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Abschied der Kurdirektorin
Schallenkammer: „Ich habe es fürs Staatsbad getan“
Kurdirektorin Andrea Schallenkammer: Abschied Staatsbad Brückenau
Andrea Schallenkammer berichtet über ihren Abschied als Kurdirektorin und ihre Zeit im Staatsbad Brückenau. // Steffen Standke
Staatsbad Brückenau – Nach einem Vierteljahrhundert als Kurdirektorin und noch mehr Jahren im Staatsbad Brückenau legt Andrea Schallenkammer ihr Amt nieder. Warum sie das sehr berührt und es etwas Nachschlag gibt.

„So langsam wird es ernst“, sagt Andrea Schallenkammer zu Beginn des Gesprächs mit dieser Redaktion. Was gleichermaßen unter- als auch übertrieben klingt. Denn einerseits ist der Abschied der 62-Jährigen vom Amt der Kurdirektorin im Bayerischen Staatsbad Brückenau alles andere als langsam näher gerückt: Zum 1. Januar erfolgte die Übergabe an Nachfolgerin Sylvie Thormann. Und jetzt bleibt Schallenkammer beratend noch bis Ende März in der Kurdirektion tätig. Andererseits sollte der Gang in den Ruhestand nach so langer Zeit nicht ernst sein.

Ein Interview mit Schallenkammer über Abschiedsgefühle, das Loslassen, markante Punkte der Karriere und die „Königin vom Staatsbad“.

Frau Schallenkammer, Sie waren – mit Unterbrechungen – seit 1988 in leitender Position im Staatsbad Brückenau tätig, davon fast 25 Jahren als Kurdirektorin. Fällt es Ihnen nicht äußerst schwer loszulassen?

Andrea Schallenkammer: Es wird. Über die Weihnachtszeit hat der Prozess des Loslösens begonnen. Ich hatte zusätzlich zum Fest ein paar Tage Urlaub. Ich habe sie richtig genossen und gedacht: ,Das habe ich ab April 2026 immer’. Dass ich loslassen kann, habe ich zwischen 1996 und 2000 erfahren, als ich mit meiner Tochter im Erziehungsurlaub war. Deswegen glaube ich, dass mir das Loslassen auch diesmal gelingen wird und ich finde es spannend, was das Leben noch für mich bereithält. Ich habe privat Freundinnen, Verwandte und Bekannte, denen ich immer absagen musste. Das werde ich dann nicht mehr tun und die Freiheiten, die ich lange nicht gewohnt war, nutzen.

Werden Sie etwas oder jemanden aus dem Kurbetrieb vermissen?

Fehlen werden mir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es ist doch ein sehr familiärer Betrieb hier im Staatsbad.

Wenn Sie auf Ihre Karriere im Staatsbad Brückenau und als Kurdirektorin zurückblicken: Was fällt Ihnen da spontan ein?

Es gab sehr schöne Zeiten, aber manchmal auch schwierige. Als ich 1988 Stellvertreterin von Kurdirektor Edmund Wilhelm wurde, brach im Jahr darauf die erste Gesundheitsreform über die Kurbäder herein. Danach war die ambulante Badekur praktisch tot; die Moorwannen blieben leer. Nach meiner Berufung zur Kurdirektorin zum 1. April 2001 auf ein VitalSpa  aus den Bereichen Gesundheit, Lebenskraft und Entspannung zu setzen und 2009 das Kurmittelhaus rückzubauen, war goldrichtig.

Wir haben im Staatsbad immer versucht, Neues zu schaffen und dann ‚alte Zöpfe‘ abzuschneiden. Auch wenn die Badekur zurückkommt, sogar gesetzliche Kassenleistung ist: Sie wird nie mehr so florieren wie in den 1970er-Jahren.

Auch die Ansiedlung der MyWayBettyFordKlinik war ein wichtiger Schritt. Ebenso haben wir die Fernheizzentrale auf Holzhackschnitzel umgestellt, um von Öl und Gast unabhängig zu werden und ökologisch nachhaltig zu heizen. Während der Corona-Pandemie, einer weiteren Krise, der der Ukraine-Krieg mit anschließender Energie-Krise folgte, war es wichtig, die Limes-Schlosskliniken zu etablieren.

Wir haben fünf Kliniken im Staatsbad, die alle sehr gut belegt sind. Und die Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Der Standort könnte gut und gerne zwei Kliniken beziehungsweise 200 Betten mehr vertragen. Er bliebe trotzdem eine Oase der Ruhe.

Wo sollen sich diese Kliniken denn ansiedeln?

Möglich wäre das auf dem ehemaligen Gelände des Streichelzoos und zwischen Dorint VitalSpa und Marienkirche.

Welche Meilensteine wurden noch gesetzt?

Wesentlich war der Bau des 2009 eingeweihten Parkdecks hinter der Remise. Die Idee, es dort zu platzieren, wo König Ludwig seine Kutschen parkte, hatte ich auf einer Liege im Urlaub in Griechenland. Neue Beleuchtung, Bänke und strategisch platzierte Mülleimer verleihen dem Schlosspark eine hochwertige Ausstattung. Die Installation des Bewässerungssystems nach dem Hitzesommer 2003 war mit Blick auf den Klimawandel gut und richtig. Es wird ständig angepasst und erweitert. 

Gibt es Projekte, die sie vor Ihrem Ausscheiden Ende März unbedingt noch fertig werden sollen?

Der Austausch der Fenster im Badhotel ist bald abgeschlossen und vielleicht gelingt der Abschluss der Renovierung des ‚Haus Hirsch‘ bis März. Ebenso die Fertigstellung des Gewächshauses hinter der Remise als Mehrwert für unsere Gäste und Patienten.

Trauern Sie etwas in Ihrer Amtszeit Verschwundenem nach?

Den tollen Open Airs. Aber andere Kommunen bieten da größeres Sponsoring, als es uns möglich war.

Welche Projekte hätten sie noch gerne verwirklicht? 

Wie gesagt: Zwei weitere Kliniken hätte ich gerne noch realisiert. Es war eine meiner Lieblingstätigkeiten, Gespräche und Vertragsverhandlungen zu führen und zu schauen: Passen die Interessenten zum Staatsbad und zueinander? Ich finde:  Mit der Dichte an Kliniken, aber auch der für den kleinen Standort außergewöhnlichen Gastronomie ist uns das gelungen. Diese Stabilität finde ich toll. Es ist wichtig, Niveau und Ordnung aufrechtzuerhalten.

Andrea Schallenkammer im Jahr 2012
Andrea Schallenkammer im Jahr 2012 // Archiv/Ralf Ruppert

Welche Herausforderungen warten auf Ihre Nachfolgerin?

Eine Aufgabe für Sylvie Thormann wird sein, den Staatsbetrieb energetisch autark werden zu lassen. Das ist aktuell auch mit Denkmalschutz möglich; ich denke da an Photovoltaik auf den Dächern von Wandel- und Tennishalle, dem Parkdeck oder der Fernheizzentrale.

Was nicht so perfekt ist, wie ich es gerne hätte: unser Internetauftritt. Da hat uns die Künstliche Intelligenz überholt und wir müssen deren Entwicklung abwarten. Die Frage ist, ob und wie die Homepage, in der viel Arbeit und Tiefenstruktur drinsteckt, noch gefragt ist. Eine Staatsbad-App wäre ein weiterer Weg.

Homepage und auch App dienen für mich der direkten Kommunikation mit dem Kunden. Es ist doch die schönste Empfehlung, wenn Gäste und Patienten nach Hause kommen und dort sagen: Ins Staatsbad Brückenau – da musst du unbedingt; erste Eindrücke findest du auf der Homepage.

Haben Sie sich in den 25 Jahren nicht auch mal selbst verwirklicht?

Selbstverwirklichung mache ich im Privaten, zu Hause. Als Kurdirektorin habe ich mich als Dienstleisterin gesehen, habe pflichtbewusst immer alles für die Weiterentwicklung des Staatsbades getan, damit es der Solidargemeinschaft gutgeht.

Aber ich will es mal so sagen: Die Aufgabe hier passt zu mir, weil es Vielfalt und keine Langeweile gibt: Veranstaltungen samt Technik, das umfangreiche Immobilienmanagement, die Kurgärtnerei und das komplexe Vertragswesen. Mein damaliger Chef bei der Bezirksfinanzdirektion Würzburg, dem heutigen Landesamt für Finanzen, hat in den 1980er-Jahren erkannt, dass ich nicht dort bleiben würde. Er wusste: Eine Stelle im Staatsbad Brückenau würde mich ausfüllen. Er hatte recht und dafür bin ich sehr dankbar.

Aber etwas Träumen muss erlaubt sein …

Ein langgehegter Wunsch ist der Anbau eines zweiten Flügels an den Fürstenhof.  Schön wäre auch, bei einer nächsten komplexen Sanierung des Restaurants im Badhotel den Raum der früheren Kegelbahn zu erschließen. Stellen Sie sich vor: Man könnte das Badhotel durch eine Terrasse erweitern und darauf schön über der Sinn sitzen. Schließlich noch eine sehr, sehr große Vision: die Verlegung der Straße zwischen Fürstenhof und Schlosspark in einen Tunnel. Dann wäre die Ruhe im Schlosspark perfekt. 

Kurdirektorin Andrea Schallenkammer im Jahr 2020
Kurdirektorin Andrea Schallenkammer im Jahr 2020 // 

War der im August 2024 eingeweihte Springbrunnen unterhalb des Bellevues auch ein Traum von Ihnen?

Ein Springbrunnen gehört ins Staatsbad Brückenau.

Manche Brückenauer bezeichnen Sie spöttisch als „Königin vom Staatsbad“.

Ich finde diesen Titel schlimm. Ich bin weit davon entfernt, eine Königin zu sein. Ich liebe Märchen und da sind Königinnen meistens die Bösen.

Empfinden Sie den Titel wirklich als so unangemessen?

Ja, weil er unterstellt, ich hätte im Staatsbad machen können, was ich wollte – wie eine Königin eben. Dem war nicht so, auch wenn das von außen manchmal so gesehen wird. Wir pflegen das Erbe von König Ludwig I.. Durch die vielen historischen Gebäude sind wir stark an die Denkmalpflege gebunden, fachlich betreut durch das Staatliche Bauamt Schweinfurt. Bei unserem höchsten Gut, den Heilquellen, werden wir vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen unterstützt. In den 1990er-Jahren durfte ich die Neubohrungen der Lola-Montez-Quelle und der Vital-Quelle betreuen, so dass wir insgesamt fünf Heilquellen in der 2009 errichteten Heilquellenlounge anbieten können.

Haben Sie konkrete Pläne für die Zeit nach Ihrem Abschied?

Erstmal keine Termine mehr. Ich möchte mehr für meine Gesundheit und Fitness tun, weil die Arbeit als Kurdirektorin zu wenig Bewegung mit sich bringt. Wenn der Loslösungsprozess von mehreren Monaten abgeschlossen ist, werde ich schauen, was das Leben mir so bietet.

Mein Mann und ich möchten viel reisen, Bekannte in aller Welt besuchen. Nicht unter Terminstress, sondern dann, wenn wir das wollen. Und wie gesagt: Wir werden daheim in Hammelburg bestehende Netzwerke im Privaten mehr pflegen können und vielleicht neue knüpfen. Dafür war einfach zu wenig Zeit.

Werden Sie das Brückenauer Staatsbad auch künftig öfter besuchen?

Natürlich bleibe ich ihm treu, aber eben als Tagesgast, vielleicht auch mal als Übernachtungsgast, zum Genießen der Natur, des Schlossparks, der Gastronomie oder zum Minigolfen, ganz ohne Verantwortung.

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