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Vortrag
Ein Schatz für die Wissenschaft
Elisabeth Singer-Brehm beschreibt eine „Mappa“, Beschneidungswindel aus dem Fundus der Synagoge Hammelburg.
Elisabeth Singer-Brehm beschreibt eine „Mappa“, Beschneidungswindel aus dem Fundus der Synagoge Hammelburg. // Hartmut Hessel
„Tallit Katan" ein Kleidungsstück
„Tallit Katan" ein Kleidungsstück // Hartmut Hessel
Beispiel eines Schriftenfunds
Beispiel eines Schriftenfunds // Hartmut Hessel
Münnerstadt – Spannende Einblicke gab die Wissenschaftlerin Elisabeth Singer-Brehm in ihrem Vortrag über das Thema Genisa, dem Aufbewahrungsort materieller jüdischer Glaubensgeschichte.

Erinnerung ist oft dann ein Schatz, wenn sich darin viel Leid ausgebreitet hat. Der Dachboden wird von den Kindern geleert, wenn die Generation vorher das Haus verlassen hat. Am Ende ist alles weg. Wer jüdischen Glaubens ist und ihn praktiziert, hat mit Vergänglichem einen anderen Umgang. Vor allem Bücher und Schriften, rituelle Gebets- und Glaubensobjekte sollen so lange wie möglich erhalten bleiben.

Elisabeth Singer-Brehm, M.A., kennt sich mit der Genisa – so nennt sich der Aufbewahrungsort materieller jüdischer Glaubensgeschichte – sehr gut aus, denn sie hat als Wissenschaftlerin einen großen Anteil daran, dass die Fundstätten jüdischen Lebens in Deutschland auch inhaltlich erforscht werden. Insbesondere die Orte im Landkreis Bad Kissingen, in denen jüdische Gemeinden existierten – Singer-Brehm nannte in ihrem Vortrag zum Thema Genisa Maßbach, Hammelburg und Westheim –, bilden mit ihrem Fundus nicht nur die Glaubens-, sondern auch die Gesellschaftsgeschichte der Region ab.

Vieles ging verloren

Natürlich sei vieles verloren gegangen, nach 1938 in der Folge der Reichspogromnacht am 9./10. November und später bei den „neuen“ Eigentümern der noch erhaltenen Landsynagogen. Dass das mit deutsch-christlicher Gründlichkeit geschah, zeigte die Referentin zu Beginn ihres Vortrags in der Alten Aula in Münnerstadt am Beispiel eines Bildes aus Bad Kissingen vom 10. November 1938. „39 Judenakten, die vergraben waren“ ist darauf zu lesen. Bereits 1936 hatte das Bezirksrabbinat Bad Kissingen den Gemeinden dringend empfohlen, ihre „Schemoth“, also alles seit der Gründung der Gemeinden in der Genisa Aufbewahrte, auf einem – jüdischen – Friedhof zu vergraben. In Bad Kissingen brannte am 9. November 1938 die Synagoge. Der Mob hat einen Tag später „die Judenakten“ im Friedhof ausgegraben.

Funde aus dem 20. Jahrhundert fand die Volkskundlerin und Judaistin nicht mehr, doch gerade das 19. Jahrhundert lässt sich anhand des umfangreichen Schriftgutes sehr gut nachvollziehen. Die Forschung ist am Anfang und doch Mittendrin.

Fund in der ehemaligen Synagoge Westheim

Religiöse Schriften wurden in vielen Landgemeinden im Dachboden über dem Sakralraum der Synagoge eingelagert. So auch in der ehemaligen Synagoge von Westheim bei Hammelburg. Die Eigentümer nahmen in den 70er Jahren Umbauarbeiten am Dachgebälk vor. Dort fanden sie ein umfangreiches Schriftwerk und Kultgegenstände jüdischen Lebens. Sie fanden aber erst 1983 einen Interessenten im Historiker Prof. Falk Wiesemann, der die Bewertung der Fundstücke ins Rollen brachte. Elisabeth Singer-Brehm zeigte Beispiele aus dem Konvolut.

Zur jüngsten Entdeckung einer Genisa im Landkreis Bad Kissingen kam es in der ehemaligen Synagoge in Maßbach. Bereits die ehemalige Eigentümerin des Anwesens an der Volkershausener Straße hatte auf die Funde aufmerksam gemacht, die später großteils der Wissenschaft übergeben werden konnten. Inzwischen ist die Gemeinde Eigentümerin der ehemaligen Synagoge, die der Heimatverein e.V. zu einem Museum der jüdischen Geschichte in Maßbach umgestaltet hat.

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