Es ist länger hell, die Vögel zwitschern und die Sonne lässt sich wieder öfter blicken: Zeit, sich aufs Fahrrad zu schwingen. Stand 2026 wird das Fortbewegungsmittel in Deutschland von über 80 Prozent der Bevölkerung genutzt, teilt das Bundesministerium für Verkehr mit.
Es gibt viele Fahrradarten: City- und Trekkingräder, Rennräder, Mountainbikes, und wer’s ganz speziell mag, kann auf ein Liegerad zurückgreifen. Immer beliebter werden aber nach wie vor E-Bikes.
Die aktuellen Renner
„E-Fully-Mountainbikes gehen am meisten“, sagt Gernod Riemey, Seniorchef von Fahrrad Riemey in Zeitlofs. Ein anhaltender Trend, den im Landkreis mehrere Händler beobachten. Im Gegensatz zu den Hardtail-Mountainbikes, die nur vorn eine Federgabel haben, besitzt ein Fully zusätzlich eine Hinterradfederung. Diese Konstruktion stellt sicher, dass das Hinterrad selbst bei groben Wurzeln, losem Geröll oder nach Sprüngen nicht unruhig wird oder die Haftung verliert.
Die Fully-Mountainbikes können auf die körperlichen Bedürfnisse der Kunden eingestellt werden – was auch gesundheitliche Vorteile hat. „Durch die Vollfederung entlaste ich den Rücken“, sagt Stefan Urbatis, Inhaber von Saale Vélo in Hammelburg. Zudem geht der Trend bei dieser Radart zu Tiefeinsteigern, die vor allem älteren Menschen einen bequemeren Einstieg ermöglichen.
„Auch junge Kunden im Alter von 20 bis 30 greifen vermehrt auf E-Fully-Mountainbikes zurück. Es wird zum Beispiel viel als Pendlerrad genutzt“, sagt Jonas Floth, Juniorchef von Fahrrad Floth aus Bad Kissingen. Das beobachtet auch Heiko Kippes von Heiko’s Radschuppen in Hammelburg. Aufgrund der aktuell hohen Spritpreise, kann er sich vorstellen, dass die Zahlen von Pendlern steigen.
Rennräder erleben eine Art Renaissance. „Ich hätte vor fünf Jahren nicht damit gerechnet, dass die noch einmal kommen“, sagt Floth. Auch die Nachfrage nach Gravelbikes steigt.
Immer beliebter werden auch E-Bike-Automatikschaltungen, bei denen das Rad eigenständig zwischen den verschiedenen Gängen wechselt, und elektronische Gangschaltungen, bei denen der Gang per Knopfdruck gewechselt wird.
E-Bike statt Bio-Bike
Was sich mancherorts vergleichsweise zum Ladenhüter entwickelt hat, sind herkömmliche Fahrräder ohne elektrischen Antrieb – sogenannte Bio-Bikes. Die Nachfrage ist schlicht nicht mehr in dem Maße wie früher vorhanden, sagt Gernod Riemey. Mittlerweile seien in etwa 95 Prozent der Fahrräder, die sie verkaufen, E-Bikes. Ähnlich sehen die Zahlen auch in anderen Fahrradläden des Landkreises aus.
„Wir merken beispielsweise bei unmotorisierten Mountainbikes, dass diese hauptsächlich noch im Jugendbereich verkauft werden“, sagt Heiko Kippes. Im sportlichen Bereich greifen die Menschen noch öfter auf herkömmliche Räder ohne elektrischen Antrieb zurück. Das sei im Vergleich jedoch eine kleine Sparte.
Es seien auch vermehrt Kinder und Jugendliche mit E-Bikes unterwegs – so die Beobachtung von Gernod Riemey. „Wenn die Eltern selbst mit einem E-Bike unterwegs sind, wollen sie nicht stehenbleiben und warten, bis das Kind mit dem normalen Rad aufgeholt hat“, sagt der Seniorchef.
Hier werden lokale Unterschiede deutlich. Bei Heranwachsenden sehe er E-Bikes nicht so häufig, sagt Jonas Floth. Dafür beobachtet er generell eine größere Nachfrage, was Kinderräder angeht. Lange Zeit waren diese in Kissingen gar nicht mehr wirklich gefragt – bis letztes Jahr. Auch Heiko Kippes bemerkt seit 2025 wieder eine ansteigende Nachfrage.
Andernorts greifen Eltern allerdings vermehrt auf Gebrauchträder zurück. „Gerade bei Kindern, die ja noch im Wachstum sind, kaufen die Leute lieber gebraucht“, sagt Stefan Urbatis.
Aktuelle Marktentwicklungen
Mittlerweile haben sich viele Motorenhersteller auf dem Markt der E-Bikes etabliert. Der aktuelle Marktführer Bosch hat in diesem Jahr das neue Modell seines Generation-fünf-Motors herausgebracht, welcher in vielen E-Bikes verwendet wird.
Doch auch Firmen wie Da-Jiang Innovations (DJI), Yamaha und Brose sind auf dem Vormarsch. Prinzipiell sollte man bei der Motorenstärke aber auch beachten, für welche Bedürfnisse das Rad ausgelegt sein soll. „Für jemanden, der tourenlastig fährt, reicht ein Drehmoment von 85 eigentlich völlig. Für jemanden, der eher ein Stadtrad möchte, sind auch 60 ausreichend“, sagt Stefan Urbatis.
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Was künftig verstärkt auf dem Markt verfügbar sein wird, sind E-Bike-Smart-Systeme. Dabei werden Akku, Motor, Display und Bedieneinheit via Bluetooth mit einer App vernetzt. Darüber lässt sich mitunter der Fahrmodus individuell einstellen. „Smarte Systeme werden immer mehr kommen, das ist die Zukunft“, sagt der Hammelburger.
Leasing ist innerhalb der Branche nach wie vor ein großes Thema – auch wenn die Nachfrage nicht bei jedem Händler gleich stark ist. Für den Landkreis Bad Kissingen ist dabei unter anderem die Deutsche Dienstrad GmbH als einer der führenden Anbieter mit Sitz in Schweinfurt relevant. Viele Firmen aus der Region greifen auf diesen Partner zurück.
Traditionsunternehmen schließt
Für Menschen aus dem Landkreis, die gerne auch im angrenzenden Bad Neustadt nach Rädern schauen, gibt es künftig eine Anlaufstelle weniger. Zum 30. Juni hin wird das Traditionsunternehmen Radhaus Raab nach über 120 Jahren schließen. Teresa Raab, die das Geschäft in vierter Generation führt, traf für sich die persönliche Entscheidung, die Firma nicht weiterführen zu wollen. Kunden können dann bei Gaul eMotion in der Haydnstraße 1 in Bad Neustadt ihren Rad-Service machen lassen. Auch Fahrrad Floth in Bad Kissingen könnte Kunden übernehmen.
















