Die Jüngeren werden kaum etwas anfangen können mit dem Begriff „Bierdorf Weißenbrunn“. Doch in Weißenbrunn gab es noch Mitte des 19. Jahrhunderts fünf Bierbrauereien. Auch einen Bierkrieg hat das Bierdorf schon vor Jahrhunderten überstanden und es stand auch schon mit Kronach im Clinch wegen Braurechten. Im Laufe der Zeit verschwanden die Brauereien. Infolge des Strukturwandels blieb bis heute nur noch die Gampertbräu als einzige Brauzunftvertretung im Bierdorf übrig. Das Familienunternehmen ist sogar älter, als es offiziell dargestellt wird.
Ritter herrschten einst in Weißenbrunn
Der Ort Weißenbrunn wurde erstmals 1285 urkundlich erwähnt, damals als „Wizenbrunnen“. Er war einst ein ritterschaftliches Dorf. Grundherren waren die Ritter von Redwitz. 1514 ist das Jahr auf dem sich die Gampertbräu als Gründerdatum beruft. Doch Bier wurde hier schon vor 1514 gebraut.
Kronach hatte zwar im Jahr 1400 vom Bamberger Bischof das Recht erhalten, innerhalb einer Meile Weges rund um die Stadt sein Bier liefern zu dürfen. Dies galt aber nicht für Weißenbrunn, das innerhalb dieses Bereiches lag. Denn die örtlichen Grundherren hatten ebenfalls vom Bischof direkt das Privileg erhalten, Bier zu brauen. Das führte öfters zum Streit, wer nun berechtigt war, Bier auszuschenken, und von wo und von wem es zu beziehen war.
Die Gampertbräu hat eine lange Familientradition
Die Gampertbräu macht ihr Gründungsdatum an einer Urkunde aus dem Jahr 1514 fest. In dieser gibt der Ritter Peter von Redwitz zu Theisenort, dem Fritz Zollstab und seiner Ehefrau Elisabeth die „Schenkstatt am Bach“ in Weißenbrunn zum Lehen. Der Name Gampert kommt erst 1619 ins Spiel. Hier taucht Heintz Gampler in einer Weißenbrunner Gemeinderechnung erstmals unter dem Namen Heinrich Gampert als besteuerter Wirt auf. Seit dieser Zeit und bis zum Tode von Hans Gampert wurde die Brauerei immer von Gamperts geführt.
Doch der inzwischen verstorbene Weißenbrunner Ortschronist, Dieter Runzer, ging der Sache mit dem Ursprung des Bierbrauens und der Braugerechtigkeit zu Weißenbrunn tiefer auf die Spur. Er fand, dass in Weißenbrunn nicht erst seit 1514 Bier gebraut wurde. Runzer schreibt in seiner Chronik Wizenbrunnen 725 Jahre Band I (erschienen 2010) zur historischen Wahrheit. Die in der Lehenurkunde von 1514 enthaltene „Schenkstatt am Bach“ wird bereits 1491 erwähnt. In diesem Jahr trägt Letz (Alexius) von Redwitz zu Theisenort unter anderem seinen Weißenbrunner Besitz dem Kulmbacher Markgrafen zu Lehen auf. In der Urkunde werden sowohl die Eltern von Friedrich und Sigmund, Gebrüder Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach, wie auch die Eltern des Letz von Redwitz erwähnt. Demnach erfolgt 1491 lediglich eine Neubelehnung. „Daher ist davon auszugehen, dass die Schenkstatt schon früher (vor 1491) bestand“, so der Autor der Chronik.
Eine nächste Nachricht erfolgt am 22. Februar 1500, als Letz von Redwitz an seinen Sohn Peter von Redwitz, derzeit Amtmann zu Berneck, unter anderem in Weißenbrunn die Schenkstatt, worauf Claus Opell sitzt, verkauft. Dann folgt die Urkunde von 1514, in der die Theisenorter Schenkstatt ausdrücklich als „am Bach gelegen“, bezeichnet wird. Dieser Zusatz sollte eindeutig die Lage der Schenkstatt in Weißenbrunn kennzeichnen, um Verwechslungen mit anderen Schenkstätten zu vermeiden.
Warum aber hörte man nichts von den anderen Schenkstätten? Diese waren im freieigenen Besitz der weiteren Dorfherren, den Rittern von Redwitz zu Weißenbrunn und den Marschalk von Ebneth zu Wildenberg und sind demnach nicht in Lehensurkunden der Oberlehensherren enthalten. Erst 1522 finden sich deren Erwähnungen. In diesem Jahr nämlich, hat der Bamberger Bischof Weigand von Redwitz seinen Vettern auf ihren Besitzungen in und um Weißenbrunn und Wildenberg eine besondere, höhere Gerichtsbarkeit verliehen. Die Adeligen müssen ihre Besitzungen anführen und hieraus kann der Chronist die Angaben über die Schenkstätten entnehmen.
Unter anderen wird angeführt: „Wolff Christoph vonn Redwitz (zu Theisenort) Güttere zu Weissenbrun, die Schenkstatt darauf Wolff Monch sitzt“. Diese in dem Bericht als letzte genannte Schenkstatt mit Wolff Monch ist die 1514 an Fritz Zollstab verliehene „Schenkstatt am Bach“. Die drei Schenkstätten werden 1578 wieder genannt. „Auf Befehl der Bamberger Regierung reichten Hauptmann und Kastner zu Cronach, 12.10.1578 ein Verzeichnis der adeligen Schenkstätten ein, darunter: Weisenbrunn 3: je 1 des Wilhemb von Redwitz zu Weisenbrunn des Wilhemb von Redwitz zu Teysenort und des Georg Marschalckh von Ebneth“. Die Adeligen zahlen kein Umgeld, vergleichbar mit der heutigen Biersteuer, an das Hochstift.
Die Gampertbräu wird erstmals im Jahr 1491 erwähnt
Es folgen weitere Meldungen in verschiedenen Jahren an das Hochstift. Daraus ist zu schließen, dass das Braurecht als vom Landesherrn, dem Bischof, verliehenes Privileg, schon seit urdenklichen Zeiten auf den Weißenbrunner adeligen Besitzern ruhte. Das bischöfliche Privileg für Weißenbrunn zeigt sich in einem Brief des Bischofs Marquard Sebastian vom 15. Januar 1686. Im Streit wegen der neuen Schenk- und Braustatt des Kronacher Spitals kam es auch zu Handgreiflichkeiten und anderen Verdruss. Der Bischof ermahnt den Dorfherrn Hannß Ulrich von Redwitz und droht Konsequenzen an. Daraus schließt jedenfalls Ortschronist Dieter Runzer, dass die Keimzelle für die Gampertbräu bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Das angenommene Gründungsjahr 1514 ist jedenfalls zu spät, da bis jetzt die früheste bekannte Urkunde von 1491 ist.
Die Gründung der ehemaligen Schultheiß-Brauerei sieht der Chronist ebenfalls viel früher als von den Eigentümern später mit 1562 angegeben wird. Verbindlich im Jahr 1532 als die Schenkstatt des Fritz von Redwitz zu Weißenbrunn genannt wird, ist dies ein klarer Hinweis darauf, dass daraus die Schultheiß- Brauerei hervorging. Trotzdem feierte man 1962 das 400-jährige Jubiläum. 1968 verkaufte die Eigentümerfamilie Leutheußer die Brauerei an einen Großkonzern. Das Brauhaus (ehemalige Brauerei Schultheiß) wurde nach einigen Jahren Leerstand im Jahr 2009 abgerissen.
Die „heile Weißenbrunner Bierwelt“ kam allerdings immer wieder ins Wanken und geriet auch in langfristige Streitigkeiten mit der Spital Schenke- und Braustätte in Kronach. Mitte des 18. Jahrhunderts waren fünf Brauereien im Brandversicherungskataster eingetragen: Veit Mäder, Am Brunnen 4, „Bamberger Wirtshaus“ zuletzt „Gasthaus Schultheißbräu“, das 1974 abgerissen wurde. Kunigunda Schultheiß, Witwe – nun Christoph Schultheiß, Am Brunnen 1, vormals Schenk und Braustätte der von Redwitz Weißenbrunn. Nikolaus Gampert, Braustraße 2, vormals Schenk- und Braustätte der von Redwitz zu Theisenort. Johann Heublein – nun Heinrich Heublein, Braustraße 4, heute Gampertbräu, vormals Schenk- und Braustätte der Marschalk zu Wildenberg. Freiherrn von Redwitz, heute Wildenberger Straße 9 und Rotmühlweg 2.
Gampertbräu ist eine der größten Brauereien der Region
Der Chronik-Autor Runzer blickt noch einmal voller Respekt und Anerkennung auf die Familiengeschichte der Gampertbräu und fasst zusammen: Eine bis 1463 zu verfolgende Familientradition und eine über 500-jährige Brautradition sind schon etwas Beachtliches, ganz zu schweigen vom urkundlichen Nachweis der Braustätte 1491. Gampertbräu zählt heute zu den größten Brauereien der Region und die Brauerei bestimmt auch heute noch das Bild in der Ortsmitte. Dennoch ist es kein Vergleich mehr zu dem, wie sich das Ortsbild im 20. Jahrhundert bis in den Anfang des 21. Jahrhunderts mit der weiteren Großbrauerei und Gaststätten in der Ortsmitte darstellte.













