönheit, Eleganz und Bewegung.

Das Klavierkonzert folgt diesem Spannungsbogen. Der erste Satz erinnert Doll in seiner Anlage an eine von Chopins berühmten Balladen, der zweite an seine Nocturnes: Musik zum Träumen unter einem Sternenhimmel. Im Finale dagegen wird es verspielt und tänzerisch. „Da fliegen die Finger und die Fetzen“, beschreibt Doll den letzten Satz. Und am Ende tritt das Orchester noch einmal besonders hervor: Ein Hornsolo klingt wie ein Ruf von draußen – als würde jemand in eine andere Welt locken.

So begegnen sich in Kronach drei Werke, die von Schwere erzählen und dennoch immer wieder ins Helle weisen. Am Sonntag, 4. Oktober, um 11 Uhr beginnt die Matinee im Kreiskulturraum Kronach mit kurzen Werkeinführungen und Moderation. Um 16 Uhr folgt das Abschlusskonzert. Dann zeigt sich, was aus intensiver gemeinsamer Probenarbeit entstehen kann: ein Konzert, das die Molltöne nicht scheut, ihnen aber auch die Zuversicht entgegensetzt, die in großer Musik immer aufscheint.

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