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Energieversorgung
Althausens lange Leitung
Südlink
Etwa 30 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung von Uwe Bieber zur Baustelle von Südlink. // Hartmut Hessel
Münnerstadt – Die Südlink-Trasse geht direkt am Dorf vorbei, dazu gab es spannende Infos vom Pressesprecher an der Baustelle.

700 Kilometer lang ist die Stromtrasse, die von der Firma Südlink von der Nordsee bis ins nördliche Bayern verlegt wird. 30 Althäuser Bürgerinnen und Bürger wollten genauer wissen, was da durch ihren Lauerwiesen-Grund verlegt wird. Uwe Bieber konnte den Kontakt herstellen und Pressesprecher Julian Ermann von der Tennet AG gab an der Baustelle, in der Nähe der Autobahnbrücke ausführlich Auskunft.

Als Unternehmenssprecher für Bayern kann Julian Ermann quasi vom ersten Tag an dokumentieren, wie das Kabelbau-Projekt entstanden ist und warum es so ausgebaut wird, wie es derzeit in der Althäuser Flur zu sehen ist. In den Fachkreisen und bei den Behörden sind die Projekte eher Nummern, „fürs Volk“ wird es Südlink genannt.

Demos gegen die Trassen

Die 700 Kilometer Gleichstromleitung sind 100 Prozent Erdverkabelung, ausgehend von einem Konverter im Norden (Brunsbüttel und Wilster) bis zum Ziel im Süden (Bergrheinfeld und Heilbronn). Vorher und nachher ist die Energie Wechselstrom. Die Umwandlung in Gleichstrom ist notwendig, um die Trasse wirtschaftlich händeln zu können.

Bereits 2014 konnte Südlink den Plan einer fertigen Trasse vorstellen, doch viele Bürgerinitiativen, zum Teil mit Hilfe der Kommunalpolitik wehrten sich gegen die sogenannten Monstertrassen. 2018 wurde die ausschließliche Erdverkabelung priorisiert und entsprechend umgeplant. Jetzt ist sie im Bau.

Julian Ermann wies auf die Probleme hin, die dieses und das Südost-Link Projekt so viel teurer als eine Masten-Trasse gestaltet. „Während es in Niedersachsen mit den mehr sandigen Böden über viele Meilen noch recht einfach erscheint, merkt man spätestens auf der Höhe vor Eußenhausen, dass in Unterfranken die Herausforderung für das Kabelprojekt groß ist“.

Drei Arbeitsschritte

Südlink hat auch diese Herausforderung angenommen. Das Projekt wird in drei großen Arbeitsschritten angegangen. Einmal ist das die Bauvorbereitung. Die beplante Strecke wird ökologisch untersucht und damit die Tier- und Pflanzenwelt begutachtet. Zum Zweiten ist es der Geschichte geschuldet, dass die eventuelle Kampfmittel-Sichtung und die anschließende Räumung als Sicherheitsleistung die Baurisiken minimiert. Drittens sind historische Funde zu sichern oder zu umgehen, das fordert das Landesamt für Denkmalpflege.

Bereits die Bereitstellung der Baustellen erfordert viel Aufwand und Zeit. Zu sehen sind auf dem Gelände im Wiesengrund die Mieten des Mutterbodens, die Baumaschinen und das Baumaterial. Die Container für die Unterbringung der Arbeiter – die Baustelle wird von einer spanischen Firma bewirtschaftet – und die der Planer, Aggregate für die Stromversorgung, Sanitäranlagen sind auf dem mehrere tausend Quadratmeter großen, abgesperrten Gelände zu finden. Nach Beendigung der Maßnahme sollen die Radtouristen und die Fußwanderer wieder nur eine Wiese vorfinden. Das ist die vertragliche Bindung.

Zwei Bauweisen

Der Südlink-Pressesprecher erklärt den Baustellen-Nachbarn die zwei Bauweisen. 85 Prozent der langen Leitung in den durchschnittlich 40 Meter breiten Flächen werden in „offener Bauweise“ erstellt. Das heißt hier haben die Schieber- und Baggerführer das Sagen.

Die 15 Prozent „geschlossene Bauweise“ verteilen sich auf alle Hindernisse, die untertunnelt werden müssen. Das können Biotope sein, oder Straßen und Autobahnen, Flüsschen und Flüsse, archäologische Verdachtsfälle oder gar Weinberge. Man hört schon raus, dass es in Unterfranken besonders kompliziert werden wird.

Es ist schon eine sehr ausgereifte Technik diese Tunnelbohrmaschine, die Löcher mit etwa 1,20 Metern für die Trasse bohrt. Im Prinzip ist die Funktionsweise nicht anders als beim Brennerbasistunnel. Man gräbt sich von zwei Seiten unter einem Hindernis durch, spült das Loch mit 95 Prozent Wasser und fünf Prozent Bentonit aus. Das Bohrloch wird mit Betonfertigteilen Stück für Stück ausgeschachtet. Vorhandene Leitungen, wie Strom, Gas oder Wasser müssen vorher abgefragt werden und es ist nochmal nach alten Kampfmitteln zu forschen. Spätestens hier bekommen die Anwesenden ein Verständnis dafür, warum die Erdtrasse um so Vieles teurerer ist.

Sind die 700 Kilometer Leerrohre verlegt, beginnen die Firmen mit dem Einbringen der Stromkabel. Ein Musterstück hat Julian Ermann dabei. Das Kabel hat einen Durchmesser von circa 15 Zentimeter, davon ist der stromführende Kern etwa halb so stark, der Rest dient dem Feuchtigkeitsschutz, beziehungsweise als Hitzeschutz. Denn es gilt 70 Wärmegrade herunter zu drosseln. Deswegen erfolgt die Verlegung in besonders schützendem Material, so dass an der Oberfläche maximal zwei Grad Unterschied zur Umgebungsfläche entsteht. „Das ist bei Gasleitungen im Vergleich ähnlich“, so der Pressesprecher.

Es gibt Bedenken

Er verschweigt auch nicht die Bedenken, die mit der Realisierung des Projektes einher gehen. Die Landwirte schauen besonders skeptisch auf die Bodenveränderungen. Südlink ist immer wieder gefordert nachzuarbeiten.

Die Fragen der Bürgerinnen und Bürger aus Althausen befassten sich hauptsächlich mit den Vorgängen auf „ihrer“ Baustelle. Sie hören, dass hier mit einer Kettenbohrung ein besonderes Verfahren angewendet wird. Dass das Bohrwasser in Containern gesammelt, recycelt und wiederverwendet wird. Auf Nachfrage bestätigt Julian Ermann, dass bei allen Wegen wieder der ursprüngliche Zustand hergestellt werden wird, auch wenn das nicht unmittelbar geschehen kann.

Die Fertigstellung für Bayern ist für 2027, für alle Baustellen 2028 geplant. Dann erfolgt der Kabeleinbau. Die Verbindung der Kabelstränge, eine Art Muffen-Verbindung, wird in einem Reinraumverfahren erfolgen. Wie, das gilt als Betriebsgeheimnis.

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