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Nachruf auf Helge Zimmermann
Leidenschaftlicher Landarzt und Musikliebhaber
Nachruf auf Helge Zimmermann: Hausarzt in Bad Brückenau
Allgemeinarzt Helge Zimmermann ist im Alter von 81 Jahren gestorben. // Adelheid Zimmermann
Bad Brückenau – Im Alter von 81 Jahren ist der Bad Brückenauer Allgemeinarzt Helge Zimmermann gestorben. Er hatte eine sehr interessante Biografie.
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Helge Zimmermann liebte das Leben. Seine Arbeit als Allgemeinarzt, seine Familie, die Musik. Am 21. Oktober ist er im Alter von 81 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.

Wurzeln in Schlesien

Schon seine Geburt erzählt eine besondere Geschichte. Zimmermann wurde am 24. September 1945 in Brückenau geboren, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings war er halber Oberschlesier, denn seine Mutter Dorothea Althoff stammte aus Friedrichsthal bei Oppeln. Ihr Mann schickte sie Anfang 1945 Richtung Westen.

Nur die Adresse ihres Bruders in Brückenau konnte Althoff ansteuern. Dort langte Helge quasi in ihrem Bauch an. Im Februar 1945 fiel sein Vater als Soldat im Norden Deutschlands; er lernte ihn nie kennen.

„Das alles hat ihn sehr bewegt”, berichtet seine spätere Frau Adelheid Zimmermann, „je älter er wurde, umso intensiver”. Einmal besuchte das Ehepaar Friedrichsthal und Oppeln.

Neuer Nachname

Nach dem Krieg baute sich Althoff, früher Handarbeitslehrerin, in Brückenau eine Existenz auf. Sie fertigte Puppen, die sie im Geschäft in der Altstadt 1a verkaufte. 1947 heiratete sie erneut – einen Berliner namens Zimmermann. Ungewöhnlich, dass der kleine Helge einen neuen Nachnamen erhielt.

Der Junge besuchte Grundschule und Gymnasium in Brückenau, machte 1964 sein Abitur. Dann zog er zum Studium nach Würzburg. Zuerst habe er Psychologe werden wollen, erzählt seine Frau. Doch dann seien Studienplätze in der Medizin frei gewesen.

Erste Begegnung in den Dolomiten

In Würzburg hätte Helge ihr begegnen können, zumal sie von dort stammt. Adelheid hatte sich nach dem Abi 1968 an der Uni eingeschrieben. Doch beider Studiengebäude lagen relativ weit auseinander.

Das Schicksal führte sie erst 1971 bei einem Skikurs in Canazei in den Dolomiten zusammen. „Er war der beste Skiläufer, obwohl er kein Sportler war, nur ein 'Rhöner Skibub'.”

Helges künftiger Schwiegervater hatte eine genaue Idee, wie dieser sein Geld verdienen sollte: als Landarzt in der Rhön. „Helge hat sehr viel darüber nachgedacht; zwischenzeitlich wollte er Zahnmedizin studieren. Ich habe gesagt: Das passt doch gar nicht zu dir.”

Landarzt in Bad Brückenau

Der Landarzt passte zu ihm. Nach der Abschlussprüfung 1971 arbeitete er als Medizinalassistent in Mellrichstadt. Zwei Jahre später heiratete er Adelheid und trat eine Stelle in Volkach bei Kitzingen an. Die Weinlandschaft und bäuerliche Bevölkerung gefielen ihm.

Zimmermann schrieb seine Doktorarbeit zu den Themen Schilddrüse und Anästhesie. 1979 folgte der Schritt in die Rhön. Wohnräume in der Altstadt 1a überm Geschäft der Mutter wurden zur Praxis umgebaut.

Zimmermann übernahm Patienten von Dr. Fischer, der gegenüber der Georgihalle praktiziert hatte. Adelheid ließ sich zur Arzthelferin ausbilden, nachdem sie sechs Jahre in Würzburg als Lehrerin tätig war.

Praxis gemeinsam geführt

Bis März 2023, führte das Paar die Praxis gemeinsam. Anfangs war es eine aufreibende Zeit, zumal schon in Würzburg die gemeinsamen Kinder Lukas und Verena geboren wurden und Helge von früher her eine Tochter hatte. In Bad Brückenau kam als drittes gemeinsames Kind Hanna dazu. Nachdem die Familie fünf Jahre im Herzen des Stadt gewohnt hatte, zog sie 1984 ins eigene Haus im Breitenbacher Weg.

Aus dem Beruf wurde Berufung. Helge habe unheimlich Interesse für seine Patienten gezeigt, besonders für ihren Lebenshintergrund, sagt seine Frau. Das galt auch für Bewohner des Pflegeheims Römershag, die er jahrelang betreute.

Adelheid und Helge Zimmermann gehen nach 44 Jahren in ihrer Allgemeinarzt-Praxis in den Ruhestand. Der Abschied fällt nicht ganz leicht.
Adelheid und Helge Zimmermann gehen nach 44 Jahren in ihrer Allgemeinarzt-Praxis in den Ruhestand. Der Abschied fällt nicht ganz leicht. // Steffen Standke

Das Vorgehen vieler heutiger Praxen nach dem Motto „Wir haben keine Termine und nehmen keine neuen Patienten” habe es nicht gegeben. „Wenn viel anfiel, wurde länger gearbeitet.” Ihr Mann sei auch abends und nachts für Patienten dagewesen. Sie beschreibt ihn als „eher ruhigen, ausgeglichenen Menschen”, den selten etwas aus der Ruhe brachte.

Begeisterung für Musik

Auch wenn die Praxis an erster Stelle stand: Helge Zimmermann frönte vielen Hobbys, allen voran der Musik. Im Studium hatte er zwei Werksemester in Wien und Lübeck absolviert. Insbesondere in der Wiener Zeit besuchte er viele Konzerte, was sein Interesse am Musikalischen befeuerte. „Das war ihm in Würzburg noch nicht so wichtig.”

In der Rhön begann Zimmermann, Querflöte zu spielen. Er nahm Stunden bei einem Lehrer in Oberleichtersbach; dann besuchte er bis zuletzt die Bad Brückenauer Musikschule, als einer ihrer ältesten Schüler.

Seinen Haushalt zieren neben Schallplatten und CDs viele Instrumente, darunter diverse Fagotte, eine Violine, eine Gitarre, ein Saxophon, eine Tuba, ein Klavier. Zum 81. Geburtstag bekam er ein Horn überreicht. Nicht alle hat Zimmermann intensiv bespielt. Aber im Ruhestand wandte er sich noch mehr der Musik zu.

Nachruf auf Helge Zimmermann: Hausarzt in Bad Brückenau
Helge Zimmermann liebte die Musik. // Adelheid Zimmermann

Diese Neigung geht wohl auf die Mutter zurück, die ihn wahrscheinlich nach dem populären dänischen Opernsänger Helge Rosvaenge nannte.

Andere Hobbys waren teils weniger nachhaltig: Fahrradfahren, Bierbrauen, Weinbau. Auch als „petit producteur de fromage” betätigte er sich. „Das war der beste Käse, den wir je gegessen haben”, sagt seine Frau schmunzelnd.

Wander- und Reiselust

Das Paar reiste und wanderte viel. Zweimal begaben sich die Zimmermanns für je zwei Wochen auf den Jakobusweg, schafften mit einer Reisegruppe die Alpenüberquerung.

Was die frühere FDP-Stadträtin ihm bis heute hoch anrechnet: Er stellte sich nie gegen ihr politisches Engagement, murrte nicht, wenn er derweil auf die Kinder aufpassen musste.

Die Gedenkandacht für Helge Zimmermann findet am 13. November, 14 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus statt. Danach ist Urnenbeisetzung auf dem Alten Friedhof Bad Brückenau.

 

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