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Fahrverbot gefordert
Muss es am Tettauer Schauberg erst Tote geben?
Obwohl es am Schauberg drei schwere Unfälle in drei Wochen gab und schon Schrauben auf der Straße gefunden wurden, will die Verkehrsaufsicht den Bikern am Wochenende weiter freie fahrt lassen.
Obwohl es am Schauberg drei schwere Unfälle in drei Wochen gab und schon Schrauben auf der Straße gefunden wurden, will die Verkehrsaufsicht den Bikern am Wochenende weiter freie fahrt lassen. // Matthias Hoch
Die Biker glauben, dass ihnen jemand mit Schrauben ans Leder will.
Die Biker glauben, dass ihnen jemand mit Schrauben ans Leder will. // privat
Kronach – Unfälle, genervte Anwohner und eine mutmaßliche Schraubenattacke: Warum die Verkehrsaufsicht die beliebte Biker-Strecke trotzdem nicht sperren will.

Wer auch immer die Straße von Schauberg (Markt Tettau) nach Jagdshof (Thüringen) geplant hat: Er hätte wohl lieber eine Rennstrecke entworfen. 14 Kurven auf einer Länge von 3,4 Kilometern plus eine zur Jubelkurve umfunktionierte Parkbucht lassen bei Bikern das Herz derart hoch schlagen, dass es sie pünktlich zum Start der Motorradsaison wieder in Scharen an die Strecke zieht.

Doch diesen Sommer droht die Situation am Schauberg zu eskalieren. Nachdem sich die Anwohner bereits im vergangenen Jahr über den Lärm beschwert haben, hat der Ärger von vorne begonnen. Die ersten Wochen der diesjährigen Motorradsaison hatten es bereits in sich: Ende Mai stürzte ein 20-jähriger Yamaha-Fahrer in einer Rechtskurve, kollidierte mit der Bordsteinkante auf der Gegenseite und wurde in Richtung eines anliegenden Hangs geschleudert. Der junge Mann aus dem Kreis Kronach kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.

Es war in dieser Saison bereits der dritte schwere Unfall. Erst eine Woche zuvor hat sich ein 18 Jahre alter Biker schwer verletzt. Ein anderer 18-Jähriger zog sich Ende April schwere Verletzungen zu, als er gegen die Leitplanke prallte. „Hier herrscht Gefahr für Leib und Leben“, macht Tettaus Bürgermeister Peter Ebertsch deutlich. Auch andere Verkehrsteilnehmer würden durch die rücksichtslose Fahrweise gefährdet.

Seine Worte sollten sich Ende Mai auf gefährliche Art bewahrheiten, als ein noch Unbekannter eine ganze Packung Schrauben in den Kurven am Schauberg ausstreute. Eine Bikerin entging nur mit Glück einem Unfall. „Das ist natürlich absolut verantwortungslos. Da können die schlimmsten Unfälle passieren“, mahnt Michael Volk vom Sonneberger Landratsamt. „Das zeigt aber nur, wie groß der Handlungsdruck inzwischen ist.“ Die Polizei geht davon aus, dass jemand die Schrauben ausgelegt hat, um Unfälle zu provozieren – und die Biker glauben, dass ihnen ein genervter Anwohner ans Leder will.

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Die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden, die Landratsämter Kronach und Sonneberg und auch die Polizei – alle sind sich einig, dass erst Ruhe einkehrt, wenn die Strecke an den Wochenenden für Biker gesperrt wird. Nur das Thüringer Landesverwaltungsamt sieht die Sache anders – und stimmt als obere Aufsichtsbehörde dem bereits geplanten Fahrverbot nicht zu.

Unfälle sind kein triftiger Grund

Eine Wochenendsperrung für Biker gilt als Eingriff in die Straßenverkehrsordnung und darf nur aus triftigen Gründen angeordnet werden. „Derzeit wird ein solches Fahrverbot als nicht verhältnismäßig eingeschätzt“, heißt es aus der Behörde in Weimar. Gäbe es eine neue Entwicklung, könne man die Situation am Schauberg erneut bewerten.

Vor Ort fühlt man sich ausgebremst. „Es handelt sich nach wie vor um eine öffentliche Straße, die von Motorradverrückten als Rennstrecke missbraucht wird – von der Lärmbelästigung für die Anwohner ganz zu schweigen“, stellt Michael Volk vom Landratsamt Sonneberg einmal mehr klar. „Leider hat man unsere Sicht in Weimar nicht geteilt.“

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Auf der Thüringer Seite mussten im vergangenen Jahr wegen des Borkenkäfers viele Bäume gefällt werden. Damit fiel auch ein natürlicher Lärmschutz weg – die Bewohner von Jagdshof hören das motorisierte Heulen von dutzenden Rennmaschinen nun noch deutlicher. Die Anwohner seien nur noch genervt, beschreibt Bürgermeister Andreas Meusel die Stimmung im Ort. „Unsere Kameraden von der Feuerwehr haben die Faxen dicke, weil sie fast jedes Wochenende ihre Freizeit opfern und ausrücken müssen wegen irgendwelcher Verkehrsrabauken.“

Meusel fährt selbst Motorrad und sagt, dass die Kurven am Schauberg hohe Geschwindigkeiten zulassen – obwohl auf der gesamten Strecke maximal 70 Stundenkilometer gefahren werden dürfen. Nur wenn die Strecke am Wochenende gesperrt wird, glaubt der Bürgermeister, würde Schauberg aus den Köpfen der Biker verschwinden.

Bis dahin zeigt die Polizei vor allem am Wochenende Präsenz, führt Kontrollen und Geschwindigkeitsmessungen durch. Doch es ist ein Kampf gegen Windmühlen – sind die Beamten fort, dauert es nicht lange, bis in Schauberg und Jagdshof wieder das Heulen der Motoren erklingt. Und der Unmut wächst weiter.

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