Die Hospiz-Wohngruppe „Albert Schweizer“, ansässig im Seniorenheim „Rhönblick“ in der Marktgemeinde Burkardroth, ist ein gemeinsames Projekt der Seniorenheim am Saaleufer GmbH und des Hospitzvereins Bad Kissingen. Am vergangenen Samstag wurde die Hospiz-Wohngruppe offiziell eröffnet. Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk und Diakon Christoph Glaser gaben gemeinsam den kirchlichen Segen.
In seiner Begrüßung sprach Andreas Hämel, Zweiter Vorsitzender des Hospizvereins, von einem besonderen Tag. Es würden nicht nur neue Räume eröffnet, sondern ein Ort geschaffen, der von Menschlichkeit, Würde und Fürsorge geprägt sei. Sein Traum und der seiner Kollegen der Intensivstation im Sankt Elisabeth-Krankenhaus, neben einer Palliativstation auch ein stationäres Hospiz im Landkreis, sei lange Zeit nur eine Vision gewesen. Gemäß dem Zitat Walt Disneys „Alle Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, ihnen zu folgen“, sei aus der Vision vieler Menschen Wirklichkeit geworden. Am Ende des Lebensweges zählen Nähe, Zeit und Geborgenheit. Dafür stehe die Hospizarbeit.
Menschlich begleiten
In der Hospiz-Wohngruppe werden die Menschen nicht nur professionell versorgt, sondern auch menschlich begleitet. Hämel erinnerte, dass sich eine Solidargemeinschaft daran messen lasse, wie sie mit den Menschen umgehe, die besondere Unterstützung benötigen. Mit diesem Angebot werde ein wichtiges Zeichen für Mitmenschlichkeit und Verantwortung gesetzt.
Seit über zehn Jahren bemüht sich der Hospizverein Bad Kissingen um eine wohnortnahe stationäre hospizliche Versorgung, sagte dessen Vorsitzender Dr. Reinhard Höhn in seiner Ansprache. Nur zwei stationäre Hospize arbeiteten derzeit in Unterfranken, nämlich Würzburg mit zwölf Plätzen und Alzenau mit zehn Plätzen. Erforderlich wären jedoch zwischen 52 und 65 stationäre Hospizbetten. Nach zwei gescheiterten Versuchen sei es jetzt gelungen, in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen WehnerCare eine für Deutschland neue Versorgungsform zu entwickeln: die Hospiz-Wohngruppe – zwischen klassischer Pflegeeinrichtung und stationärem Hospiz.
Das Besondere daran sei, dass der Hospizverein auf Spendenbasis zusätzliche Pflegekräfte für Schwerstkranke und Sterbende finanziert, die von ehrenamtlichen Hospizbegleitern im Rahmen der psychosozialen Betreuung unterstützt werden. Nicht zuletzt sei die Würde beim Sterben durch die Ökonomisierung der Betreuung bedroht, sagte Höhn. Der Verein schenke durch sein Engagement zusätzliche Zeit, Zeit für eine Begleitung in Würde und Respekt.
Zugang zu stark wirksamen Medikamenten erschwert
Den Festvortrag mit der Überschrift „Hospiz und Palliativ. Herausforderung der 20er Jahre“ hielt Dr. Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Palliativstiftung. In „neidischer Anerkennung“ würdigte er den Erfolg der Kissinger, den er in 20 Jahren Bemühungen nicht geschafft hatte. Er plädierte für eine bessere Versorgung und kritisierte, dass der Zugang zu stark wirksamen Medikamenten deutlich erschwert werde. Obwohl es Mittel für wenig Geld gebe, die exzellent Leiden lindern können. Er bezweifelte, dass in Deutschland eine flächendeckende Versorgung mit Hospizen umgesetzt werde könne. Weiter sagte er, dass eine palliative Versorgung der Patienten in den Pflegeeinrichtungen optimal wäre.
Mitglied des Bundestages Sabine Dittmer (SPD) würdigte unter anderem das Personal der Einrichtung, das den Menschen in dieser sensiblen Zeit Geborgenheit, Zuwendung und Zeit schenke. Staatssekretär Sandro Kirchner (MdL, CSU) sprach von einem Leuchtturm in der Daseinsfürsorge im ländlichen Raum, der weit gesehen werden könne. Wie seine Vorredner freute sich auch Landrat Mario Götz über den Abschluss des Projektes. Den Menschen im Landkreis bis zuletzt ein Leben in Würde zu ermöglichen, sei eine wichtige Aufgabe in der Daseinsfürsorge, sagte er. Sein Dank galt neben Höhn auch Geschäftsführer Michael Wehner und der ARGE Krankenkassen, die die Einrichtung der Wohngruppe ermöglicht hatten.
Entlastung für Angehörige
Burkardroths Bürgermeister Daniel Wehner sprach von der Verwirklichung eines innovativen Konzepts durch die Zusammenarbeit des Hospizvereins, WehnerCare und der Pflege- und Krankenkassen in Bayern. Denn neben der ambulanten Hospizversorgung wurde auch eine stationäre Betreuung ermöglicht. Gerade in der Zeit einer älter werdenden Gesellschaft und wachsender Anforderungen bei Pflege und Betreuung seien neue und mutige Konzepte wichtiger denn je. Das Leuchtturmprojekt in der Region zeige, was möglich ist, wenn Vereine, soziale Einrichtungen, Unternehmen und öffentliche Hand gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Auch Bürgermeister Bernd Düker, Thundorf, unterstrich, dass Würde, Nähe und Lebensqualität unverzichtbar seien. Die Wohngruppe sei ein bedeutender Schritt für die Region und eine Entlastung für die Familienangehörigen.










