Der Tod eines Familienmitgliedes oder einer nahestehenden Person ist für Freunde und Angehörige oft sehr schmerzhaft. Neben der emotionalen Bewältigung des Abschiedes steht auch die Frage nach der Bestattung im Raum.
Wer kennt den Pfarrer noch?
Früher war es selbstverständlich, dass der örtliche Pfarrer zuständig war, er kannte „seine Schäfchen“ und auch die Angehörigen waren häufig eng mit der Kirche verbunden. Das ist heute nicht mehr so. Nicht wenige kennen den für sie zuständigen Pfarrer kaum noch oder gar nicht und haben selbst den Bezug zu Kirche und Glauben verloren.
Doch eine Beerdigung so ganz ohne Gott? Vor allem, wenn die verstorbene Person gläubig war und ein christliches Begräbnis gewünscht hätte?
Ausgebildet zu Begräbnisleitern
Das Bistum Würzburg hat schon 2017 reagiert und bewährte Gottesdienstbeauftragte zu Begräbnisleiterinnen und -leitern weitergebildet. Anfang des Jahres wurden Sigrun Morshäuser aus Singenrain und Walter Fronczek aus Bad Brückenau von Bischof Franz Jung ausgesandt, um diesen wichtigen Dienst im Auftrag der Kirche auszuüben.
Sigrun Morshäuser über ihren Dienst: „Meine Motivation als Begräbnisleiterin tätig zu sein, ist der Leitsatz des Hospizvereins, der lautet: 'Wie gut, wenn einer mit mir geht'. Menschen brauchen jemanden an ihrer Seite auf dem letzten Lebensweg und für trauernde Angehörige ist es eben auch sehr wichtig, den letzten Weg des Verstorbenen würdevoll zu gestalten.“
Als Laie aktiv werden
Walter Fronczek bringt sein Engagement insgesamt mit dem Gedanken zusammen: „Antreten statt Austreten ist für mich das Motto bei allen meinen Aktivitäten im Bereich der katholischen Kirche. Die Kirche vor Ort ist für mich ein Ort des Glaubens, ein Stück Heimat und Gemeinschaft. Christliches Miteinander findet heute immer mehr in der 'Laiengemeinde' vor Ort statt. Das Motto 'Christsein unter Menschen' des Bistums Würzburg ruft damit uns Laien auf, aktiv zu werden. Als ehrenamtlicher Begräbnisleiter möchte ich auch in den schweren Stunden ein Ansprechpartner für die Familien sein, der hilft, unterstützt und begleitet. Als Gottesdienstbeauftragter und Begräbnisleiter hoffe ich so vor Ort individuell den Bedürfnissen gerecht zu werden.“
Auch Trauer teilen
Morshäuser und Fronczek möchten nicht nur Sonnenschein und Freude, sondern auch Trauer mit den Menschen teilen. „Auf die Familien eingehen und für die Familien Zeit haben“, beschreibt es Fronczek. Ob Hochzeiten oder Begräbnisse, was früher selbstverständlich im Ritus der Kirche gefeiert wurde, werde immer individueller, bunter und vielfältiger.
Als Beispiel führt Fronczek das Begräbnis eines 32-Jährigen Drogenabhängigen an, der aus der Kirche ausgetreten war. Die Großeltern waren noch eng mit der Kirche verbunden, jede weitere Generation immer weniger. „Hier allen Beteiligten gerecht zu werden, ist eine wichtige Aufgabe.“
Christliches Grundverständnis
Der christliche Boden sei die Basis ihrer Tätigkeit. „Wir machen etwas anders als ein Trauerredner, der auch ohne Bezug zu Gott auskommt“, sagt Morshäuser. „Wir haben ein christliches Grundverständnis und wir haben den Anspruch an uns selbst, die Familien zu begleiten“, ergänzt Fronczek.
Über die Hospizarbeit begleite Morshäuser Sterbende und ihre Familien, es sei eine konsequente Fortführung, dass sie auch die Bestattung vornehmen könne. „Menschen brauchen jemand, der zuhört, der Fragen zulässt, der Verzweiflung aushält und nicht auf alles eine Antwort weiß.“
Individuelle Gestaltung
Als Begräbnisleiter sind sie nicht nur auf eine Rede am Grab beschränkt. „Wir stellen den Rahmen für eine Bestattung, so wie es gewünscht wird.“
Denkbar sei auch die liturgische Gestaltung einer Gedenkandacht am Tag selbst oder am Tag vor der Beerdigung. So eine Andacht könne frei und individuell gestaltet werden, mit Texten, Gedanken, Liedern in dem Verstorbenen entsprachen wie auch den Angehörigen gerecht werden.
„Wir haben da eine sehr große Offenheit“, sagt Fronczek. Er möchte sich: „Nicht hinter einem Ritus verstecken, sondern eine persönliche Ebene zu den Hinterbliebenen finden. Ich bin kein Zeremonienmeister.“
„Es gibt Grenzen“
Ob nun mit Weihrauch oder ohne, ob mit Alltagskleidung oder Albe, ob mit moderner Musik oder traditionellen Liedern, das alles könne besprochen werden. „Manche Verstorbene haben im Vorfeld den Wunsch für ein fröhliches Abschiedsfest statt einer Trauergemeinde geäußert“, weiß Morshäuser. Doch bei aller Individualität, die christliche Grundausrichtungen werden Morshäuser und Fronczek nicht verlassen. „Gott weglassen, das geht für mich einfach nicht.“ Dem stimmt auch Fronczek zu. „Highway to hell“, würde ich nicht spielen lassen. „Es gibt Grenzen.“
Formulieren ohne zu verletzen
Letztlich müsse ein Begräbnisleiter einen Dreiklang im Blick haben: Dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen, die Angehörigen in der Trauer begleiten und die öffentliche Gemeinde, die zu einer Beerdigung komme. Es könne da durchaus auch Konflikte geben, wenn jemand sich zu Lebenzeiten nicht nur Freunde gemacht habe.
„Wir müssen ehrliche Formulierungen finden, ohne verletzend zu sein, das ist eine Herausforderung“, so Fronczek.
Bei der Beerdigung und den Worten, die gefunden werden müssen, gehe es um mehr als Zahlen und Fakten aus dem Lebenslauf des Verstorbenen. Anekdoten aus dem Leben, schöne Erinnerungen gelte es, im Gespräch mit den Hinterbliebenen in Erfahrung zu bringen und je nach Situation behutsam in der Ansprach unterzubringen.
Bitte keine falschen Namen
Das Ehrenamt Begräbnisleiterin oder Begräbnisleiter sei ein Verantwortungsvolles. „Die Menschen erinnern sich lange an eine schlechte und lieblose Beerdigung. Falsche Namen sind eine Katastrophe“, weiß Fronczek, der sich auch Gedanken über schwierige Situationen macht: „Dass mich die Emotionen überkommen, dass mir die Stimme versagt. Aber auch das darf sein“.
Morshäuser: „Ich habe Respekt vor der Aufgabe. Ich möchte mit den Menschen lachen und weinen und ehrlich bleiben.“
Keine Konkurrenz zum Pfarrer
Beide haben den Wunsch, dass sie mit ihrer Art eine Beerdigung zu gestalten, die Menschen erreichen und um Nachdenken über das eigene Leben anregen. Als Konkurrenz zu einem Pfarrer sehen sie sich nicht. Vielmehr als Unterstützung des Seelsorgeteams, mit dem sie eng zusammenarbeiten. Natürlich stehe es den Hinterbliebenen frei, jederzeit ein Requiem zu wünschen, das werde dann entsprechend vermittelt.
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