Der Terminplan von Maximilian Kramlich, Schüler der 12. Klasse am Franz-Miltenberger Gymnasium in Bad Brückenau, ist sehr eng getaktet. Fortbildungen in Berlin, Treffen in München, Anträge ausformulieren, E-Mails schreiben. Mehrere Stunden Arbeit in der Woche fließen – aktuell durchaus zulasten der Schule – in sein ehrenamtliches Engagement.
In diesem Schuljahr, seinem dritten als Schülersprecher des FMG, kommt noch ein weiteres Amt hinzu: Er vertritt rund 30.000 Schülerinnen und Schüler als Bezirksschülersprecher aller unterfränkischer Gymnasien. Laut einer Statistik von 2024 sind das 44 Gymnasien im Bezirk (Quelle: Bayerische Landesamt für Statistik).
Grundlage sind Organisation und Zuverlässigkeit
„Ich bin mir der Verantwortung bewusst und nehme sie sehr ernst“, sagt der 18-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. Eine gute Organisation und Zuverlässigkeit seien die Grundlagen, um solch eine Position ausfüllen zu können. Darüber ist sich Kramlich bewusst. „Ich muss parallel mit Lehrerkräften, den Schülerinnen und Schülern meiner Schule sowie den Schülersprecherinnen und -sprechern von anderen Schulen kommunizieren“, erklärt er.
„Zugänglichkeit für alle“, sei ihm besonders wichtig und die Transparenz seiner Arbeit. Deshalb hatte er sich in der Vergangenheit auch dafür eingesetzt, dass der Schülersprecher am FMG direkt von allen Schülern gewählt werden kann und nicht nur von den Klassensprechern. „Schülerinnen und Schüler können direkt mitbestimmen, das ist der demokratische Grundgedanke“, sagt Kramlich. In den vergangenen zwei Jahren war viel möglich, sagt Kramlich über seine Arbeit als Schülersprecher.
Einfluss der Schüler auf Bildungspolitik gering
Was nun die Arbeit der Bezirksschülersprecher angeht, erklärt es Kramlich so: „Wir formulieren Themen und Anträge, über die auf höherer Ebene vom Landeschülerrat abgestimmt wird.“ Der Einfluss auf die Politik sei aber aktuell zu gering. Das hält den Schüler dennoch nicht davon ab, sich einzusetzen.
Eine Form seines Engagements besteht darin, die Öffentlichkeit einzubeziehen und transparent seine Arbeit zu zeigen. Beispielsweise fordert der Bezirksschülersprecher aktuell technische Verbesserungen der digitalen Lernplattform und mehr Transparenz beim Kopiergeld in den Schulen.
Weiterhin unangekündigte Leistungstests an Gymnasien
In den Medien hat im vergangenen Jahr eine breite Diskussion stattgefunden,, die vom bayerischen Landesschülerrat angestoßen wurde: Sie forderten die Abschaffung der unangekündigten Leistungsnachweise an den Gymnasien. Während Kultusministerin Anna Stolz die Überlegung in Erwägung zog, machte ihr Markus Söder als Ministerpräsident einen Strich durch die Rechnung. Leider würden - wie in diesem Fall - nicht viele Anträge der Schülervertretung im Ministerium umgesetzt.
Kramlich sind zwei Themen in seiner Arbeit besonders wichtig: Das fehlende Geld - trotz Sondervermögen - für die Sanierung maroder Schulgebäude und die mentale Gesundheit der Schülerinnen und Schüler, auf die der Druck immer größer werde.
Verzicht auf Freizeit
Erst kürzlich hat Kramlich seinen 18. Geburtstag gefeiert. Die vielen Eindrücke der vergangenen Monate, Wahlansprachen, Weiterbildungen, sagt er, seien nicht zu unterschätzen. „Mentale Stärke ist wichtig." In dieser Zeit verzichtet er auf seine Freizeit, Treffen mit Freunden und Partys an Wochenenden. Und doch: „Ich habe mich dafür entschieden und bin sehr zufrieden". Und: Seit kurzem ist er auch im Besitz eines Führerscheins. „Da habe ich räumlich mehr Flexibilität."
Die Struktur der Schülersprecher in Bayern:
Die Schülersprecher aller Schularten wählen auf Bezirksebene jeweils einen Bezirksschülersprecher (mit Vertretung) ihrer Schulart.
Aus den sieben bayerischen Bezirken kommen schließlich die Bezirksschülersprecher auf der Landesschülerkonferenz zusammen und wählen die Landesvertretung. Diese zwölf Landesschülersprecher bilden den Landesschülerrat, die höchste Ebene der Schülervertretung in Bayern.
Der Landeschülerrat ist der direkte Ansprechpartner des Kultusministeriums, der Verbände und der Presse, wenn es um Fragen geht, die alle Schülerinnen und Schüler einer Schulart oder die Bildungspolitik allgemein betreffen.











