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Tod von Cornelia Hümpfer
Oberstaatsanwalt fordert lebenslange Haft für US-Soldaten
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Der frühere US-Soldat Tommy M. - hier am Landgericht Schweinfurt mit seinen Verteidigern - ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft der Täter im Mordfall Cornelia Hümpfer. // Josef Lamber
Signet des Fränkischen Tags von Lisa Marie Waschbusch
Schweinfurt
Schweinfurt – Eine junge Frau wird getötet, zum Prozess in Schweinfurt kommt es 47 Jahre später. Nach 17 Verhandlungstagen ist der Ankläger sicher: Tommy M. ist der Täter.

Für Oberstaatsanwalt Markus Küstner gibt es nach 17 Prozesstagen vor dem Landgericht Schweinfurt keinen Zweifel daran, dass der angeklagte Tommy M. für den Tod von Cornelia Hümpfer verantwortlich ist. Aus seiner Sicht hat der 71-Jährige die junge Frau am Abend des 20. April 1978 getötet, weil er mit ihr eine Affäre gehabt habe und sie damit gedroht habe, davon seiner Frau zu erzählen. Küstner hält seine Anklageschrift, die er vor einem halben Jahr vor Gericht vorgetragen hat, für bestätigt.

Der Oberstaatsanwalt sieht zwei Mordmerkmale erfüllt, weshalb der ehemalige US-Soldat aus seiner Sicht wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt werden sollte. Die damals 18 Jahre alte Cornelia Hümpfer sei arg- und wehrlos gewesen, als M. ihr heimtückisch von hinten mit einem Messer in den Rücken gestochen habe. Außerdem habe er sein eigenes Fehlverhalten – die Affäre – vertuschen wollen, indem ein Mensch habe sterben müssen, sagt Küstner in seinem Plädoyer an diesem Freitag. „Das ist ein niederer Beweggrund.“

Alles außer Mord ist nach 47 Jahren verjährt

Alles außer Mord wäre in dem Verfahren um eine Tat, die vor 47 Jahren passiert ist, verjährt. 47 Jahre, in denen viel spekuliert worden sei, sagt Küstner. 47 Jahre, in denen viele Methoden angewandt worden waren, die heute längst veraltet seien. „Viele der Verfahrensbeteiligten waren zu der Zeit noch gar nicht geboren“, erklärt der Oberstaatsanwalt. Er selbst sei damals Vorschuldkind gewesen.

Die erste Annahme der damaligen Ermittler, es handele sich um einen unbekannten Täter, konnte aus seiner Sicht „relativ leicht widerlegt“ werden.

Vielmehr gebe es einige Indizien, die dafür sprechen, dass Tommy M. der Täter sei: Wie das Fahrzeug mit einem grünen Kennzeichen, das eine Zeugin damals am Fundort der Leiche gesehen haben will. Der Fiat, den der Angeklagte damals gefahren hatte, könnte die am Tatort entstandenen Reifenspuren verursacht haben. Dann ein Muster am Rock und den Schuhen der Getöteten – ähnliche Strukturen fand man bei einer Polizeikontrolle kurz nach der Tat auch in M.s Fahrzeug.

 DNA-Spuren an der Kleidung

Die stärksten Indizien sind aus Küstners Sicht allerdings die festgestellten DNA-Spuren an der Kleidung der jungen Frau aus Dittelbrunn – insbesondere an ihren Kniestrümpfen. Bei dieser Spur könne Tommy M. „mit höchster Wahrscheinlichkeit als Mitverursacher“ gesehen werden, sagte eine Sachverständige im Februar vor Gericht. Auch an anderen Kleidungsstücken komme der Angeklagte – wenn auch weniger deutlich – als Mitverursacher in Betracht.

Und dann gebe es noch die Aussagen der Ex-Frau und eines früheren Kumpels des US-Amerikaners. Zwar seien darin auch Unstimmigkeiten erkennbar, sagt Küstner, allerdings basierten die Aussagen ja nicht auf eigenem Erleben. Der Oberstaatsanwalt stellt die Frage in den Raum: Wie wahrscheinlich ist es, dass beiden Zeugen - unabhängig voneinander und ohne sich zu kennen - angeben, M. habe ihnen von der Tat erzählt, und dass man gleichzeitig seine DNA-Spuren an der Kleidung der Toten findet?

Staatsanwalt: Tommy M. war der Letzte, der Hümpfer gesehen hat

„Es ist nur so möglich, dass der Angeklagte am Tatort war und der letzte war, der Cornelia Hümpfer gesehen hat“, erklärt Küstner. Er geht davon aus, dass Cornelia Hümpfer sich an jenem Abend im April 1978 bewusst Freiraum geschaffen habe. Zu den Eltern habe die 18-Jährige gesagt, sie sei bei der Probe. Dabei hatte sie sich bei den eigenen Bandmitgliedern längst für die Probe abgemeldet und mit ihrem damaligen Freund wollte sie sich um 21 Uhr im Schweinfurter Musikerviertel treffen.

Kurz vor ihrem Tod sei es zu einvernehmlichem Sex mit dem Angeklagten gekommen, sagt Küstner. Den Tatort, der Acker neben der Straße zwischen Kolitzheim und Unterspiesheim im Landkreis Schweinfurt, halte er dafür für „absolut ungeeignet“. Es müsse ein Streit entstanden sein. Möglicherweise als Tommy M. die junge Frau nach Schweinfurt zum Treffen mit ihrem Freund fahren sollte. Stattdessen könnten sie am Tatort gehalten haben. Vielleicht habe M. die Angelegenheit erst verbal klären wollen, dann aber den Entschluss gefasst, die Frau zu töten. Küstner grenzt den Tatzeitraum auf 21.20 Uhr bis 21.45 Uhr ein.

Der Vertreter der Nebenklage, Nicolas Sauer, schließt sich am Freitag dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. Jetzt stehen die Plädoyers der beiden Verteidiger an.

Mit diesen soll am kommenden Mittwoch, 9. Juli, der Prozess fortgesetzt werden.

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