Endlich - endlich riefen in Motten die Glocken wieder zum Gebet. Als „ein Tag der Freude“ bezeichnete Pfarrer und Hausherr Tadeusz Krawczyk den lang ersehnten Tag der Altarweihe in der Kirche St. Bartholomäus. Neben Bischof Franz Jung und Pfarrer Krawczyk feierten ihn Pfarrer i.R. Karl Ebner, Pfarrer i.R. Hubert Grütz, Domkapitular Armin Haas, Pfarrer Michael Krammer, Diakon Donald Löw und Pfarrvikar Mariusz Donly. Durch den musikalischen Beitrag des Chors „Let´s sing together“ wurde der Gottesdienst stimmungsvoll untermalt.
Bischof Franz Jung machte deutlich: „Die Kirche ist nicht aus Steinen gebaut, sondern aus Menschen“. Vergebung und Gemeinschaft, die am Altar gestiftet werden, sollen gelebt werden. „Wenn auch die Kirche verkleinert wurde, dürfen unsere Herzen nicht eng werden“, sagte er vom neuen und gesegneten Ambo der Kirche aus, der in Material und Gestaltung dem Altar gleich ist.
Reliquien beigesetzt
Zur Altarweihe wurde der anfangs ungeschmückte Steinblock zum Zentrum für rituelle Handlungen, begonnen mit der Beisetzung der Reliquien des Heiligen Burkard, des Heiligen Eugenius und der Heiligen Crescentia. Bischof Franz Jung besprengte den Altar mit Weihwasser, der Altar sei „die Quelle des Heils“. Er salbte den Altar mit Chrisamöl, dem heiligsten Salböl der katholischen Kirche. Es erinnert an die eigene Taufe und symbolisiert die Verbundenheit mit Christus. Es sei Ausdruck für die Heilung unserer Gebrechen durch Christus, den Gesalbten.
Die fünf Stellen, auf die das Chrisamöl gegossen wurde, stehen für die fünf Wunden Christi. An denselben Stellen entzündete der Bischof Kerzen, die mit Weihrauchkörnern gefüllt wurden – als Sinnbild für das aufsteigende Gebet. Durch die Auferstehung ginge von den Wunden Christi „nicht mehr der Geruch des Todes, sondern der wohlriechende Duft des Lebens“ aus.
Anschließend wurde der Altar mit Tüchern bedeckt und geschmückt – bereit für die erste Wandlung nach drei Jahren. Das Tabernakel ist wieder Aufbewahrungsort für Hostien, das ewige Licht brennt wieder.
Architekt Friedrich Staib bekannte: „Ich stehe vor Ihnen mit großer Dankbarkeit, aber auch mit Wehmut – wir waren ein langes Stück miteinander unterwegs“. Zusammen mit der aktiven Kirchengemeinde habe er die „vertrauensvolle Aufgabe übernommen“, eine neue Kirche zu bauen und „liebgewonnene Ausstattungselemente wiederzuverwenden“, wie die Kreuzwegstationsbilder, manche älter als 300 Jahre.
Viel Lob für Michael Mahr
Auch so mancher Baustein wurde in das neue Gebäude integriert. Die Heiligenfiguren „kommen heute besser zur Geltung als jemals zuvor“. Staib berichtete von zusätzlichen Schwierigkeiten durch verschiedene personelle Wechsel, wie in der Diözese, den Ämtern, im Mottener Rathaus. „Wer blieb, ist Michael Mahr“. Der Mottener war von Anfang an, seit 2015, dabei. Michael Mahr erfuhr viele Dankesworte, jeweils gefolgt von bestätigendem Applaus aus der Kirchengemeinde. Seinem Durchhaltevermögen, Engagement und starken Nerven sei es zu verdanken, dass „wir heute hier stehen“, so Katja Habersack, Erste Bürgermeisterin von Motten.
Obwohl Katja Mark-Engert vom Bistum Würzburg den Bauplan von Architekt Staib sehr lobte, sagte sie: „Pfarrer Hans Thurn, Claudia Vogel, Arno Schwarz und Michael Mahr haben es erst wirklich möglich gemacht. Sie haben das Bauwerk zu dem gemacht, das es heute ist“. Entgegen aller Zweifler und Kritik „stehen wir hier in diesem kleinen Gotteshaus - keineswegs selbstverständlich in einer Zeit, in der andernorts Kirchen geschlossen, abgerissen oder umfunktioniert werden“, sagte Michael Mahr.
Sandro Kirchner: „Kirche ist mehr als ein Gebäude“
Er dankte Ideengeberin und Begleiterin Katja Mark-Engert sowie der Finanzkammer des Bistums für die „sehr großzügige Finanzierung“. Er dankte auch dem Architekturbüro Staib für den Entwurf der neuen Kirche und der Überwachung aller Bauphasen sowie der Kosten. „Mit dem Gebäude sind wir für die Zukunft gut aufgestellt. Es liegt nun an uns, dieses Gotteshaus mit Leben zu füllen“.
Staatssekretär Sandro Kirchner hatte den Eindruck, dass die Altarweihe auch für anwesende Pfarrer „ein ganz besonderer Moment“ war. Der Altar sei „das Herzstück einer Kirche und allgegenwärtig, wenn unsere Gemeinde zusammenkommt“. „Kirche ist mehr als ein Gebäude“, sagte Katja Habersack. „Kirche ist ein Ort, der Menschen verbindet“. Viele Menschen bringen sich in die Kirche ein, „hier feiern wir die wichtigsten Momente unseres Lebens“.
Architektin Katja Mark-Engert schaffte Bewusstsein für die „Purheit des Raums“ – erreicht durch die Maxime: „weniger ist mehr“. Der geweihte Altar steht nun wieder zentral im Chorraum des neuen Gotteshauses, gen Osten gerichtet. Die Kirche sei ein „gelungenes Bauwerk, in dem Altes bewahrt und Neues neu gedacht“ wurde. Domkapitular Armin Haas sagte: „Der Raum ist bereit“. Er habe Vertrauen, „dass ihr aus dem Raum heraus den Geist Gottes aufnehmt. Den Raum der Gemeinschaft und des Mutes brauchen wir ganz nötig“.
Mit den Döllautalern feierte die Gemeinde noch bis in den späten Nachmittag.
Die Kirche
- Der Neubau der Kirche St. Bartholomäus in Motten, umgebaut 1968, wurde seit 2015 geplant. Die Planungen gerieten ins Stocken, als die Diözese Würzburg 2019 ein Baumoratorium beschloss. 2024 erfolgte der Teilabriss. Der denkmalgeschützte Glockenturm mit dem historischen Chorraum und das Glasfenster mit dem „Blutenden Herz Mariens“ blieben erhalten. Im Juli 2025 wurde Richtfest gefeiert.
- Die Kosten: Die Diözese übernimmt 97 Prozent der Gesamtkosten (rund 3,85 Millionen Euro). Für die Bewältigung der restlichen Summe musste die Kirchenverwaltung einen Kredit aufnehmen. Der Verkauf des Pfarrhauses und des Josefsheims minderten die „Schulden“. Ein hohes Maß an Eigenleistung, beispielsweise bei der Aufarbeitung der alten Kirchenbänke, machten sich finanziell auch bemerkbar. (Quelle: Würzburger katholisches Sonntagsblatt)




















