Auch wenn Susanne Hanshans einen positiv in die Zukunft blickenden Eindruck macht, kommt manchmal doch die Wehmut durch, ihr Café und ihre Stammgäste vorerst aufzugeben. Am 1. November ist das Altstadtcafé Geschichte.
Altstadtcafé: 2013 bis 2024 - mit kurzer Pause
Im Jahr 2013 hatte es Willi Michel als Integrationscafé eröffnet und es im September 2018 geschlossen. Als normales Café eröffnete Susanne Hanshans 2019 den Laden erneut, die zuvor in der Buchhaltung schon mitgewirkt hatte. "Mit Kindern war es gut, dass das Café tagsüber geöffnet hatte. Dann war ich abends zu Hause", sagt sie.
"Als wir 2019 neueröffnet haben, hat es eine Weile gedauert, bis die Leute kamen, dann kam Corona mit dem Lockdown. Aber das haben wir überlebt, eben mit Essen zum Mitnehmen", blickt sie zurück. Dass das Café auch kleine Gerichte verkaufte und es den "kulinarischen Donnerstag" gab, das kam von Susanne Hanshans.
"In einem Vierteljahr wird mir das furchtbar fehlen."
Dass es jetzt zu Ende geht, bewertet sie relativ nüchtern: "Das hat sich jetzt so ergeben, ich hätte es aktiv nicht beendet. Jetzt muss ich aufhören, aber das ist für mich momentan eigentlich okay, mit der Option, dass sich etwas ergibt." Nun will sie erst einmal diesen Teil abschließen. Zudem ist ihr Mann selbstständig und sie in dessen Buchhaltung eingebunden, für die sie jetzt endlich mal Zeit finden wird.
"Mir tut es vor allem leid für die Menschen aus Münnerstadt, weil die tagsüber in Münnerstadt nirgendwo mehr hinkönnen", sagt sie. Aber sie weiß auch: "In einem Vierteljahr wird mir das furchtbar fehlen." Auch, wenn sie seit 22 Jahren keinen Sonntag freihatte und meist 60-Stunden-Wochen leistete.
Seit 35 Jahren ist sie in der Gastronomie. "Ich hatte mit 20 meine erste Kneipe in Würzburg. Das Waldcafé in Sulzfeld hatte ich etwa 16 Jahre lang. Also ganz ohne Gastronomien kann ich mir das auch nicht vorstellen."
Zeit für etwas Neues
Doch nun ist Zeit für etwas Neues: "Ich würde gerne in die Abendgastronomie gehen, aber dann wirklich mit einem kleinen Laden, bei dem ich wenig Personal brauche und man es notfalls zu zweit machen kann." Ein Café tagsüber sei etwas Schönes, es habe ihr Spaß gemacht und sie habe wirklich gerne Kuchen gebacken. "Aber nur ein Café ist in Münnerstadt nicht ganz so rentabel."
Sie hat bereits Tatsachen geschaffen: "Ich habe mir einen Imbisswagen gekauft, der ist aber noch nicht ganz fertig. Er soll aber nicht irgendwo stehen, sondern als Event-Imbisswagen dienen." Ihr schweben Partyservice und Catering vor. "Aber mir fehlt die Küche dafür. Das ist immer der Knackpunkt in Münnerstadt, dass es hier eigentlich keine funktionierende Küche gibt, die nicht renovierungsbedürftig ist."
Will in Münnerstadt bleiben
Sicher ist sie, dass sie in Münnerstadt bleiben möchte. "Ich habe wahnsinnig viel Stammpublikum, das möchte ich eigentlich nicht verlieren." Zudem wohnt sie hier. Noch hat sie die Hoffnung, dass sich in Münnerstadt etwas ergibt. Aber die Gastronomin will nicht um jeden Preis in einen Laden gehen, der nicht 100 Prozent zu ihr passt.
"Ganz Münnerstadt sucht mit, seit Monaten. Das ist Wahnsinn. Was ich da für eine Rückmeldung bekommen habe, wo es noch etwas geben könnte." Aber etwas, das zu ihr passt, war noch nicht dabei. Der Gasthof Hellmig beispielsweise, der bald schließen wird, ist etwas groß, eine Pizzeria wie Cicciobello, wo derzeit ein neuer Wirt gesucht wird, ist auch nicht ihr Fall. Die meisten Läden seien zudem sehr personalintensiv und müssten zuerst renoviert werden.
Denkmalschutz versus Küche?
Selbst habe sie vor, eine Küche bei sich im Haus einzubauen. "Ich habe dort einen Raum, wo ich gerne für den Imbisswagen die zugehörige Küche drin hätte. Aber das muss denkmalschutztechnisch passen." Da sei schon ein Fachmann da gewesen, nun müsse alles überprüft und am Ende genehmigt werden, ehe es weitergehen kann.
Das wäre dann aber nur eine Küche, aber keine Gastronomie. Sie ordnet ein: "Eine kleine Küche für mein Catering ist schon das, was ich will, damit ich meinen Partyservice machen kann. Aber ein kleiner, netter Laden würde mir eben auch gefallen. Aber er muss eben klein sein. Das ist hier einfach schwierig."
Fazit: Schade, aber okay
Ihr Fazit auf die Frage, ob sie die Schließung also mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet: "Es ist schon ein weinendes Auge, aber ist jetzt kein Weltuntergang für mich." Im Gespräch wird jedenfalls deutlich, dass Susanne Hanshans das Café gerne betrieben hat, merkbar eine Bindung zu ihren Gästen und mit dem Café zudem eine tolle Lage hatte, wo es auch viel Laufkundschaft gab.
Das Abschiedsbuffet am 31. Oktober war bereits lange vorher ausgebucht. "Wir fangen im November an auszuräumen. Was nicht beim Flohmarkt weggeht, lagere ich bei mir daheim irgendwo zwischen, mit der Option, dass es irgendwann irgendwo weitergeht. Da wird sich schon was finden", ist sie zuversichtlich.
Wie es mit dem Laden nun weitergeht? Mehrere Quellen deuten darauf hin, dass die neue Hausbesitzerin ein internationales Restaurant aufmachen möchte.
Fahrplan für die kommenden Tage und Wochen:
Am Samstag, 9. November, ist ab 19 Uhr "großes Leertrinken" mit musikalischer Untermalung von International Harmony.
Von Mittwoch, 13. November, bis Sonntag, 17. November, ist täglich von 11 bis 13 Uhr Flohmarkt, vor allem mit Dekoartikeln aus dem Café.
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