TST – Tarte Saladier Techno, so nennt sich das künstlerische Kollektiv aus Straßburg und Berlin, das sich momentan in den Münnerstädter Treibhäusern von „Else!³“ aufhält, um einen Sound zu erschaffen, der sich sehr komplex aus den Gegebenheiten vor Ort entwickelt. Da kann sich das Räuspern, Brummen oder Zirpen aus dem Publikum ebenso hineinmischen wie spontan mitwirkende Künstlerinnen und Künstler. Bei einem ersten Probelauf entstand bereits ein Klangteppich, der sich bei der Hauptveranstaltung am Donnerstag, 13. Juli, wohl noch weitaus umfassender gestalten wird.
Mit Kuchen und Salat
Der Name des Kollektivs habe sich daraus ergeben, dass sie bei ihren bisherigen Sessions hauptsächlich in der Gegend von Straßburg auch immer Kuchen (tartes) und Schüsseln voller Salate (saladiers) angeboten hätten, erklärt Orlane Laage. Die Sessions stünden immer auch in Zusammenhang mit bildender Kunst, mit Ausstellungen und Performances jünger Künstlerinnen und Künstler. Nach Münnerstadt seien sie auf Einladung von Markus Zink gekommen, der selbst oft in Berlin in Sachen Elektromusik unterwegs ist.
Dort sei das junge Publikum oft aufgeschlossener für experimentelle Musik. In Münnerstadt ist neben Laage auch Antonin Lars, Tallulah Strubel und Tillian Strubel eingetroffen, Victoire Knuchel und Elise Tran werden noch erwartet. Gesprochen wird englisch und französisch, gesprochen wird aber auch musikalisch beziehungsweise per Soundmaschine. Da kann manches zwar „lost in translation“ (in der Übersetzung verloren) gehen, anderes aber in der Verfremdung neu sich formen und die Teilnehmenden berühren. Gewöhnungsbedürftig sind dabei die Kopfhörer, die auch das Publikum an den Ohren hat und über die die Sounds eingespielt werden.
Publikum zögert noch
Regine Brand aus Ramsthal mit ihrer Violine, die ebenso wie Zink am ersten Abend teilgenommen hat, zeigt sich neugierig und erfreut über die Angaben zum Zusammenwirken auf der Bühne: „Spiel einfach, was du möchtest und habe Freude daran, sagte man mir.“ Und so tasten sich die Mitwirkenden langsam heran an die Welt der Klänge, an die Möglichkeiten des Miteinanders und an die Einbeziehung des Publikums, das sich jedoch noch zögerlich zeigt.
Neben den großen Mischpulten spielen auch eine Handpan und eine Klarinette, aber wesentlicher noch die feinen menschlichen Geräusche eine Rolle. Da wird ein Atemhauch im Loop (in der wiederholten Einspielung) zum Meeresrauschen, es verwandelt sich in das Geräusch, das der Wind in den Bäumen macht, da klopft ein Specht im Wald, da entsteht, woher auch immer, ein Grillengezirpe, die unvermeidlichen Bassrhythmen ploppen im Kopf auf wie Kaugummiblasen und es scheint, als würden sie den Körper durchlässiger machen für das, was da geschieht.
Neugier kann sich noch entfalten
Es gehe ihm immer darum, dass sich die Lockerheit in den Körpern entwickeln könne, so Zink. „Die Anspannungen des Lebens setzen sich beispielsweise im Kiefergelenk fest, wir können den Mundraum lockern, das Blubbern rund um die Zunge schicken und unsere Körperräume neu wahrnehmen“.
Dabei entstünde auch das Dialogische zwischen den Menschen, egal, ob sie nun auf oder vor der Bühne sich bewegen. „Der Zufall ist der Meister aller Gegebenheiten.“ Die Neugier kann sich also noch entfalten und sich mit einmischen in den Hauptevent am Donnerstag. Beginn ist ab 20 Uhr.
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