Am Mittwochabend heulten die Sirenen in Münnerstadt, Althausen, Burghausen, Reichenbach und Nüdlingen. Eine Brandmeldeanlage im Haus Windsburg am Thoraxzentrum des Bezirks Unterfranken in Münnerstadt hatte auf ein aufkommendes Feuer in einer Werkstatt reagiert und damit Schlimmeres verhindert. Rund 70 Feuerwehrleute waren im Einsatz und retteten neun noch im Haus befindliche Bewohner, teils auch mit der Drehleiter. Zum Glück war dies alles nur eine Großübung, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein, sagt Kommandant Guido Denner. Er hatte die Übung ausgearbeitet und begleitete sie gemeinsam mit Bürgermeister Michael Kastl sowie Stefanie Dörfner, Betriebsleiterin am Thoraxzentrum, und Natalie Spät, Heimleiterin Haus Windsburg.
Wie im Ernstfall war die BRK-Bereitschaft Münnerstadt mit Rettungswagen und der Schnelleinsatzgruppe beteiligt und versorgte die „Verletzten“. Die Leitung lag in den Händen von Kreisbereitschaftsleiter Burkhard Kühn aus Münnerstadt. Der Einsatzleiter und Stellvertretende Kommandant der Münnerstädter Feuerwehr Manuel Wolf wurde von den beiden ebenfalls in die Übung eingebundenen Kreisbrandmeistern Alexander Frey und Holger Ulrich unterstützt. In der Einsatzleitung liefen alle Fäden der gesamten Übung zusammen. Mit den alarmierten Mehrzweckfahrzeugen von Münnerstadt und Nüdlingen wurde eine Einsatzleitung aufgebaut. Die Besatzungen hielten unter anderem den Funkkontakt zu den übenden Feuerwehren oder erstellten eine Lagekarte über den Übungseinsatz zur Information des Einsatzleiters.
Realistische Darstellung der Brandfolgen
Als Beobachter sah man Kreisbrandinspektor Steffen Kiesel und Kreisbrandmeister Marcus Kolb. Die Gruppe der realistischen Unfalldarstellung der Johanniter aus dem Landkreis Schweinfurt hatte dafür gesorgt, dass einige „verletzte Personen“ entsprechend mit Brandverletzungen geschminkt waren. Diese waren im gesamten Haus verteilt, so unter anderem im Speisesaal, Treppenhaus, Dachgeschoss und im Kellerbereich, wo der Brand ausgebrochen war. Als die Münnerstädter Wehr als erstes am „Brandort“ eintraf, stellte sie schnell fest, dass im Keller ein Feuer ausgebrochen war und damit große Gefahr für die im Haus befindlichen Personen bestand. Sofort wurde die Leitstelle informiert, den Alarm auf „Stufe 4“ zu erhöhen. Das führte dazu, dass noch weitere Feuerwehren zum Einsatzort am Thoraxzentrum fuhren.
Bei der weiteren Lageerkundung hörten die Einsatzkräfte schon die Hilferufe der „Verletzten“ von den Balkonen im Obergeschoss. Diese wurden von den Wehrleuten zunächst beruhigt und schnelle Hilfe zugesagt. Für die Feuerwehren war es in diesem Fall nicht so einfach, an den Brandherd zu gelangen, da für die Türen der geschlossenen Einrichtung sogenannte Transponder verwendet wurden und dafür das Personal zuständig war. „Auch eine Herausforderung für die Einsatzkräfte – eben, wie es im Ernstfall auch so wäre,“ sagt Kommandant Guido Denner.
Auftakt im Kellergeschoss
Feuerwehrleute kümmerten sich zunächst um den Brandherd im Kellergeschoss und fanden dort zwei verletzte Personen, die dem Rettungsdienst übergeben wurden. Schwieriger gestaltete sich der Bereich des eigentlichen Brandherdes. Hierzu wurde zunächst ein Rauchschutzvorhang an der Türe befestigt, bevor die Feuerwehrleute den Raum kriechend „unter die Lupe nahmen“ und dort eine weitere verletzte Person im dichten Rauch, dargestellt durch eine Puppe, entdeckten und retteten. Mittlerweile waren weitere Wehren angerückt und hatten die Wasserversorgung aufgebaut. Das notwendige Löschwasser kam damit nicht nur von den Löschfahrzeugen, sondern auch aus den am Klinikum vorhandenen Zisternen.
Über die Drehleiter der Feuerwehr Münnerstadt sowie über tragbare Leitern wurden die weiteren Personen gerettet und vom BRK-Rettungsdienst medizinisch versorgt.
Bürgermeister Michael Kastl sieht solche Übungen als unbedingt notwendig an, um im Ernstfall die Räumlichkeiten eines Gebäudes ebenso zu kennen wie auch die vorhandenen Anschlüsse für das Löschwasser und die Rettungswege. Er selbst erinnerte in diesem Zusammenhang an seine Zeit als Katastrophenschutzbeauftragter am Landratsamt Bad Kissingen, als die Begleitung solcher Übungen und Ernsteinsätze zu seinen Aufgaben gehörten. Als Bürgermeister sei er nun aber auch gefragt, wenn es bei Einsätzen um Entscheidungen geht, die das Finanzielle seiner Stadt betreffen, zum Beispiel bei der Versorgung der Rettungskräfte mit Getränken und Essen bei größeren Ernsteinsätzen, die über mehrere Stunden laufen.
Wichtige Übung mit Blick auf echte Schadensfälle
Er, wie auch Stefanie Dörfner, Betriebsleiterin am Thoraxzentrum, und Natalie Spät, Heimleiterin Haus Windsburg, dankten den Feuerwehren für diese Großübung, die auch für sie und das Personal wichtig ist. Schließlich gehe es auch um die Zusammenarbeit im Schadensfall. Guido Denner selbst sprach von einer gelungenen Übung und wies rückblickend auf einige wichtige Kernpunkte hin. Sein Dank galt allen Beteiligten, die in diese Übung ihre Freizeit investierten. Schließlich sei der Feuerwehrdienst nach wie vor ein Ehrenamt.
















