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Komödie in Maßbach
Durch die Geheimtür ins Liebesabenteuer
Theater Maßbach
Angela (Miriam Fernández Molina) und Don Manuel (Alexander Baab). // Sebastian Worch
Maßbach – Spanisch geht’s zu in den nächsten Wochen auf der Freilichtbühne des Maßbacher Theaters. Denn auf dem Spielplan steht die Komödie „Dame Kobold“ von Pedro Calderón de la Barca.
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Pedro Calderón de la Barca hieß eigentlich Pedro Calderón de la Barca y Barreda González de Henao Ruiz de Blasco y Riaño. Er wurde 1600 in Madrid geboren, wo er 1681 auch starb. Er hatte oder versuchte mehrere Berufe wie Jurist, Soldat und Priester. Aber eigentlich wollte er schon immer Schriftsteller werden. Mit 22 Jahren gewann er einen Autorenwettbewerb, den Lope de Vega organisierte, der ihn auch kräftig förderte. 1629 schrieb er die Mantel-und-Degen-Komödie „La Dama duende“, die noch im selben Jahr in Madrid uraufgeführt wurde und das meistgespielte Stück von Calderóns wurde.

Man lasse sich von Mantel und Degen nicht abschrecken. Natürlich wird in dem Stück auch ei bisschen und gefochten – das gehörte einfach zum Imponiergehabe des spanischen Mannes. Aber die Mäntel riechen nicht nach den Mottenkugeln der Geschichte, sondern sind behutsam modernisiert. Wie auch die Sprache. Man kann sich mit seinem Textverständnis in dieser Welt des 17. Jahrhunderts durchaus wohlfühlen.

Eine zeitlose Liebesgeschichte

Zumal das Stück den Fokus nicht auf die Welt der Musketiere richtet, sondern auf eine mehr oder weniger zeitlose Liebesgeschichte: Angela (Miriam Fernández Molina) ist lebenslustig und einfallsreich. Aber sie befindet sich noch im Trauerjahr und wird von ihrem Bruder Don Juan (Bennet Neumann) nach alter Manier aufs Schärfste bewacht.

Verschleiert gelingt ihr ein Spaziergang. Fast wird sie von ihrem Bruder entdeckt, doch sie bittet einen Fremden um Hilfe, der ihr in einem Degenkampf zur Flucht verhilft. Erst danach erkennen sich die beiden Edelmänner: Don Manuel (Alexander Baab) ist ein guter Freund von Don Juan. Don Juan quartiert ihn bei sich ein, und Manuel lebt nun Tür an Tür mit Angela, ohne es zu ahnen. Die strengen Sitten lassen es nicht zu, dass sich die beiden begegnen, doch Angela ist sehr daran interessiert, ihren Retter besser kennenzulernen. Zum Glück gibt es da eine Geheimtür. Diese, richtig benutzt und mit dem rechten Schlüssel geöffnet, eröffnet Angela neue Möglichkeiten.

An der Nase herumgeführt

Mit Hilfe ihrer klugen Freundin Beatriz (Anna Katharina Fleck) und genügend Mut, Erfindungsgabe und Humor findet sie ins Leben zurück und führt die Männer an der Nase herum. Endgültig zur Komödie macht die Geschichte Don Manuels Diener Cosme (Sam Gerst). Er ist kein Sancho Pansa, der verwirrt „hinterherreitet“, sondern ein manchmal etwas verwirrter Hofnarr, der sich viel erlauben darf. Und das nutzt er aus. Nicht nur wegen ihm läuft in der ganzen Affäre manches schief.

Ingo Pfeiffer hat „Die Dame Kobold“ inszeniert. Die muss ihm schon lange im Kopf gesteckt haben, denn der Don Manuel war seine erste Rolle, als er 1994 ans Maßbacher Theater kam. Er hat das Stück behutsam gekürzt, ein paar Rollen gestrichen und diese damit konzentriert. Da stoßen köstlich die Welten der Männer mit ihrem durch wenig begründeten Stolz und Rechthaberei und die Welt der Frauen mit ihrer gütigen und verschmitzten Raffinesse aufeinander. Und dazwischen der schlagfertige Cosme, immer auf der Hut, nicht unter die Räder zu kommen. Da macht nicht nur das Zuschauen Spaß, sondern auch das Zuhören. Denn Calderóns Text liefert intelligente, lockere Dialoge.

Ruben Landrichter hat die Kostüme entwickelt, die Assoziationen zu der Zeit und Mode des Spiels wecken, aber nicht durch Überfrachtungen ablenken. Und Alexander Baab hat die Fechtchoreografie entwickelt, die schon ganz schön zur Sache geht, dass man ein bisschen Angst bekommt um Don Juan und Don Manuel und den manchmal rumfuchtelnden Cosme.

Praktische Lösung für das Bühnenbild-Problem

 Andreas Wagner stand vor dem Problem, drei verschiedene Bühnenbilder zu entwickeln: eine Straßenszene und zwei Zimmer im Haus von Don Juan, die nebeneinander liegen und eine geheime Verbindungstür haben müssen. Er löste das Problem ungemein praktisch. Er brachte die Bühne in die Form eines Buches, in dem man blättern kann: auf der Hinterseite installierte er von der Mitte aus zwei halbe Bilder – die Straßenszene und ein Raum – und damit zwei Innenseiten des Buches bis zum Rand der Bühne.

Und an dieser stabilen Mitte befestigte er auch zwei „Buchseiten“, die genauso lang sind und in dem Halbkreis mühelos gedreht werden können. So lassen sich ruckzuck die Schauplätze der Handlung anpassen.  

Es lohnt sich eigentlich schon wegen des Bühnenbilds der Besuch. Aber auf den Rest sollte man wirklich nicht verzichten.

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