Es war ein Versuch, der misslang: Vor wenigen Jahren versuchten die Kurgärtner im Staatsbad Brückenau, Zitrusbäumchen in der Wandelhalle zu überwintern. Der Standort erwies sich als ungeeignet; insbesondere bei Sonneneinstrahlung durch die Scheiben wurde es den Gewächsen in der beheizten Halle zu warm. Doch im März 2026 soll das neue Gewächshaus hinter der Remise fertig sein. Ein besseres Domizil für die Zitronen?
Das Gewächshaus ist Teil eines 1,8-Millionen-Euro-Projekts – dem letzten großen von Andrea Schallenkammer als Kurdirektorin. Im Budget außerdem enthalten sind eine umfassende Sanierung der historischen Remise und die Errichtung dreier Schüttboxen für die Materiallagerung im Innenhof, gleich neben dem rund 240 Quadratmeter umfassenden Gewächshaus. Im August 2025 war Spatenstich.
Hülle steht: Was ist mit Bodenplatte und Innenausbau?
Jetzt, zum Jahreswechsel 2025/26, sagt Holger Börner, einer von zwei Leitern der Kurgärtnerei, zufrieden: „Das Gewächshaus wächst und gedeiht“. Die leicht wirkende Konstruktion aus Glas und Stahl, die man eher Klein-Orangerie nennen könnte, beeindruckt schon jetzt - obwohl noch Bodenplatte und der komplette Innenausbau mit Heizung, Elektrik und Beleuchtung sowie Steuerung fehlen; bisher liegt nur eine Sicherheitsschicht.
In den ersten beiden Januarwochen soll das Betonieren der Bodenplatte erfolgen. Diese muss dann vier Wochen trocknen und aushärten, ehe sich der Innenausbau anschließen kann.
Großer Wasserspeicher unter Gewächshaus
Was schon jetzt nicht mehr zu sehen ist: die große Zisterne unter dem Glashaus. Der 150 Kubikmeter fassende Wasserspeicher soll künftig wertvolles Nass für den gesamten Kurpark liefern. Inzwischen stehen auch die steinernen Schüttboxen unter anderem für Salz und Sand. Die Kurgärtner können dort bald unkompliziert mit Schleppern und Radladern heranfahren und das trocken gelagerte Material entnehmen. In der Remise und deren Werkstätten werden laut Schallenkammer Kleinigkeiten erneuert, darunter Toiletten und Umkleiden.
Die Vision Gewächshaus erdacht und erarbeitet haben Börner und sein Kurgärtner-Kollege Michael Jakob gemeinsam. Jakob machte sich über die Gestaltung und die Pflanzen Gedanken; Börner schaute, ob und wie die Ideen baulich und technisch verwirklichbar sind.
Unterschiedliche Temperaturbereiche
Das Gebäude ist in drei Bereiche gegliedert: das Kalthaus, in dem auf rund 110 Quadratmetern große Palmen und Lorbeer untergestellt werden können, das Warmhaus (70 Quadratmeter, in dem unter anderem Aufzucht und Vermehrung der Pflanzen stattfinden können) und das ebenso große temperierte Haus, das für Citrus- und Olivenbäume gedacht ist.
Apropos Zitronen: Die oben angesprochenen sind den Winter über bei einer Gärtnerei außerhalb des Staatsbades ausgelagert. Nur existieren in der Region nicht mehr so viele Betriebe, bei denen diese Dienstleistung möglich ist. Fachkräftemangel, fehlende Nachfolgen und steigender Konkurrenzdruck fordern ihren Tribut.
Mehrere Gründe für den Bau
Dieses Wegbrechen von Auslagermöglichkeiten war ein wichtiger Grund für den Bau des Gewächshauses im Staatsbad. Ein weiterer: Es bietet künftig „Platz für gärtnerische Arbeiten in einem geeigneten Arbeitsumfeld“, wie es im Konzept heißt. Lichtdurchflutete Arbeitsbereiche könnten mit Pflanz- und Arbeitstischen versehen werden. Umtopfen und biologischer Pflanzenschutz wären sachgerecht durchführbar. Lagerung und Aufbereitung, zum Beispiel von Dekoration und Blumenzwiebeln, sind künftig mit kurzen Wegen verbunden.
Gewächshaus als Energieschleuder?
Aber wie sieht es mit den Betriebskosten aus? Ein Gewächshaus kann schnell zur Energieschleuder werden – was wiederum die Umwelt belastet. Laut Schallenkammer, die ihr Amt als Kurdirektorin zum 1. Januar an Sylvie Thormann abgab und nur noch beratend tätig ist, überwiegen die Vorteile die energetischen Nachteile.
Mit dem Gewächshaus sei es möglich, „die Pflanzenvielfalt im Staatsbad deutlich zu erhöhen“. Zudem gebe es in der Bevölkerung einen Trend zurück zum Gartenbau, zu „alten“ Pflanzen. Der Wunsch nach Ursprünglichkeit sei auch bei den Hotel- und Kurgästen groß. Und damit die Nachfrage nach Angeboten wie Pflanzen- und Kräuterkunde, Kränzebinden und Ikebana, der traditionellen japanischen Kunst der Blumensteckerei. Das Gewächshaus könne dieses Interesse künftig – auch durch Führungen – bestens bedienen.
Maßnahmen gegen Wärmeverlust
Damit die Wärmeverluste künftig nicht so hoch sind – im Wärmehaus sollen stetig 20 bis 25 Grad Celsius herrschen –, wird das Gewächshaus in allen Steh- und Giebelwänden mit Isolierverglasung ausgestattet, die aber UV-Strahlung durchlässt. Ein Klimacomputer regelt automatisch nicht nur die Temperatur. Faltbare Trennwände können die zu beheizende Fläche reduzieren, Energie- und Tagesschirme schatten spenden und zur Energieeinsparung beitragen. Beheizt wird das Gebäude über die mit Holzhackschnitzeln befeuerte Fernheizzentrale.
Holger Börner hofft, dass im Gewächshaus endlich die Vermehrung der eichenblättrigen Hainbuche gelingt – und zwar so, dass die Ausbildung beider unterschiedlicher Blätterarten erfolgt. Orangen kultiviert die Kurgärtnerei nicht.










