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Rund 100 Schüler beteiligt
Gemeinsam musizieren: Kronachs Schulen machen's vor
Diese Achtelnote hat es in sich: fast 100 Kinder profitieren von der musikalischen Kooperation zwischen Grund-, Real- und Berufsfachschule für Musik Oberfranken und der Musikschule.Nicole Julien-Mann
Diese Achtelnote hat es in sich: fast 100 Kinder profitieren von der musikalischen Kooperation zwischen Grund-, Real- und Berufsfachschule für Musik Oberfranken und der Musikschule. // Foto: Nicole Julien-Mann
Signet des Fränkischen Tags von Nicole Julien-Mann
Kronach – Musikalische Vielfalt: Von Boomwhackers bis Bläser. Kronachs kreative Schulpartnerschaft begeistert Schüler und Lehrer gleichermaßen. Und so funktioniert die Zusammenarbeit.

Flöten, Gitarren und Notenblätter sind mit dabei. Die Viertklässler halten ihre bunten Boomwhackers in der Hand. Das sind Kunststoffröhren, die aussehen wie Poolnudeln und beim Anschlagen Töne erzeugen. Auf dem Schulhof der Lucas-Cranach-Grundschule Kronach herrscht geschäftiges Treiben. Kinder und Jugendliche der Jahrgangsstufen 5 bis 9 der Siegmund-Loewe-Realschule (RS II) sind herübergekommen. Gemeinsam mit den Erst-, Zweit- und Viertklässlern stellen sie sich als riesige Achtelnote auf.

Die Aufregung ist spürbar, der Stolz ebenso. Und die Begeisterung, mit der sich die rund 100 Kinder und Jugendlichen in Position bringen, zeigt sich auch im Gespräch über ihre musikalischen Erfahrungen.

Hinter dem Bild steht eine Kooperation zwischen der Lucas-Cranach-Grundschule, der Siegmund-Loewe-Realschule und der Berufsfachschule für Musik Oberfranken, die vor drei Jahren mit einer Chorklasse begann und inzwischen deutlich erweitert wurde. Das Besondere daran: Die Schüler der Berufsfachschule übernehmen in den Schulprojekten selbst die Rolle der Lehrenden.

Sie befinden sich im dritten Ausbildungsjahr, dem pädagogischen Zusatzjahr, und verbinden damit Theorie und Praxis unmittelbar miteinander. Was sie in ihrer Ausbildung über Musikpädagogik und Unterrichtsgestaltung lernen, können sie direkt an den beiden Schulen erproben. So profitieren beide Seiten: Die Grund- und Realschüler erhalten zusätzlichen Musik- und Schauspielunterricht, die angehenden Musikpädagogen sammeln wertvolle Erfahrungen für ihren späteren Beruf.

Vom Chor bis zur Band: Musik an der Grundschule in Kronach

An der Lucas-Cranach-Grundschule gab es bereits eine Bläserklasse, in der Musiker des Kronacher Jugendorchesters die Kinder unterrichteten. Schulleiterin Carmen Nüchterlein kam vor drei Jahren auf die Idee, auch das Singen stärker in den Schulalltag zu integrieren. Die Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach stellte dafür eine Lehrkraft zur Verfügung. Derzeit leitet Yvette Wirsing die Chorklasse und singt wöchentlich eine Stunde mit den Kindern der ersten und zweiten Jahrgangsstufe.

In der gebundenen Ganztagsklasse 4a gestalten die Berufsfachschüler das Profilmodul Klassenmusizieren. Aus zwei Theoriestunden an ihrer Ausbildungsstätte entwickeln sie eine Unterrichtsstunde für die Grundschulkinder. Auf dem Programm stehen Lieder und Spiellieder, aktives Hören, Bodypercussion und Klangspiele mit Orff-Instrumenten. Julian Freibott hat bereits ein Ziel für das Schuljahresende: eine Band.

Der dritte Baustein ist die Instrumentalunterrichts-Praxis. Kinder der ersten und zweiten Ganztagsklassen erhalten Unterricht an Blockflöte, Klarinette, Gitarre oder Querflöte. Die Nachwuchspädagogen vermitteln ihnen erste musikalische Fertigkeiten und lernen dabei, auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Kinder einzugehen.

Idee entwickelt sich in Kronach zum Dauerbrenner

„Es ist doch verrückt, dass wir da nicht schon vor 20 Jahren drauf gekommen sind“, sagt Schulleiterin Nüchterlein. Gerade für Ganztagsklassen seien solche Angebote sinnvoll, weil die Kinder ohnehin viel Zeit in der Schule verbringen.

Auch an der Siegmund-Loewe-Realschule ist aus einer Idee ein regelmäßiges Angebot geworden. Lehrer Thomas Hauptmann wandte sich an die Musikschule, weil er neue Impulse für seine bekannte Theater-AG gesucht hat. Aus dem ursprünglichen Gedanken, einmal für eine Stunde Unterstützung zu holen, wurde eine kontinuierliche Zusammenarbeit.

Jeden Mittwoch kommen angehende Musikpädagoginnen aus der Musicalklasse für 45 Minuten an die Realschule. In kleinen Gruppen von drei bis vier Jugendlichen aus den Jahrgangsstufen 5 bis 9 unterrichten sie Gesang, Körperwahrnehmung und Sprechen. Raumlaufübungen fördern Präsenz und Körpergefühl. Beim Cup-Song sind Rhythmus, Koordination und Stimme gefragt. Die Jugendlichen lernen, ihre Stimme gezielt einzusetzen und auf der Bühne sicher aufzutreten.

Mit mehr Selbstvertrauen auf die Bühne gehen

Wie viel das bewirken kann, erzählen die Schülerinnen selbst. Nora Kapustianski, die Gesangsunterricht bekommt und zur Theater-AG gehört, kann Töne inzwischen besser halten und lauter sprechen. „Singen ist sehr nützlich“, sagt sie. Auf der Bühne möchte sie gut wirken.

Nora Kapustjanski, Sophie Müller und Laura Osterrieter profitieren vom Gesangs- und Schauspielunterricht nicht nur für ihre Theater-AG.
Nora Kapustjanski, Sophie Müller und Laura Osterrieter profitieren vom Gesangs- und Schauspielunterricht nicht nur für ihre Theater-AG. // Foto: Nicole Julien-Mann

Auch Sophie Müller, die Querflöte spielt, in Wallenfels Gardetanz macht und Mitglied der Theater-AG ist, fühlt sich in der Gruppe selbstbewusster. Sie traut sich inzwischen mehr vor anderen Menschen.

Laura Osterrita lernt Klavier, tanzt ebenfalls in der Garde und wirkt in der Theater-AG mit: „Ich singe mittlerweile lieber und würde gerne die höhere Töne schaffen“, sagt sie.

Projekt in Kronach fördert das Lernen auf beiden Seiten

Für Manuel Grund, Leiter der Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach und der Berufsfachschule für Musik Oberfranken, ist die Zusammenarbeit ein Gewinn für alle Beteiligten.

Gerade für die Ganztagsklassen schafft die Kooperation zusätzliche Möglichkeiten. Kunst und Musik haben im regulären Unterricht wenig Raum; die ergänzenden Angebote bringen musikalische Erfahrungen in den Schulalltag. Nach drei Stunden Musik seien alle „platt wie eine Briefmarke“, erzählt Freibott, „aber zufrieden und glücklich“. Dass sich die Dozenten an beiden Schulen willkommen fühlen, trägt für ihn wesentlich zum Gelingen bei.

Die Kooperation zeigt, wie schulische Bildung und musikalische Ausbildung einander bereichern können. Die Achtelnote auf dem Schulhof ist dafür ein passendes Bild: Viele Einzelne bilden gemeinsam eine Einheit – und jeder trägt seinen Teil dazu bei, dass der Klang stimmt.

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