Wer durch den Supermarkt läuft, kommt an Produkten mit solchen oder ähnlichen Versprechen kaum vorbei: Auf Joghurts steht „High Protein“, Getränke gibt es als „Zero“-Variante, der Frischkäse heißt „Balance“, das Müsli „Fitness“ und die Schokolade ist „ohne Zuckerzusatz“. Vieles davon klingt nach einer bewussteren, gesünderen Wahl.
Doch was sagen solche Begriffe tatsächlich über ein Lebensmittel aus? Hier lohnt sich ein zweiter Blick, sagt Madeleine Beer. Die 27-Jährige ist Ökotrophologin, also akademisch ausgebildete Expertin für Haushalts- und Ernährungswissenschaften, und betreibt seit Anfang 2024 eine Praxis für Ernährungstherapie in Nüdlingen (Lkr. Bad Kissingen). Beer ordnet ein, was hinter „High Protein“, „Zero“ und „Light“ steckt und worauf beim Einkauf geachtet werden sollte.
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Sind „High Protein“-Produkte sinnvoll?
Besonders häufig begegnet Verbrauchern inzwischen der Hinweis „High Protein“. Beliebig dürften Hersteller mit solchen Angaben laut Beer nicht werben. Dafür gebe es EU-weite Vorgaben. Als proteinreich dürfe ein Lebensmittel nur beworben werden, wenn mindestens 20 Prozent der enthaltenen Kalorien aus Protein stammen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen bis 65 Jahre täglich 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Ab 65 Jahren liegt der Schätzwert bei 1,0 Gramm. Einen erhöhten Bedarf könnten Beer zufolge außerdem Sportler sowie Menschen beim Abnehmen haben.
Um diese Werte zu erreichen, brauche es in der Regel nicht spezielle „High-Protein“-Produkte. „Für die allermeisten ist es kein Problem, über normales Essen auf ihren Bedarf zu kommen“, sagt Beer. „Es gibt ganz viele natürliche Lebensmittel, die von sich aus schon einen hohen Proteingehalt haben, ohne dass High Protein draufsteht.“ Dazu zählen etwa Quark, Eier, Hülsenfrüchte, Fisch oder Tofu.
Was steckt hinter den Begriffen „Light“, „Fitness“ und „Balance“?
Auch für „Light“ gibt es gesetzliche Vorgaben. Bezieht sich die Angabe etwa auf den Fettgehalt, muss das Produkt in der Regel mindestens 30 Prozent weniger Fett enthalten als ein vergleichbares Produkt. Das mache es aber nicht automatisch zur besseren Wahl. „Wenn etwa Fett reduziert wird, kann es sein, dass dafür Zucker oder Süßungsmittel zugesetzt werden“, erklärt Beer. So könnten Geschmack oder Konsistenz ausgeglichen werden.
Anders sei es bei Begriffen wie „Fitness“ oder „Balance“. „Das ist eher Marketing“, sagt Beer. Für diese Begriffe gibt es keine Vorgaben. Sie klingen laut Beer nach einer bewussten Ernährung, sagen aber wenig über die tatsächliche Zusammensetzung aus.
Ist „Zero“ die bessere Wahl?
Auch „Zero“, „zuckerfrei“ oder „ohne Zuckerzusatz“ mache ein Produkt nicht unbedingt zur gesünderen Alternative. „Ein zuckerfreier Keks kann trotzdem viele Kalorien enthalten oder sehr fettreich sein, die gesamte Zusammensetzung ist entscheidend“, sagt Beer. Bei Getränken könne eine Zero-Variante sinnvoll sein, um Kalorien und Zucker zu sparen.
Wer regelmäßig zu solchen Getränken greife, laufe aber Gefahr, sich an die intensive Süße zu gewöhnen. „Dann kann es sein, dass eine reife Erdbeere nicht mehr süß genug wirkt“, sagt sie. Zum Standardgetränk sollten Zero-Getränke deshalb nicht werden: „Das beste Getränk ist immer noch Wasser.“
Warum sich ein genauer Blick auf die Zutatenliste lohnt
Wer genauer wissen will, was in einem Lebensmittel steckt, sollte die Verpackungsrückseite anschauen. Bei der Zutatenliste sei die Reihenfolge wichtig, erklärt Beer: „Das, was als Erstes draufsteht, ist mengenmäßig am meisten enthalten.“ Auch bei Zucker lohnt sich genaueres Hinsehen, denn dieser müsse nicht immer als „Zucker“ auftauchen.
Begriffe wie Glukose, Fruktose, Maltose oder Agavendicksaft bezeichnen ebenfalls zuckerhaltige Zutaten. Für den Vergleich zweier Produkte empfiehlt Beer zudem die Angaben pro 100 Gramm heranzuziehen. Ausgewiesenen Werte pro Portion könnten dagegen schnell täuschen: Zum einen lassen sich Produkte mit unterschiedlich großen Portionsangaben so kaum vergleichen, zum anderen seien die vom Hersteller angesetzten Portionen häufig kleiner als die Menge, die tatsächlich gegessen wird.
Warum der Nutri-Score irreführend sein kann
Auch der Nutri-Score könne eine Orientierung bieten. Die fünfstufige Skala von A bis E bewertet die Zusammensetzung von Lebensmitteln und soll helfen, innerhalb einer Produktgruppe die gesündere Wahl zu treffen. „Ich kann damit zum Beispiel zwei Müslis miteinander vergleichen“, sagt Beer.
Weniger sinnvoll sei es dagegen, völlig unterschiedliche Lebensmittel allein anhand ihres Nutri-Scores miteinander zu vergleichen. Ein guter Score bedeute zudem nicht automatisch, dass ein Lebensmittel gesund sei. Die Skala ersetze deshalb nicht den Blick auf Nährwerte und Zutaten.












