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Faschingssitzung
Ein Hauch von Woodstock in Aura
Auraer Prinzengarde
Die Auraer Prinzengarde ist das Aushängeschild der närrischen Majestäten. // Winfried Ehling
Aura an der Saale – Ein Dorf in Faschingsstimmung: Das Woodstock-Motto verzaubert Aura. Der Abend und die schönsten Bilder.

Ein Ereignis längst vergangener Tage war heuer das Motto der Prunksitzung der Faschingsfreunde. „Wir wollen Hippies sein“, hieß der Schlachtruf auf der Elferratstribüne wie auch im Auditorium. „Woodstock“ sollte noch einmal auferstehen und die Zeiten von „Love and Peace“, Flower Power und dem allgegenwärtigen Emblem „Ban the Bomb“.

Zwar hatten geschätzte 95 Prozent der Akteure seinerzeit noch nicht das Licht der Welt erblickt, doch gibt es heute Internet und KI. Mit geschickter Recherche, einer Prise Fantasie und entsprechender Musikbeschallung sind die Tage der Blumenkinder rekonstruierbar, wie der Eingangssong von Jefferson Airplane „Somebody to Love“ beweist.

Ein Waggon voller Oldies

Nach den Prologen und Grußworten von Sitzungspräsident Manuel Kolb (ManU) galt ein besonderer Gruß den Mitgliedern der Schwärzelbacher Narrengilde, die seit langem treue Verbündete der Faschingsfreunde sind. Den Auftakt machte Tanzmariechen Sophia Frank, die eine elegant-exakte Vorstellung gab, für die sie viel Applaus erhielt. In die erste Bütt trat dann Hermine Kaiser als „Reiseleiterin“. „If you come to San Francisco?“ Nein, sie war mit einem Waggon voller Oldies unterwegs, die alles und jeden fotografierten.

Die Rot-Weiße Garde lieferte im Anschluss einen schmissigen Gardetanz und wurde mit einem Klatsch-Konzert belohnt. Zwei Knaben, Bruno und Leonard Kolb (sie haben Konfetti im Blut), sinnierten im folgenden über eine Bewerbung als Elferrat, verwarfen aber ihr Vorhaben, weil sie lieber Bürgermeister-Kandidaten werden wollen.

Ein Paukenschlag war der Showtanz der Schwärzelbacher Frauengarde, der sogar Dauer-Alleinunterhalter Dieter Nöth in den Schatten stellte. Wilde Weiber mit einem noch wilderen, keulenschwingenden Kriegstanz ließen so manchen Hippie vor Schaudern erzittern.

Die schönsten Bilder zum durchklicken:

Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura // FOTOGALERIE Winfried Ehling
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura // FOTOGALERIE Winfried Ehling
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura // FOTOGALERIE Winfried Ehling
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura // FOTOGALERIE Winfried Ehling
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura // FOTOGALERIE Winfried Ehling
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura // FOTOGALERIE Winfried Ehling
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura // FOTOGALERIE Winfried Ehling
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura
Ein Hauch von Woodstock: Die schönsten Bilder aus Aura // FOTOGALERIE Winfried Ehling

So hält man sich Tratsch vom Hals

Im nächsten Part kamen die „Whats-Apper“ zu Wort, eine Kommunikationsart, die 1969 beim Woodstock-Festival noch nicht bekannt war. Froh sein darf der Frühgeborene, der sich viel Tratsch, dumme Kommentare und Meckerer und Nörgler vom Hals halten konnte.

Für ihren zackigen Marschtanz hat die Prinzengarde viel Lob erhalten. Dann eine Überraschung: Showtanz „Good Weib’s“. Wer dahinter steckt, war nicht ganz genau zu definieren. Vermutlich handelte es sich hier um ehemalige und mögliche noch Aktive. Als Cowgirls wirbelten die Damen über die Bühne, was jeden Westernhelden den Atem geraubt hätte.

Der Showtanz der „Tanzmäuse“ stellte die Uhr ebenfalls zurück. Die Petticoat-Mäuschen tanzten auf Rock’n’Roll und Rockabilly-Songs, und Elvis ließ grüßen.

Naturschwimmbad: Ein Abkühlteich?

Aber das alles bringt es nicht auf den Punkt. Die Faschingsfreunde planen doch ein Festival, „Aura(stock) 2026“ und hatten dazu eigens zwei Planer eingeladen. Deren Wünsche und Ansichten waren allerdings schwer zu verdauen. Das Auraer Naturschwimmbad als Abkühlteich? Die Planer argumentieren: Beim Rockfestival in Nürnberg gebe es schließlich auch den Dutzendteich. Wie man sich das vorstelle, mit 300.000 verrückten Musikfans. Die füllen ja die ganze Region von Sulzthal bis zu den „Witschies“ (Wittershausen), schau mer mal.

Die „Wildcats“ passten sich dem Motto an. Fröhlich, bunt und agil eroberten sie das Publikum mit ihrem Ballett. Ein Auraer Narren-Urgestein, Rainer Kaiser, kann es immer noch nicht mit der Bütt lassen. Er ist zum ersten Male Opa geworden (was nichts mit Woodstock zu tun hat) und kümmert sich rührend um das Enkelchen. Er geht mit ihm im Kinderwagen den Gartenweg hinaus spazieren und tut vieles andere. Nur beim Windelwechseln flüchtet er. „Das soll die Oma machen. Dafür ist sie Oma“, sagt er.

Männerballett ganz zum Schluss

Einen Hochkaräter, der beim Hauptthema einfädelte, stellte das Männerballett als Schlusspunkt. Langhaarige Hippies im bunten Underdress und mit einem Joint oder der „Bowl“ im Mundwinkel umgarnten sich bei Songs von Country Joe McDonald, Joan Baez, Sly & the Family Stone und anderen Bands. Leuchtende Augen standen für „wir haben es geschafft, eine bessere Welt zu zu kreieren“.

Mitnichten. Nur 30 Jahre später gab es wieder ein musikalisches Großereignis im Bundesstaat New York, da sah alles ganz anders aus, wie das Männerballett präsentierte. Nix mehr übrig von „some flowers in your hair“, sondern raue Töne von beispielsweise „Rage against the machine“ und ähnlichen Musikgruppen, die meist nur kurzlebig blieben. Doch was immer bleibt, hatten die Auraer Männer in der Hinterhand – die gute, alte Blasmusik.

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