„Kein frostiger Raum, ein Raum mit einer Seele, keine nur innerlich fremde und tote, sondern eine traute, zu unseren Sinnen lebhaft sprechende Welt trat uns entgegen.“ So schrieb die Münnerstädter Volkszeitung über das am 14. Oktober 1923 neu eröffnete Museum im Obergeschoss des Rathauses. Im heutigen Zimmer des geschäftsleitenden Beamten hatten Franz Friedrich Leitschuh, August Neumann und Georg Eisner eine kleine Sammlung zusammengetragen – der Grundstein des heutigen Henneberg-Museums.
Aus terminlichen Gründen wird das 100-jährige Bestehen des HennebergMuseums nun mit ein wenig Verspätung am Freitag, 12. April, feierlich begangen. Start ist um 19 Uhr mit einem Festakt in der Alten Aula. Den Festvortrag hält der stellvertretende Leiter der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen, Stefan Kley, sagt Museumsleiter Nikolas Zenzen. Anschließend gehen die Besucher zum Deutschordensschloss, wo die Museumsfreunde zum Empfang einladen. Dort gibt es Einblicke in die Museumsgeschichte.
Sonderausstellung im Museum
Nicolas Zenzen hat zum Jubiläum eine Sonderausstellung unter dem Titel „…ein Raum mit einer Seele“ – 100 Jahre Museum in Münnerstadt zusammengestellt. Zu sehen ist sie vom 12. April bis 6. Oktober im Sonderausstellungsraum im Obergeschoss des Museums. Ausgestellt werden unter anderem Objekte, die nicht in der ständigen Ausstellung zu sehen sind. Seit der Eröffnung des Museums vor 100 Jahren habe sich einiges gewandelt, bis hin zum heutigen Henneberg-Museum, dessen Ausstellungsräume mittlerweile das gesamte Obergeschoss des einstigen Münnerstädter Deutschordensschlosses einnehmen, schreibt der Museumsleiter in seiner Einladung. „Doch die Idee der Gründungsväter ist bis heute geblieben: Den Reichtum der Münnerstädter Kulturgeschichte bewahren und in lebendiger Weise präsentieren.“
Zum Museumsjubiläum können die Besucher einen Blick in die vergangenen 100 Jahre werfen. Im Sonderausstellungsraum sowie an verschiedenen Punkten der ständigen Ausstellung wird anhand von Raumsituationen und einzelnen Exponaten deutlich gemacht, was sich seit den Anfängen des Museums verändert hat und was immer noch Bestand hat.
Bis 6. Oktober geöffnet
Nicolas Zenzen wird die Besucher am 12. April durch die Ausstellungsräume führen. Der Festakt in der Alten Aula, der Empfang im Deutschordensschloss und die Eröffnung der Sonderausstellung sind für alle Interessierten offen. Bis zum 6. Oktober kann die Sonderausstellung dann zu den gewohnten Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden. Möglich ist dies von Dienstag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr.
Solche festen Öffnungszeiten gab es zu Beginn der Museumsgeschichte nicht. Wer einen Blick auf die Zeugnisse von Kunst und Gewerbe aus der Heimat werfen wollte, musste sich den Schlüssel bei Bürgermeister Dionys Hanshans holen. Zwar waren die Exponate in Privatinitiative gesammelt worden, die Trägerschaft ging aber mit der Eröffnung an die Stadt.
Das Museum im Rathaus war nicht nur für die Münnerstädter gedacht, die Initiatoren wollten vor allem den Fremdenverkehr ankurbeln. Bereits 1926 gründete sich der Museumsverein, ein Jahr später folgte die Uraufführung des Heimatspiels „Die Schutzfrau von Münnerstadt“, das natürlich auch Besucher in die Stadt locken sollte.
Inzwischen mit zweitem Raum
Inzwischen hatte das Museum einen zweiten Raum bekommen, 1931 gab es eine Sonderausstellung zum Thema „Tilman Riemenschneider, seine Werke und Originalurkunden“. Zur 700-Jahr-Feier der Stadterhebung 1935 zog August Neumann mit Helfern mit einem Leiterwagen von Haus zu Haus, um nach möglichen Exponaten Ausschau zu halten. Im gleichen Jahr zog die Post aus dem Rathaus ins neue Haus an der Bahnhofstraße (heute Rotkreuzhaus). So wurden die Räume im Erdgeschoss frei, die fortan für das Museum genutzt wurden.
1962 kam der Gedanke auf, das Museum ins Deutschordensschloss zu verlagern, drei Jahre später folgte der entsprechende Stadtratsbeschluss. In den Jahren 1969/70 zog das Museum ins Schloss. Inzwischen war Peter Genth Museumsleiter geworden, der den Bestand von 600 Objekten auf 14.000 erweiterte.
Als dann um die Jahrtausendwende das Schloss aufwendig saniert wurde, musste das Museum für sieben Jahre geschlossen werden. Seit 2007 lockt das Henneberg-Museum nun wieder viele Besucher an. Neben der Dauerausstellung gibt es immer wieder Sonderausstellungen, die zum großen Teil von den Museumsfreunden organisiert werden.
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