Es war ein Paukenschlag zum Jahreswechsel: Die Kliniken Bad Bocklet AG, die unter der Dachmarke Hescuro bereits drei Kliniken betreibt, übernahm die kriselnde Franz-von-Prümmer-Klinik in Bad Brückenau. Auch wenn deren Zukunft damit gesichert scheint: Es bleiben Fragen. Hescuro-Vorstand und Klinik-Geschäftsführer Alexander Zugsbradl stellt sich diesen. Im Interview spricht er über die Ausrichtung der Prümmer-Klinik, das angrenzende Medzentrum und fehlende Arztsitze in Bad Brückenau.
Herr Zugsbradl, erst das frühere Gesundheitsresort Regena, jetzt die Prümmer-Klinik. Entwickeln Sie eine Vorliebe für den Raum Bad Brückenau?
Alexander Zugsbradl: Der Erwerb der Franz-von-Prümmer-Klinik hat ganz praktische Gründe. Wir wollen eine Art regionale Versorgung aufbauen und dem Patienten ein vollumfängliches Angebot machen. Dabei möchten wir alle Stufen abdecken, von der ambulant-hausärztlichen Versorgung, über die akutmedizinische im Krankenhaus, bis zur Wiederherstellung in der Rehabilitationsklinik.
Und weshalb kamen Sie da auf die Prümmer-Klinik?
Die Hescuro-Gruppe ist ja nicht so ausgerichtet, zehn bis 15 Kliniken auf ganz Deutschland verteilt zu betreiben. Wir sind stetig auf der Suche nach Häusern mit Akutbetten in der Region. Davon gibt es nicht viele. Insofern kam die Prümmer-Klinik recht schnell auf den Schirm. Sie ist für uns das Puzzleteilchen, das noch gefehlt hat.
Können sie das näher erklären?
Die Hescuro-Gruppe betreibt zwei Rehakliniken in Bad Bocklet und Bad Kissingen. Dazu kommt ab Sommer das frühere Regena zur Akutbehandlung von Selbstzahlern und Privatpatienten. Da passt die Prümmer-Klinik als bisheriges Krankenhaus der Grundversorgung gut hinein. Zumal ein Medizinisches Versorgungszentrum mit ambulanten chirurgischen und neurologischen Angeboten eingegliedert ist.
Welche genaue Ausrichtung soll die Prümmer-Klinik künftig haben?
Das zeigt sich hoffentlich bei einem Strategie-Workshop am zweiten März-Wochenende. Dann treffen sich die Chefärzte mit externen Fachleuten, die Impulsvorträge halten werden. Am zweiten Tag stoßen die Aufsichtsräte dazu. Wir werden uns die Zeit nehmen, alternativen abzuprüfen und die Stoßrichtung festzulegen. Das wird ein guter Prozess: Man sieht die internen Möglichkeiten und holt sich zusätzliches Wissen herein. So haben wir es 2019 mit den Kliniken Bad Bocklet und Bad Kissingen auch gemacht.
Alles ist also im Fluss. Aber eine gewisse Grundidee werden sie für die Bad Brückenauer Klinik doch haben, oder?
Die Schwierigkeit ist, dass wir Teil des deutschen Gesundheitssystems sind. Die Zukunft kleiner Krankenhäuser wird in Bayern und in der Bundespolitik ganz gegensätzlich diskutiert. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach möchte eine hohe Zentralisierung von Leistungen und mehr Spezialisierung; Bayerns Staatsminister für Gesundheit und Pflege Klaus Holetschek setzt auf regionale Versorgung. Das besteht ein Spannungsfeld und wir müssen uns auf verschiedene Szenarien vorbereiten. Wir wissen nicht, was am Ende kommt: mehr Lauterbach oder mehr Holetschek. Als Roter Faden bleibt aber: Wir müssen uns auf mehr ambulante und weniger akut-stationäre Leistungen einstellen.
Was bedeutet, dass Patienten weniger lange in Krankenhäusern verweilen?
Genau. Als ich 1994 in der Branche anfing, lag die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus bei eine Hüft-Operation bei 21 Tagen. Heute sind es vier bis fünf Tage. Danach geht es in die Rehaklinik oder die ambulante Versorgung. Die Prümmer-Klinik hat übrigens einen großen rehabilitativen Bereich, der zuletzt nur nicht mehr so intensiv genutzt wurde. Das wird perfekt passen.
Das Thema Notaufnahme ist ein emotionales in Bad Brückenau. Im September 2022 schloss sie. Wird die Einrichtung unter Ihrer Führung wiedereröffnet?
Man muss prüfen, ob man das noch leisten kann: So ehrlich müssen wir sein. Wenn wir eine solche Funktion übernehmen, müssen wir sie sieben Tage, 24 Stunden leisten, um die beste Anlaufstelle für Patienten in der Region zu sein. Eine Notaufnahme von 8 bis 17 Uhr halte ich persönlich für keine gute Lösung.
Würde die Notaufnahme überhaupt in ihr angesprochenes Konzept passen?
Für eine Aussage dazu ist es zu früh. Da spielt wieder die Gesundheitspolitik mit rein. Da wird es in den nächsten Tagen viel Gesprächsbedarf zwischen der bayerischen Sicht und der im Bund geben.
Gegenüber der Prümmer-Klinik entsteht das Medzentrum. Ursprünglich sollte das MVZ dort mit einziehen. Die alte Klinikleitung entschied sich dann aber um. Wie stehen sie zu dem Thema?
Beide Einrichtungen liegen so nahe beieinander, dass es für den Patienten egal ist, ob er den einen oder den anderen Eingang wählt. Wir planen für Bad Brückenau mit 15 bis 20 Arztsitzen. Da ist klar, dass die nicht alle in Prümmer-Klinik und MVZ passen. Warum also nicht das Ärztehaus mit einbeziehen?
15 bis 20 Arztsitze sind ein sportliches Ziel. Derzeit wollen kaum ausgebildete Mediziner in die Rhön. Wie wollen Sie das ändern?
Der Plan ist, dass Fachärzte ihre Ausbildung komplett in den Häusern der Hescuro-Gruppe absolvieren und dann im MVZ ihre berufliche Karriere als Angestellte beginnen. So brauchen sie ihre Arztsitze nicht selbst erwerben. Wir haben eine Anzeige geschaltet, dass wir gerne Sitze, bei denen es keine Regelung bei der Nachfolge gibt, übernehmen wollen. Mit interessanter Rückmeldung. Mittelfristig besteht auch die Chance, dass Ärzte satellitenartig in der Rhön verteilt sind, logistisch und organisatorisch aber an Klinik und MVZ angebunden werden.
Vor Ort stehen ein Urologe und ein Kinderarzt ganz oben auf der Wunschliste. Welches sind Ihre Favoriten?
Zunächst braucht es eine ausgewogene Mischung. Es können nicht alles nur allgemeine oder nur fachärztliche Sitze sein. Aber das hängt davon ab, was die Bevölkerung nachfragt. Beim Urologen wären wir dabei; eine kinderärztliche Ausrichtung wird schwierig.
Warum?
Dafür bräuchte es eine kinderhabilitative Zulassung, über die wir aktuell nicht verfügen. Außerdem müssen wir schauen, wie solch ein Angebot in die Behandlungskette passt.
Die Übernahme der Prümmer-Klinik durch Hescuro kam für viele überraschend. Waren die Verhandlungen langwierig?
Tatsächlich ging alles ganz schnell. Der erste Kontakt erfolgte am 5. September 2022; im ersten Gespräch mit den damaligen Geschäftsführern Sigurd Gawinski und André Eydt waren wir uns in wesentlichen Punkten schnell einig. Das war bemerkenswert, denn normalerweise dauert selbst ein zügiger Übernahmeprozess ein halbes Jahr.
Wie haben die Mitarbeiter der Klinik auf die Übernahme durch Hescuro reagiert?
In der Betriebsversammlung am 13. Januar kontten wir uns den Mitarbeitern vorstellen. Wir sind offen und freundlich empfangen worden. Der Wert eines Krankenhauses liegt in seinen Mitarbeitern. Unsere Aufgabe ist es, ihr Vertrauen zurückzugewinnen, alte zurückzuholen und neue von uns zu überzeugen. Ich sehe es als kleinen Erfolg der ersten vier, fünf Wochen an, dass uns das gelungen ist. Die Mitarbeiter hätten sagen können: Es ist die dritte Übernahme in wenigen Jahren; wir gehen. Einige, die die Klinik aus individuellen Gründen verlassen hatten, sind schon zurückgekehrt.
Als vielbeschäftigter Chef von jetzt vier Kliniken: Wie oft werden wir Sie in Bad Brückenau antreffen?
Im Moment bin ich zwei- bis dreimal pro Woche vor Ort, nicht immer ganze Tage. Ab 1. März haben wir mit Tibor Stuhl einen Kaufmännischen Leiter gewonnen. Er hat bei der Rhön-Klinikum AG in Bad Neustadt die psychosomatische Klinik geleitet und zuletzt in den Haßbergen MVZs aufgebaut. Es ist ein großes Glück, jemanden mit derlei Erfahrung für uns gewonnen zu haben.
Können Sie garantieren, dass die Prümmer-Klinik nicht bald wieder verkauft wird?
Das ist auf keinen Fall unser Ziel. 2024 begehen wir die 50-Jahrfeier unserer Einrichtung in Bad Bocklet. Das zeigt, dass wir in der Region verwurzelt sind. Wir fahren eine langfristige Strategie.
Zeitweise führte das Brückenauer Krankenhaus den Betreiber im Titel. Immer aber blieb Franz von Prümmer als Namensgeber. Wie soll die Klinik künftig heißen?
Ich denke, dass es die „Hescuro-Klinik Bad Brückenau“ sein wird. Die Mitarbeiter hängen nicht so am Namen Franz von Prümmer. Und schließlich haben wir nicht nur dieses Haus, sondern die gesamte Deutsche Regional Klinik GmbH als bisherigen Eigentümer gekauft. Wenn die Menschen draußen weiter Prümmer-Klinik sagen, ist mir das natürlich recht.
Das Gespräch führte
Steffen Standke
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