Am Schulzentrum Bad Brückenau haben Lehrer und Profi-Dozenten die Schüler zu einem Musik-Experiment zusammengetrommelt. Das Ergebnis nach nur zwei Tagen Probe? Applaus auf dem Pausenhof und jede Menge neu entdeckter Teamgeist.
Musik überwindet Grenzen. Diese Binsenweisheit bewahrheitete sich auch beim gemeinsamen Band-Workshop des Schulzentrums Bad Brückenau wieder einmal. „Wir haben musikalisch Mauern eingerissen“, freute sich Barbara Bieber über die gute Zusammenarbeit nicht nur auf Seiten der Lehrer, sondern besonders auch der Schülerinnen und Schüler von Mittelschule, Realschule und Gymnasium.
Die Idee für den Workshop schlummerte schon länger in den Köpfen der Lehrerinnen und Lehrer am Schulzentrum. Konkret nahm es seinen Anfang mit dem gemeinsamen Erarbeiten von musikalischen Beiträgen der Schulen zur Feierstunde 80 Jahre Kriegsende im Mai 2025. Um die Weihnachtszeit im vergangenen Jahr wurden die Pläne dann konkreter.
Das Ziel sollte keineswegs eine weitere, neben den bereits an den einzelnen Schulen bestehenden Schulbands sein. Es sollte stattdessen genau darum gehen, die Musiker schulübergreifend zusammenzubringen. Leidenschaft und Rhythmusgefühl hängen schließlich nicht per Naturgesetz von der Schulform ab.
Schwierige Terminfindung
Ulrich Heininger von der Mittelschule, Barbara Bieber vom Gymnasium und Dennis Ankert von der Realschule konzeptionierten also gemeinsam ein Projekt, streckten ihre Fühler nach externer Unterstützung aus und suchten nach einem geeigneten Zeitraum, wobei letzteres am schwierigsten war.
Die Vorgabe seitens der Schulen war eindeutig: Mitten im Schuljahr könne man Schüler für so einen Workshop nicht vom Unterricht freistellen, und so blieb nur das Schuljahresende, nach dem Notenschluss. Schlussendlich konnten zweieinhalb Tage für den Workshop ermöglicht werden.
Ein – angesichts der Verabschiedungen und Klassenfahrten zum Ende des Schuljahres – zwar organisatorisch nicht anders machbares, aber äußerst sportliches Unterfangen, wenn man bedenkt, dass die Schülerinnen und Schüler auf dem abschließenden Konzert auf dem Pausenhof auftreten sollten.
In Konstellationen, in denen die meisten noch nie gemeinsam musiziert hatten, teilweise gar „nebeneinander zur Schule gingen, sich aber nie wirklich getroffen haben“, wie Ulrich Heininger noch ergänzte.
Intern verstärkte man sich mit Gitarrist Gerald Klein, der wie Heininger Teil der Mittelschul-Lehrerband „The Teachers“ ist, sowie Andreas Degand, der neben seiner Lehrertätigkeit am Gymnasium an der Musikakademie in Hammelburg für Blasinstrumente doziert.
Experten von außen
Christoph Stibor, Pianist und Leiter des Theater- und Musikmanagements der Stadt Fulda sowie der Berufsmusiker und Schlagzeug-Dozent Frank Holzheimer stießen über die Musikakademie Hammelburg von außen hinzu. Heininger übernahm die Betreuung der Bassisten, während Bieber für das Gesangscoaching verantwortlich war. Mit-Initiator Ankert fiel leider kurz vor dem Workshop aus, was jedoch angesichts des Dozenten-Lineups glücklicherweise gut aufgefangen werden konnte.
Das Interesse der Schülerinnen und Schüler am Workshop war durchaus vorhanden, und es gab zahlreiche Anmeldungen. Aber viele konnten sich erst einmal nichts konkretes unter diesem Band-Workshop vorstellen und waren skeptisch. Aber das sei bei einem Pilotprojekt ja naturgemäß häufig so, erklärten die Lehrer. Unermüdlich habe man also das Konzept immer wieder versucht zu erklären und zu beschreiben. Schließlich fanden sich 41 Schülerinnen und Schüler am ersten Tag des Workshops zusammen.
In nur zwei Tagen galt es nun herauszufinden, wer welches Instrument auf welchem Level beherrscht, wer mit wem musikalisch harmoniert und wie man verschiedene Leistungsniveaus bestmöglich miteinander arrangieren und sinnvolle Kombinationen gestalten kann. Die Nachwuchsmusiker waren dabei hochmotiviert und arbeiteten direkt gut miteinander zusammen. „Die, die schon mehr können, unterstützten sofort die, die noch nicht so geübt sind“, freut Bieber sich im Gespräch über die Atmosphäre im Workshop und Heininger ergänzt noch: „Dass die älteren Schüler dann auch selbstständig bemerkt haben: Hey, da werde ich gebraucht. Da mache ich jetzt was, da helfe ich.“
Spontane Hilfe
Dieses fast schon selbstverständliche Zusammenhalten war dann auch beim Auftritt vor den anderen Schülern sichtbar. Als zum Beispiel ein Oberstufenschüler bemerkte, dass eine der jüngeren Pianistinnen beim Auftritt etwas aus dem Takt gekommen war, setzte er sich unauffällig dahinter und brachte sie quasi als lebendes Metronom leise klatschend wieder in den Takt zurück.
Als dann ausgerechnet bei der Uraufführung von Last Bell – ein von Mittelschülerin Mia Diller komponierter Song – die Textblätter mit den Strophen durcheinander kamen, war seitens des Gesangsduos das nötige Selbstvertrauen gefragt, einfach durchzuziehen und sich nicht weiter davon irritieren zu lassen.
Neue Techniken entwickelt
Ein Schüler, der in Sachen Musik bislang nicht weiter auffällig war, entpuppte sich als die perfekte Gesangsstimme für Liquidos Hit Narcotic und ein Schlagzeuger, der sich das Spielen bislang vorwiegend autodidaktisch mit Hilfe von Youtube-Videos und ähnlichem beigebracht hatte, entwickelte in der kurzen Zeit unter Anleitung der erfahrenen Profi-Dozenten ganz neue Techniken.
Bei George Ezras Budapest spielte er es dann zwar ganz anders als geübt, aber das sei unter leidenschaftlichen Musikern ja eigentlich auch ganz normal, wie Heininger lachend hinzufügt. Im nächsten Jahr solle das Projekt auf jeden Fall wiederholt werden.





















