Es war viel geboten beim Viertelmeistertag in der Lucas-Cranach-Stadt. Zunächst hatten sich die „Historischen“ an der Melchior-Otto-Säule versammelt. Herold Tom Ohnerast verkündete den Beginn des Viertelmeisterstreffens. Stadtvogt Jens Schick wandte sich, stellvertretend für den Fürstbischof, mit einladenden Worten an das umstehende Volk.
Der Obrist der Cronacher Ausschuss Compagnie, Walter Schinzel-Lang, gab die Befehle zum Laden der Waffen fürs Salutschießen. Gegen 19 Uhr am Freitagabend zog die Prozession in die Lucas-Cranach-Straße zur „Bekränzung der Kunigunden-Maß“ über der Tür eines Anwesens.
Anschließend ging es vor die „Alte Markthalle“, wo das erste Schmäuß-Fass angestochen und die halbe Elle Rostbratwurst genossen wurde. Danach berichteten in der Markthalle die Viertelmeister Hartmut Fleischmann, André Felsecker und Thomas Oechsler von ihren Vierteln. Zu Wort kam auch der Historische Oberbürgermeister Michael Zwingmann.
Der Stadtvogt freute sich, dass mit Stadtpfarrer Albert Müller ein „neues Schwert“ gewonnen werden konnte, er mit einer „neuen Schärfe seine Schäfchen gottesfürchtig halten möge“. Begrüßen konnte er unter anderem den Historischen Verein und Wirtsweiber, die Rytterschaft vom Goldenen Turm zu Cranaha, die Bürgerwehr und eine Abordnung aus Nordhalben.
Zu viel Bürokratie fürs Handwerk
Kritik gab es für die Stadtverwaltung, die den Handwerkern mit viel Bürokratie das Leben schwer mache. Man sollte diesen Berufszweig nicht vernachlässigen, sonst gebe es bald keinen mehr, der die vielen Abgaben aufbringe, und dies werde auch für die Stadtbediensteten Folgen haben. Erfreulich sei allerdings, dass die Stadtmauer wieder wehrhaft gemacht werden soll. Betont wurde zudem, dass das Volk die Säule der Stadt ist, nicht die Bürgerherren im Rathaus. Berichtet wurde außerdem, dass es im Bereich der Wirtshäuser ruhig zuging, allerdings seien Beschwerden wegen Zechprellerei vorgekommen.
Stadtschreiberin Rosi Ross sprach von einer ruhmreichen Spende für die Kreuzbergkapelle in Höhe von 300 Talern. Zudem wurde gehofft auf reichen Storchennachwuchs auf dem Storchturm. Kastnerin Nadine Zwingmann berichtete über den Geldsäckel, der unter anderem einen neuen Silbertaler und eine Gedenkmünze beinhaltet.
Zu Wort kamen weiterhin die Bürger aus der Rechten Stadt und der Vorstadt. Vakant ist die Stelle des vierten Viertelmeisters Josef Barnickel. Er soll im nächsten Jahr – da er diesmal nicht dabei sein konnte – gebührend verabschiedet werden. Nun ist die Obrigkeit gefordert, bis zum Historischen Stadtspektakel einen Ersatz zu finden.
Während all dem Tadel und Lob in den Reden ging es fröhlich zu. Schließlich fand gegen Ende der offiziellen Veranstaltung der „Ayd der Viertelmeister“ auf ihre Pflichten im Stadtgebiet und die Treue zur Stadt und ihrer Ersten Bürgermeisterin statt.
Der Viertelmeistertag erinnert an die Abwehr der schwedischen Truppen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Kronach in den Jahren 1632 bis 1634 mehrmals von einer Überzahl der Schweden und ihrer protestantischen Verbündeten belagert. Durch den strategisch günstigen Aufbau der Stadt und die entschiedene Gegenwehr ihrer Bürger konnten die Angreifer jedoch erfolgreich zurückgeschlagen werden.
Nach diesen Kriegen wurde die Obere Stadt in vier Viertel eingeteilt, deren Meister die Ordnungs- und Wehrgewalt aufrechterhalten sollten. Diese Viertelmeister werden bis zum heutigen Tag geehrt.















