Muss sich ein 20-köpfiger Stadtrat unbedingt mit ungepflegten Sitzgelegenheiten, vermüllten Spielplätzen und nicht befüllten Wassertretbecken beschäftigen? Oder ist der Sache mehr gedient, wenn Räte Anliegen von Bürgern „auf dem kleinen Dienstweg” direkt an Bürgermeister und Verwaltung weiterleiten? Diese Fragen stellten sich bei der Bad Brückenauer Stadtratssitzung vom 18. Juni – und führten zu einer kurzen, aber heftigen Debatte.
Monika Wiesner sehr anfragefreudig
Regelmäßig nutzt Monika Wiesner den Punkt „Sonstiges”, um derlei Anfragen auf die Große Bühne zu heben. Diesmal monierte die CSU-Stadträtin, dass das Kneipp-Becken hinter der Georgihalle nicht mit Wasser befüllt sei. Auch würden der Brunnen an der Sommerhalle und der Tätsch'r-Brunnen am Alten Rathaus nicht sprudeln.
Ferner lenkte sie die Aufmerksamkeit auf ein Gelände oberhalb der Weckbecker-Klinik. Dort wurden großzügig Bäume gefällt und eine Sitzgruppe aufgestellt. „Diese Stelle wird nicht gepflegt”, bemängelte Wiesner.
Und schließlich sprach sie die Zustände rund um den Wasserspielplatz im Siebener-Park an. Dort wimmele es von Müll und Zigaretten-Kippen. Erwachsene und Kinder würden mangels öffentlicher Toilette in die Büsche pinkeln.
Stadtoberhaupt reagiert genervt
Bürgermeister Jan Marberg (SPD) versprach, in der Stadtverwaltung nachzufragen. Er wirkte aber auch unüberhörbar genervt von Wiesners Vorgehen. „Solche Themen können wir nicht alle in dieser Größenordnung im Stadtrat ansprechen”, sagte der 38-Jährige. Das Ganze entwickle einen „dörflichen Charakter”.
Er könne sich nicht vorstellen, dass die Stadtverwaltung derlei Anfragen ignoriere, wenn sie hereinkämen, so Marberg weiter. Er verwies auf diverse Kontaktmöglichkeiten zu ihm und zur Verwaltung. Auch würden sich manche Probleme – wie die im Siebener-Park – nicht Tabula rasa lösen lassen.
CSU-Rätin sieht sich als Sprachrohr der Bürger
Moni Wiesner konterte: „Wir Stadträte sind die Verbindung zum Bürger. Solche Sachen sind im Stadtrat zu besprechen. Man muss dem Bürger vermitteln, dass wir etwas für ihn tun.” Es sei aber nicht ihre Aufgabe, jeden einzelnen über die Antwort der Stadt auf eine Anfrage zu informieren.
Dies rief wiederum David Fronczek (SPD) auf den Plan. „Ich mache das als Römershager Ortssprecher genau so.” Er habe etwa 30 bis 40 Anfrage pro Jahr abzuarbeiten und zu beantworten. Auch pflichtete Fronczek seinem SPD-Kollegen Marberg bei. Man müsse die Zeit im Stadtrat effektiv nutzen, könne nicht über alles reden.
Sicherheitswacht soll wiederbelebt werden
Zuvor hatte Dieter Seban (CSU) das Dilemma im Siebener-Park nochmal deutlicher gemacht. Früher habe es einen regen Austausch mit dem jeweiligen Bad Brückenauer Polizeichef gegeben, damit die Beamten dort Präsenz zeigten. Doch gerade gebe es niemanden, der vor Ort nach dem Rechten sehe. Auch sei die Handhabe der Polizei überschaubar. Seban sprach von einer Satzung, in der Alkoholgenuss in Parks untersagt wäre. Auf deren Grundlage könne die Polizei handeln.
Marberg will den aktuellen Leiter der Polizeiinspektion, Stefan Preisendörfer, auf die Missstände hinweisen. Auch möchte er einen Aufruf starten, dass die Sicherheitswacht wiederbelebt wird.
Sponsor kümmert sich um Tätsch'r-Brunnen
Übrigens: Zumindest zum Tätsch'r-Brunnen am Alten Rathaus kann die Redaktion für Erleuchtung sorgen. Laut dem städtischen Bauhofleiter Michael Krug ist die Pumpe kaputt. Generell habe sich das Pumpsystem in den vergangenen Jahren als störanfällig und ausfallträchtig erwiesen. 2025 sei der Brunnen anfangs gelaufen und dann ausgefallen.
Laut Krug kümmert sich dankbarerweise ein Sponsor aus Bad Brückenau um den Brunnen. Damit erspart er der Stadt Kosten. Der Sponsor recherchiere aktuell nach einem leistungsfähigen und verlässlichen Pumpsystem, das nicht immer wieder ausfällt. Diese Suche sei aber nicht ganz einfach.
Keine Reinigung des Kneippbeckens möglich
Zum Kneippbecken und dem Brunnen an der Georgihalle teilt Bürgermeister Marberg mit: Sie hängen versorgungstechnisch am Gebäude. Dort seien Strom und Wasser wegen des Wasserschadens von Mitte Februar abgestellt. So lässt sich auch das Reinigungsgerät für das Wasser im Becken nicht betreiben.















