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Gefahr bei Sturz ist groß
Neurochirurg aus Würzburg rät dringend zum Fahrradhelm
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Prof. Ralf-Ingo Ernestus, Direktor der Neurochirurgischen Klinik am Würzburger Uniklinikum, fährt selbst nie mehr ohne Helm mit dem Rad. // Daniel Peter
Signet des Fränkischen Tags von Andreas Jungbauer
Würzburg
Würzburg – Die Gefahr bei einem Sturz ist groß, doch viele Radfahrer tragen keinen Helm. Der Chef der Neurochirurgie an der Uniklinik warnt vor Traumata und schweren Folgen.

In Unterfranken steigt die Zahl der Fahrradunfälle, im vergangenen Jahr wurde mit 1559 registrierten Unfällen ein neuer Rekordwert erreicht. 1449 Radfahrerinnen und Radfahrer wurden dabei verletzt, neun kamen zu Tode. Neurochirurg Prof. Ralf-Ingo Ernestus, stellvertretender Ärztlicher Direktor am Würzburger Uniklinikum, weiß durch viele Operationen, welche schweren Folgen die Unfälle haben können. Angesichts der Verletzungen wirbt der Mediziner vehement für das Tragen von Helmen.

Professor Ernestus, als Neurochirurg sehen Sie viele Kopfverletzungen nach Fahrradunfällen. Was sind das für Verletzungen?

PROF. DR. RALF-INGO ERNESTUS: Das reicht von leichten Schädelprellungen oder rein äußerlichen Verletzungen bis zu komplexen Schädelfrakturen oder Hirnblutungen. In der Neurochirurgie sehen wir eher die schweren Unfallfolgen.

Verletzungen, die auch tödlich enden?

ERNESTUS: Ja, insbesondere bei Radfahrern ohne Helm. Da wird die kinetische Energie beim Aufprall sehr häufig ungebremst auf Kopf und Schädel übertragen.

Wie groß ist der Anteil von Radlern ohne Helm, die Sie als Schwerstverletzte im OP versorgen?

ERNESTUS: Weit über 90 Prozent. Patienten mit so schweren Verletzungen haben fast alle keinen Helm getragen.

Jeder sechste Verkehrstote war ein Radfahrer

Werben Sie deshalb für das Helmtragen?

ERNESTUS: In jungen Jahren habe ich den Helm oft liegen lassen – bis ich als Assistenzarzt eine Patientin nach einem Fahrradsturz erlebt habe: Sie hatte nur eine leichte Prellung in der Schläfenregion und hat mir ihren geborstenen Helm gezeigt. Diese Frau hätte ohne Helm ein schwerstes Schädel-Hirn-Trauma mit bleibenden Schäden erlitten. Seitdem fahre ich nur noch mit Helm und werbe dafür.

Ist das Verletzungsrisiko umso größer, je schneller ich fahre?

ERNESTUS: Die Geschwindigkeit allein ist nicht entscheidend. Die kinetische Energie wirkt vor allem durch die Höhe, aus der man vom Fahrrad fällt. Man hat das Radgestänge zwischen Armen und Beinen und kann sich nur noch schwer abfangen. Viele Unfälle passieren aus dem Stand, mit geringer Geschwindigkeit und oft ohne Fremdbeteiligung. Fahre ich mit einem höheren Tempo, bin ich oft konzentrierter, als wenn ich an einer Ampel stehe oder abgelenkt bin.

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Der Würzburger Neurochirurg Ralf-Ingo Ernestus begegnet in den OP-Sälen vielen schweren Kopfverletzungen nach Fahrradstürzen. // 

Heißt das, größere Menschen haben durch die Fallhöhe ein größeres Verletzungsrisiko als zum Beispiel Kinder?

ERNESTUS: Im Prinzip ja. Wobei Kinder auch ganz anders fallen – und zudem beim Radfahren fast immer einen Helm tragen. Wir sehen zunehmend ältere Radfahrer – bei ihnen lassen Aufmerksamkeit, Koordination und Reaktionsgeschwindigkeit nach, was beim Sturz häufiger zu einem ungebremsten Aufprall des Kopfes führen kann.

Merken Sie den Vormarsch der E-Bikes?

ERNESTUS: Es gibt mehr Unfälle, die Patienten sind zunehmend älter. Wir wollen ja, dass Menschen im Alter mobil bleiben. Deshalb ist es zu befürworten, dass sie mit E-Bikes bzw. Pedelecs unterwegs sind. Wir sehen damit aber auch häufiger Unfälle mit schweren Verletzungen, bei älteren Patienten oft mit einer schlechteren Prognose als bei jüngeren.

Macht es einen Unterschied, ob ich mit dem schweren E-Bike stürze oder mit einem Normalrad?

ERNESTUS: Es ist gar nicht so einfach, von einem kippenden, nicht mehr kontrollierten E-Bike abzusteigen. Das geht beim herkömmlichen Fahrrad noch leichter. Es gibt mehr Stürze aus dem Stand heraus, weil die E-Bikes schwerer sind. Teilweise wird damit aber auch schneller gefahren, insbesondere an Steigungen. Man muss sein Verhalten der Situation anpassen. Das ist mindestens so wichtig wie das Helmtragen und gilt für alle Verkehrsteilnehmer.

Kopfverletzungen mit und ohne Helm: Was ist der größte Unterschied?

ERNESTUS: Die Schwere der Verletzungen. Ohne Helm sehen wir Frakturen des Schädels und schwerste Schädigungen des Hirngewebes wie Schwellung oder Blutungen. Mit Helm ist das sehr selten. Es kann sein, dass der Helm bricht – aber er verteilt dann die kinetische Energie, sie trifft nicht mehr punktuell auf den Schädel.

Trotzdem kommt es bisweilen auch mit Helm zu schweren Schädel-Hirn-Traumata.

ERNESTUS: Ja, in Ausnahmefällen, der Helm stellt hier keine Garantie dar. Aber es gibt aus meiner Sicht keinen Grund, sich nicht durch einen Helm zu schützen.

Wenn es zu einem Schädel-Hirn-Trauma kommt: Wie wird behandelt, welche Perspektive hat man?

ERNESTUS: Das hängt von der Art und Schwere der Verletzung ab. Es kann sein, dass man eine Blutung oder Hirnschwellung operativ entlasten muss. Bei einer schweren Hirnschädigung sind lange intensivmedizinische und teils mehrmonatige Reha-Maßnahmen erforderlich. Oftmals bleiben Schäden zurück, Patienten können dauerhaft pflegebedürftig werden. Wesentlich hängt der Verlauf davon ab, welche Regionen des Gehirns und in welchem Ausmaß diese geschädigt sind. Umso wichtiger ist daher die Reduzierung des Unfallrisikos!

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