Acht Monate lang war die Leitungsstelle der Hammelburger Tourist-Information (TI) unbesetzt, deshalb hat die Stadt erst jetzt auf Nachfrage eine Gästestatistik vorgelegt. Ende Mai, kurz dem Arbeitsbeginn der neuen TI-Chefin Theresa Schmid, gab es die Zahlen: Bei den Übernachtungsgästen landete die Stadt 2022 genau auf dem Niveau von vor der Pandemie, die Übernachtungszahl selbst lag 1177 oder 1,8 Prozent unter dem Wert von 2019. „Der Tourismus in Hammelburg hat sich wieder stabilisiert“, fasst Sophia Papadopoulos vom Zweckverband „Frankens Saalestück “ die Statistik zusammen.
Schloss Saaleck mittlerweile geschlossen
Die Stadt Hammelburg führt keine eigene Gästestatistik, ausgewertet werden lediglich Zahlen des Statistischen Landesamtes: Die Behörde erhebt jedoch nur die Werte aus Betrieben mit mindestens zehn Betten. Im Jahr 2019 brachten es die größeren Betriebe auf insgesamt 404 Betten, im vergangenen Jahr waren es nur noch 377 Betten in der Statistik. Insgesamt hat Hammelburg allerdings mehr als 500 Gästebetten. Seit 2021 fehlt laut Geerd Müller von Frankens Saalestück unter anderem Schloss Saaleck als Anziehungspunkt im Saaletal.
Im letzen Jahr 2019, also vor der Pandemie, buchten 35.687 Gäste insgesamt 64.833 Übernachtungen im Stadtgebiet Hammelburg. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug somit 1,81 Tage. Im ersten Corona-Jahr kamen nur noch 21.334 Gäste für 43.233 Übernachtungen in die größeren Betriebe. Geschäftsreisende und Monteure, die auch während der Pandemie reisen durften, Wanderer, Camper und Kanufahrer retteten damals die Bilanz. 2021 gab es mit 23.323 Gästen und 43.262 Übernachtungen nur einen kleinen Aufwärtstrend. 2022 steigerten sich die Gästeankünfte um 53 Prozent auf 35.678, die Übernachtungen um 47,1 Prozent auf 63.656. Die durchschnittliche Verweildauer sank gegenüber 2019 leicht auf 1,78 Tage.
Fast wieder auf Stand von 2019
Einen ähnlichen Trend gab es laut Sophia Papadopoulos im gesamten Altlandkreis Hammelburg: „Frankens Saalestück“ führt auch eine Statistik der Mitgliedskommunen ohne die Stadt Bad Kissingen. Im Jahr 2019 gab es demnach 103.306 Übernachtungen, im ersten Pandemiejahr 64.655, im zweiten 67.797 und im vergangenen Jahr 103.051. In den insgesamt neun Kommunen rund um Hammelburg haben die Betriebe 2022 also etwa das Niveau von 2019 erreicht.
Größter Einzel-Gastgeber in Hammelburg ist seit Jahren die Bayerische Musikakademie: Den höchsten Wert bislang verzeichnete die Einrichtung 2017 mit 22.091 Übernachtungen. Wegen der Erweiterung und des Umbaus des Klosters gab es 2018 und 2019 eine Delle, in der Pandemie brachen die Zahlen komplett ein. „Wir mussten ja fast eineinhalb Jahre komplett zu machen“, erinnert sich Verwaltungsleiterin Bernadette Roßberg (siehe auch ). Selbst nach den Lockerungen durften Doppelzimmer nur mit einer Person belegt werden, im Speisesaal und bei Proben gab es Auflagen und es durfte nur eine Gruppe buchen.
Die Übernachtungszahlen der Bayerischen Musikakademie brachen bis auf 5564 im Jahr 2021 ein. „Uns fehlen einfach zwei Jahre“, blickt Roßberg zurück. Umso mehr freut sie sich, dass ab Mitte 2022 wieder mehrere Gruppen gleichzeitig ins Haus dürfen und die Gesamtkapazität von rund 150 Betten immer öfter ausgeschöpft wird. Aktuell sei das Haus sehr gut belegt, das wirkt sich auch auf ihre Prognose aus: „Die 25.000 Übernachtungen werden wir heuer vermutlich nicht schaffen, aber auf 24.000 kommen wir bestimmt.“
Mehr Wohnmobilisten in der Stadt
Sogar über dem Wert von 2019 liegt die Zahl der registrierten Wohnmobile auf dem Stellplatz am Bleichrasen: 4837 wurden 2019 gezählt, im vergangenen Jahr 5408. „Mir wird von Einzelhandel und Gastronomie immer wieder berichtet, dass das ein enormer Wirtschaftsfaktor ist“, kommentiert Bürgermeister Armin Warmuth diese Statistik. Warmuth, der auch gleichzeitig Vorsitzender im Zweckverband Frankens Saalestück ist, sieht die Region auf einem sehr guten Weg. „Unsere Bemühungen tragen Früchte.“ Neue Wege gehe der Zweckverband auch bei der Werbung: Anstelle eines gedruckten Gastgeberverzeichnisses gibt es das neue Heft „Auszeiten“, in dem Partnerbetriebe ausführlich und mit großen Bildern vorgestellt werden. Auch die Präsenz auf Instagram und Co. werde weiter ausgebaut. Hauptzielgruppe seien dabei Urlauber, denen Kulinarik und Aktiv-Tourismus wichtig sind. Die Stadt will auch an die historische Verbindung zu Fulda anknüpfen, unter anderem in diesem Jahr mit Ständen auf der Landesgartenschau dort.
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