Kisten schleppen und den Transporter beladen: Vor einigen Tagen tauschte Landrat Klaus Löffler den Chefsessel im Landratsamt gegen den Beifahrersitz des Caritas-Lieferwagens. Er begleitete Heinz Henniger auf seiner Tour durch den nördlichen Landkreis, um Lebensmittelspenden für den Caritas-Sozialladen „Lädla“ abzuholen.
Die Aktion bot dem Kommunalpolitiker einen tiefen Einblick in den Alltag der Lebensmittelretter, die Kooperation mit dem lokalen Handel und in die Arbeit der Helferteams des „Lädlas“. Er erlebte die Basisarbeit, die geleistet wird, damit die Regale im Caritas-Sozialladen gefüllt bleiben.
Heinz Henniger freute sich über den prominenten Beifahrer: „Es ist mir eine Ehre – zeigt dieser Einsatz doch, dass der Landrat hinter unserer Arbeit steht!“
Rentner hatte eine Aufgabe gesucht
Seit rund sechs Jahren ist der Rentner für das „Lädla“ im Einsatz. Nachdem seine Frau gestorben war, hat er nach einer Beschäftigung gesucht, wie er erzählt. Jetzt tourt er für das „Lädla“ durch den Landkreis Kronach.
Heinz Henniger hat einen Tourenplan dabei. Darauf stehen die festen Partnerbetriebe, wie der „Supermarkt der Generationen“ in Steinbach, Aldi, Diska, Netto, die Metzgerei Stüber in Ludwigsstadt und die Rewe in Rothenkirchen. Zudem liegen Formulare im Auto, denn die Lebensmittel, die er von den Händlern erhält, müssen dokumentiert werden.
Kronachs Landrat als Beifahrer: Damit haben die Leute nicht gerechnet
Klaus Löffler hilft dabei, Klappboxen auszugeben, die von den Lebensmittelläden erhaltenen Waren zu prüfen, die Kisten mit Obst, Gemüse, Nudeln, Molkereiprodukten im Fahrzeug zu stapeln und zu sichern. Dabei gibt es den einen oder anderen freundliche Plausch mit Kunden und Mitarbeitern. Einige erkennen den Landrat in diesem Moment gar nicht. Zum einen liegt das an seinem Outfit, denn statt Anzug und Trachtenjanker trägt er Jeans, Arbeitsjacke und eine rote Kappe.
Zum anderen ist es darin begründet, dass die Leute den Landrat einfach nicht als Beifahrer des „Lädla“-Fahrzeugs vermuten. So ist eine Kundin im Supermarkt völlig überrascht: „Das ist ja der Landrat! Du wirst auch nicht älter, abgesehen von den grauen Haaren.“
Angekommen beim „Lädla“ in Kronach, half Löffler mit, die Kisten aus dem Auto zu laden. Er suchte dort das Gespräch mit den Mitarbeitern. Dabei erfuhr er von Nöten und Schicksalen.
Ein besonderer Tag für den Kronacher Landrat
Für ihn sei es ein besonderer Tag gewesen, zieht Löffler nach der Tour ein Resümee. Es sei für ihn wichtig, nicht nur über Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit zu reden, sondern diese auch zu leben. Er sprach von Werten, die er von seinen Eltern Hans und Roswitha bekommen habe.
Es habe ihn bewegt, dass er dieses Mal Begriffe wie Hilfe und Zusammenhalt nicht nur wie bei Empfängen in Worte gefasst habe, sondern selbst mit habe anpacken können. Löffler spricht von einem „relativ reichen Land“, in dem es trotzdem viele Herausforderungen gebe. Jenen Menschen, die Hilfe benötigten, müsse immer wieder ein Zeichen der Mitmenschlichkeit gegeben werden. Es müsse ihnen das Gefühl vermittelt werden: „Wir sehen Euch!“
Ihm sei der gesellschaftliche und soziale Wert des „Lädlas“ erneut bewusst geworden. Denn Menschen mit wenig Geld, beispielsweise Bezieher von Bürgergeld und Wohngeld, erhielten dort Lebensmittel zu symbolischen Preisen.
Im Gespräch mit Sabine Hock wird zudem deutlich, dass das „Lädla“ als Beschäftigungsmodell dient. Die 57-Jährige ist seit langem auf der Suche nach einem Job. Mehrere Bewerbungen habe sie verfasst, darunter auch an einige Pflegeheime. Eine Antwort habe sie nicht erhalten, sagt sie. Im „Lädla“ habe sie Abwechslung von ihrem Alltag und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu leisten.
Respekt vor Ehrenamtlichen
Großen Respekt äußert der Landrat gegenüber den Ehrenamtlichen, die sich für den Erhalt des Caritas-Sozialladens einbringen. Ohne deren Einsatz wäre das „Lädla“ seiner Ansicht nach nicht das, was es heute ist. Sein Dankeschön geht aber auch an die Lebensmittelhändler, die gute Waren für das „Lädla“ zur Verfügung stellen. Anhand dieses Beispiels werde deutlich, dass mehrere Faktoren ineinandergreifen müssten, um den Erfolg zu sichern.
Wie Heinz Henniger erklärt, gebe es im Landkreis rund 400 Berechtigungsscheine für das „Lädla“. Etwa 2000 Bürger nutzten es beziehungsweise den „mobilen Verkaufsladen“, der jede Woche durch den Landkreis tourt. Löffler spricht davon, dass mittlerweile die Spendenbereitschaft gegenüber dem Anfang des Ukrainekrieges nachgelassen habe. Daher freue man sich über alle, die das „Lädla“ mit unterstützen.












