Der Valentinstag als Umsatz-Fest für die Blumen- und Süßigkeitenbranche. Das allein kann es nicht sein, haben sich die Verantwortlichen des Volkersbergs schon vor mehr als 15 Jahren gedacht. Und bieten seitdem (fast) jedes Jahr am 14. Februar erfolgreich die „Segensfeier für Liebende“ an. Auch diesmal. Was fasziniert die Menschen an diesem Abend? Spielen aktuelle Krisen eine Rolle?
„Um die 200 Besucher“ besuchen die Segensfeier in der Wallfahrtskirche auf dem Volkersberg im Schnitt, berichtet Sozialpädagoge Ralf Sauer, der als Koordinator der Bildungsarbeit an der Jugendbildungsstätte und als Koordinator im Pastoralen Raum Bad Brückenau tätig ist. Das sei auch nach einer Corona-Pause 2021 vergangenes Jahr so gewesen. Und es sei mehr, als er es von „normalen“ Gottesdiensten kenne.
Kirche will Bedürfnisse bedienen
Corona, Klimakatastrophe und Ukrainekrieg treiben die Menschen zwar nicht zurück in den Schoß der Kirche, hat Sauer festgestellt. Wohl aber ein Grundbedürfnis, vom Alltagsstress herunterzufahren, zur Ruhe zu kommen.
„Wir wollen für die Menschen da sein und ihre Bedürfnisse bedienen“, so der Volkersberg-Mitarbeiter. Dies gelinge der Kirche durch „alternative Formen“ besser. Wie der Segensfeier für Liebende am Valentinstag. Oder dem im vergangenen Jahr gestarteten neuen Gottesdienst-Format „Zeit für dich“.
Feierliche Worte von Jens Hausdörfer
Und so wird die Segensfeier 2023 auch wieder dem Wunsch der Besucher nach Innehalten und Besinnung gerecht: eine schöne Atmosphäre in der Wallfahrtskirche, musikalische Umrahmung mit Orgel und Saxophon, feierliche Worte, Gedichte, Gebete – diesmal von Pastoralreferent Jens Hausdörfer aus dem Pastoralen Raum Bad Brückenau.
„Dreißig Minuten zum Träumen, Ausspannen und Nachdenken“, wie Ralf Sauer es in seiner Ankündigung für die Segensfeier mjtteilt. Beginn ist am 14. Februar um 19 Uhr.
Für manche Paare ein gesetzter Termin
Anschließend laden die Veranstalter zu einem Glas Sekt ein. Und Sauer weist darauf hin, dass die Klosterschänke auf dem Volkersberg von 17.30 bis 21 Uhr ein Valentinstagsmenü anbietet.
Der Sozialpädagoge hat festgestellt, dass sich die Segensfeier am Valentinstag zu einem echten Klassiker entwickelt hat. „Für viele Paare ist das ein gesetzter Termin. Darunter sind auch viele, die das gesamte Jahr über nicht da sind.“ Das sei ähnlich wie die Christmette am Heiligen Abend. Auch sie ziehe viele Menschen in die Kirchen, die ansonsten wenig, nichts oder nichts mehr mit der Kirche zu tun haben.
Keine besondere kirchliche Tradition
Der Valentinstag geht auf das Fest des Heiligen Valentinus, eines christlichen Märtyrers, zurück. Er wurde zwar 496 von Papst Gelasius als Gedenktag für die ganze Kirche eingeführt, aber 1969 aus dem römischen Generalkalender entfernt. Verbreitet blieben Gottesdienste um den Valentinstag herum, bei denen Ehepaare gesegnet wurden. Im frühen 19. Jahrhundert begann in England die maschinelle Produktion von Karten mit Valentinsgrüßen und – gedichten.
Mit Auswanderern schwappte diese Tradition in die Vereinigten Staaten über. U.S.-Soldaten machten sie nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Westdeutschland bekannt. Seinen Durchbruch erlangte der Valentinstag hierzulande in den vergangenen Jahrzehnten durch Werbung der Floristik- und Süßwarenindustrie.









