Wenn die Backhauspenner Anfang Juni ihr 50-jähriges Bestehen feiern, dann steht weit mehr als nur ein Vereinsjubiläum auf dem Programm. Gefeiert wird eine Erfolgsgeschichte bürgerschaftlichen Engagements, die das Ortsbild von Ramsthal bis heute prägt und ohne die das historische Backhaus am Dorfplatz vermutlich längst verschwunden wäre.
Was heute als Herzstück des Weinortes gilt, stand Mitte der 1970er-Jahre vor dem Abriss. Im Zuge der Planungen für ein neues Feuerwehrhaus sollte das 1856 errichtete Backhaus gemeinsam mit den angrenzenden Gebäuden weichen. Doch eine Gruppe junger Ramsthaler wollte diesen Verlust nicht hinnehmen. Sie schloss sich 1976 zum „Backhauspennerclub“ zusammen – ein Name, der auf die damalige Nutzung des ungenutzten Gebäudes zurückgeht, das den Jugendlichen nach langen Festnächten gelegentlich als Schlafstätte diente.
Mit großem Einsatz gelang es den Vereinsgründern schließlich, den Abriss zu verhindern. Entscheidenden Anteil daran hatte der langjährige Vorsitzende Erich Warmuth, der persönliche Kontakte nutzte und die Unterschutzstellung des Gebäudes als Baudenkmal erreichte. Damit war das Backhaus gerettet.
Lebendiger Treffpunkt
Der Gewinn für Ramsthal kann heute kaum hoch genug eingeschätzt werden. Durch den Erhalt des Backhauses blieb nicht nur ein bedeutendes Zeugnis fränkischer Dorfgeschichte erhalten. Auch die Entwicklung des Dorfplatzes nahm dadurch eine andere Richtung. Das Feuerwehrhaus entstand an anderer Stelle, während um das historische Backhaus jener zentrale Platz gestaltet werden konnte, der heute als gesellschaftlicher Mittelpunkt des Ortes gilt.
In den folgenden Jahrzehnten beschränkten sich die Backhauspenner nicht darauf, das Gebäude lediglich zu bewahren. Sie machten es wieder zu einem lebendigen Treffpunkt. Angeregt durch die Ramsthaler Originalfigur Elisabeth Unsleber wurde Mitte der 1980er-Jahre das traditionelle Backen im holzbefeuerten Ofen wiederbelebt. Gemeinsam mit erfahrenen Senioren eigneten sich Vereinsmitglieder das alte Handwerk an. Als sich zeigte, dass der Ofen sanierungsbedürftig war, investierten die Ehrenamtlichen im Jahr 2000 mehr als 300 Arbeitsstunden in dessen Erneuerung.
Heute gehören frischer Plootz, Eierdätscher und Zwiebelkuchen zu den kulinarischen Aushängeschildern des Ortes. Sie tragen mit dazu bei, dass Ramsthal heute als Genussort weit über die Region hinaus bekannt ist.
Auch im Alltag leisten die Backhauspenner einen wichtigen Beitrag für die Dorfgemeinschaft. Sie kümmern sich um die Pflege des historischen Gebäudes und haben erst vor kurzem die traditionelle Waagbank erneuert und die Fassade gestrichen. Dort treffen sich heute Jung und Alt, Einheimische, Wanderer und Radfahrer zum Gespräch. Die Waagbank ist damit weit mehr als ein Sitzplatz – sie ist ein Symbol für gelebte Gemeinschaft.
Das Festprogramm
Das Jubiläum wird nun mit einem zweitägigen Fest gefeiert. Am Samstag, 6. Juni 2026, beginnt das Programm um 17 Uhr. Neben Ramsthaler Spezialitäten wird der historische Backofen wieder angeheizt und auch Pizza gebacken. Für musikalische Unterhaltung sorgen die „Rhön Biedl's“, die noch einmal in ihrer Originalbesetzung auftreten. Am Sonntag, 7. Juni 2026, wird ab 13.30 Uhr weitergefeiert.
Das Jubiläum erinnert damit an eine bemerkenswerte Leistung ehrenamtlicher Bürger. Vor 50 Jahren verhinderten die Backhauspenner den Verlust eines historischen Gebäudes. Heute profitieren davon nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern die gesamte Gemeinde. Das Backhaus ist zu einem Wahrzeichen Ramsthals geworden – und der Dorfplatz zu einem Ort der Begegnung, der ohne den Einsatz der Vereinsgründer in seiner heutigen Form nicht existieren würde.















