Eine sogenannte Wunderheilerin aus Weißrussland hat in der Würzburger City am helligsten Tag einer ihr unbekannten 70 Jahre alten Rentnerin in deren russischer Muttersprache Hilfe angeboten gegen den Fluch, der auf ihr laste. Den versprach sie zu vertreiben, begann sofort an der stark frequentierten Straßenbahnhaltestelle am Würzburger Barbarossaplatz mit gebetsartigen Beschwörungen und am Ende der Behandlung – in der Wohnung der Rentnerin – war die um 19.000 Euro ärmer.
Zu Freiheitsstrafen verurteilt
Die „Wunderheilerin“ und ihre Schwester, 54 und 50 Jahre alt, sind von einem Schöffengericht in Würzburg jetzt wegen schwerem Bandendiebstahl zu Freiheitsstrafen von je zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Die Schwester war an der Straßenbahnhaltestelle scheinbar zufällig mit der Wunderheilerin zusammengetroffen und hatte dabei der Rentnerin berichtet, dass man auch sie mit Erfolg von einem Fluch befreit habe.
An das Geld waren die Angeklagten mit einem für dieses Delikt bekannten Trick geraten. Sie wiesen darauf hin, dass sich so ein Fluch auch gern in Geldscheinen des Verfluchten einnistet. Daher wickelten sie die 19.000 Euro in einen Putzlappen mit der Aufforderung, das Knäuel erst nach 33 Tagen zu öffnen. Als die Rentnerin bereits nach drei Tagen nachschauen wollte, ob sich ihre Scheine verändert haben, fand sie Papierschnitzel. Währen der „Behandlung“ muss der Putzlappen ausgetauscht worden sein.
Festgenommen wurden die Schwestern erst Monate später bei einer Fahrzeugkontrolle auf der Autobahn A 3 in Bessenbach. Sie konnten nach dem Fall in Würzburg, im Juli 2024, identifiziert werden, weil der Barbarossaplatz durch Video-Kameras überwacht wird.
Überwachungsfotos vom Tattag
Als die Rentnerin ihren Verlust von 19.000 Euro wenige Tage später bei der Polizei anzeigte, hat man mit der Frau zusammen die Überwachungsfotos vom Tattag angesehen und dabei die beiden Frauen entdeckt und das Kennzeichen des Pkw, aus dem sie ausgestiegen waren. Seitdem standen der Pkw und seine Insassen auf den Fahndungslisten.
Bei der Festnahme in Bessenbach hatten die Frauen 30.000 Euro im Pkw, vermutlich das Honorar für neue „Heilungen“. Sie versuchten, das Geld „zu retten“ mit dem Hinweis, dass es Erspartes sei, das sie aus Weißrussland mitgenommen hätten für einen Urlaub mit Freunden in Italien, zur Erholung nach schwerer Krankheit.
Das führte jetzt vor Gericht für die Rentnerin nach der ersten Enttäuschung in Sachen Wunder zu einem echten Erfolgserlebnis. Die 70-Jährige durfte die Daten ihres Bankkontos dem Gericht übergeben und erhält, hat man ihr versprochen, ihre 19. 000 Euro umgehend zurück. Das Geld hatte sie für ihre Tochter gespart.
Die Angeklagten machten vor Gericht keine Angaben zur Sache, weinten nur unterschiedlich lang und laut und beantworteten auch keine Fragen. Ihre Anwälte erklärten, was in der Anklageschrift steht, stimme so und tue den beiden Frauen auch sehr leid. Sie hätten nicht aus Geldgier gehandelt, sondern, um die Behandlung durch Ärzte, also Heilungsprofis, zu finanzieren.
Die eine ließ Belege für die Behandlung einer langjährigen Krebserkrankung vorlegen, unter anderem aus einem Krankenhaus in Israel, die andere habe wegen einer chronischen Darmerkrankung, einem Bandscheibenvorfall und Problemen mit der Schilddrüse ihren Job als Putzfrau in einer Schule verloren.
Deswegen, so die Verteidiger, könne man in dem Fall eine Bewährungsstrafe vertreten, überzeugt hat das jedoch das Schöffengericht nicht.
Eine Frau nicht identifiziert
Gegen den Fahrer der Angeklagten läuft ein Strafverfahren, eine weitere sogenannte Heilerin konnte bisher nicht identifiziert werden. Man könne davon ausgehen, meinte ein Prozessbeteiligter, dass der Fall in die nächste Instanz geht.









