Märchenhaft, musikalisch, medizinisch – all das war der Kappenabend des Musikzugs Wildflecken und noch einiges mehr. Der Probenraum des Musikzugs wurde wieder zur Kleinkunst- und Kabarettbühne, und viele Akteure trugen dazu bei, dass Humor und gute Laune regierten. Zwischendurch flossen im Publikum die Lachtränen.
Zuerst hatten die „Rhönhüpfer“ ihren großen Auftritt. Die Kindertanzgruppe, trainiert von Antonie Spahn und Jasmin Wich, trat in zwei Formationen auf und brachte sofort Stimmung in den Saal. Alle rockten und klatschten mit bei Tänzen zu Nenas „99 Luftballons“, „Wannabe“ von den Spice Girls, dem Minidisco-Hit „Soco, Bate, Vira“ und dem Gute-Laune-Song der Band GroßstadtEngel.
Futuristische Roboter-Welt
Die Bühne gehörte dann der Jugendkapelle unter der Leitung von Manuela Möller. Ihr Sketch spielte in einer Zukunftswelt, die allerdings noch verdächtig mit den Wildfleckener Alltagsnöten von heute zu kämpfen hatte. Eine Gruppe von futuristisch aussehenden Robotern wurde bei ihrer Rhythmusdarbietung von der schlechten Internetverbindung ausgebremst und hatte plötzlich keinen Empfang mehr. Auch das Callcenter der Telekom konnte nicht helfen, und ein griechischer Bautrupp, der Löcher für den ersehnten Glasfaser-Anschluss bohrte, warf schnell wieder die Brocken hin. Flächendeckendes, schnelles Internet: Zukunftsmusik! Für Lacher sorgte bei dieser Nummer vor allem viel Lokalkolorit mit Anspielungen auf bekannte Technikprobleme in der Florian-Geyer-Straße oder Funklöcher in Oberbach.
Zu heiß gewaschen
Probleme ganz analoger Natur präsentierten dagegen die älteren Jugendlichen des Musikzugs in einem selbstgeschriebenen Sketch. Das Quintett Carlo Schmitt, Felicitas Baer, Christoph Müller, Sophia Schnellbach und Oliver Schnellbach konnte zunächst nicht auftreten, weil die Musikinstrumente noch in der Wäscherei waren und erst von einem Boten geliefert werden mussten. Wie sich herausstellte, hatte die Wäscherei alles zu heiß gewaschen und teils auch noch verfärbt. Schlagzeug, Trompete, Klarinette, Saxofon und Posaune waren geschrumpft und für große Stücke nicht mehr zu gebrauchen. Aus der geplanten Big Band wurde somit eine Tiny Band.
Zu allem Übel hatte auch noch Dirigent Andreas Kleinhenz vor dem Auftritt offenbar zu lange in der Sauna gesessen und war sichtbar eingegangen. Nachwuchsmusiker Michael Frikel trat als Mini-Andi ans Notenpult und brachte das Publikum zum Grölen. Immerhin: Auch mit den Mini-Instrumenten und den Stücken „Hänschen klein“, „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Little Drummer Boy“ kam ein ordentliches Konzert zustande. Beim abschließenden „Böhmischen Träumchen“ gab es Standing Ovations.
Vornehme Dame und Bauerntrampel
Keinen Dialog, aber sehr viel Situationskomik hatte ein Sketch von Petra Strömel und Carina Schaupp, die zwei Frauen im Zug spielten – die eine vornehm, die andere ein Bauerntrampel. Während die vornehme Dame ihren Kosmetikspiegel herausholte und sich aufhübschte, machte ihr die andere alles auf ihre Art nach. Statt Make-up kamen dabei unter anderem Margarine, Mehl, Schuhcreme und eine Klobürste zum Einsatz. Carina Schaupp zeigte als vertrotteltes Landei vollen Körpereinsatz und hatte später am Abend auch noch einen lustigen Solo-Auftritt als frustrierte Frau eines Musikers.
In die Bütt stiegen zudem Matthias Dernbach mit einer Hommage an Willy Astor, Axel Vorndran als Faschingshasser und Heidi Kehm, die in herrlicher Oberweißenbrunner Mundart von diversen Missverständnissen rund um eine Stuhlprobe berichtete. Um üble Darmbeschwerden ging es auch im Vortrag von Herbert Höhl. Auch „Braunes“ in der Politik hatte er im Visier und drückte bei diesem Thema symbolisch die Klospülung.
Schicksalsergebenes Aschenputtel
In die Welt der Märchen ging es in einer urkomischen Variante vom Aschenputtel – dargeboten von Jürgen, Heidrun, Tobias und Dominik Köstler, Georg Helfrich, Jochen Gundelach und Herbert Höhl. Erwartungsgemäß bekam der schöne Prinz dank hartnäckiger guter Fee sein schicksalsergebenes Aschenputtel. Vieler Worte bedurfte es nicht: „Hier ist dein gläserner Schuh!“ – „Okay.“ Für Schunkelmusik sorgte Johannes Wolf mit dem Schifferklavier.
Fasching in Franken
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