Wenn ein Geburtstag gefeiert wird, darf es auch schon mal laut und spektakulär zugehen. Das dachte sich auch die Freiwillige Feuerwehr Diebach, als sie zu ihrem 150-jährigen Bestehen am Samstagabend eine Übung der Superlative inszenierte. Im Rahmen des Wein- und Federweißenfestes verwandelte sich die „Kinderkiste“ in der St.-Georg-Straße in ein Zentrum für Feuer, Rauch und Rettungseinsätze, wie es sonst nur selten zu erleben ist.
Ein Szenario wie im Ernstfall
Punkt 17 Uhr schrillte der Alarm. Unter der Leitung von Ferdinand Mihm und Martin Hauk rückten zwölf Wehren aus dem Landkreis Bad Kissingen mit 16 Fahrzeugen an. Die Einsatzmeldung hatte es in sich: „Starke Rauchentwicklung, Massenanfall von Verletzten (MANV), Unfall Pyrotechnik bei Bühnenshow am Tag der offenen Tür in der Kinderkiste – unbekannte Anzahl verletzter und vermisster Personen.“ Mit dabei: die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UGÖEL), Kreisbrandmeister Michael Ohmert und Feuerwehrleute aus Diebach, Hammelburg, Wartmannsroth, Untererthal, Völkersleier, Waizenbach, Dittlofsroda, Windheim, Morlesau, Untereschenbach und Obereschenbach. Die Diebacher Straße war währenddessen gesperrt.
Realistische Szenen spielten sich ab
16 Statisten und 13 Rettungspuppen warteten auf ihre Bergung. Verletzte standen an den Fenstern, riefen um Hilfe – kunstvoll mit Silikonwunden präpariert. Andere hatten sich in verrauchte Räume geflüchtet und waren eingeschlossen. Puppen lagen eingeklemmt unter Bänken. In der Turnhalle herrschte Nullsicht, der Zutritt war für die zehn Atemschutztrupps nur noch mit Maske möglich. Stockwerk für Stockwerk wurde abgesucht, ein Durchbruch im Gang stellte die Retter auf die Probe. Viele Menschen konnten nur noch über tragbare Leitern oder die Drehleiter der Feuerwehr Hammelburg ins Freie gebracht werden.
Parallel dazu entstand eine Verletztensammelstelle, nicht verletzte Kinder und Besucher wurden rasch in die Kirche gebracht. Andere Einheiten legten eine Schlauchstrecke von der Saale, organisierten eine Landemöglichkeit für den Hubschrauber.
Feuerwehr Diebach: Jubiläumsübung 2025
Beobachtung und Auswertung
Sechs offizielle Beobachter – darunter Kreisbrandmeister Torsten Büchner – notierten sich das Geschehen ganz genau. Bereits um 17:46 Uhr galt die letzte Person als gerettet, um 17:56 Uhr gab es endgültig Entwarnung. Rund 85 Einsatzkräfte stemmten gemeinsam die Herausforderung.
Festwochenende mit Geschichte
Die Großübung war das i-Tüpfelchen eines Festwochenendes zum 150-jährigen Bestehen der Feuerwehr Diebach. Gegründet wurde die Wehr am 19. April 1875, in einer Zeit, als vielerorts der Brandschutz zur Sache der Bürger wurde. Zunächst noch mit militärischer Strenge organisiert, wandelte sich die Truppe im Lauf der Jahrzehnte grundlegend. Heute umfasst die Diebacher Feuerwehr rund 85 aktive Mitglieder, eine starke Jugendgruppe und viele Unterstützer – und ist längst nicht mehr nur im Brandfall gefragt. Ob technische Hilfeleistung, gesellschaftlicher Anlass oder Unterstützung bei Großbränden etwa 2011 in Hammelburg – die ehrenamtlichen Helfer sind aus Diebach nicht wegzudenken.
Wein, Federweißer und fränkische Herzlichkeit
Nach dem Einsatz hieß es dann: Abendgarderobe statt Einsatzkleidung. In der Vereinsringhalle wurde mit Wein, Spezialitäten und Musik weitergefeiert – ein fröhlicher, geselliger Ausklang unter Freunden.













