Es ist Samstagabend, und wieder einmal schwingt bei der Veranstaltung des kulturbunt e. V. ein Petticoat fröhlich durch den Raum. Nein, diesmal sind es keine Damen von „The Wonderfrolleins“, die erfolgreich mit ihrer 50er und 60er Jahre Musik bei den kulturbunt-Veranstaltungen die Stimmung anheizen. Heute hat ein Mann das Sagen, ein Mann, dem alle Anwesenden aufs Wort folgen. Sie folgen seinem „Call“, seinem Zuruf. Ob rechts herum, links herum, im Kreis drehend: Danny Turnbow weiß, worauf es ankommt, er kennt jeden nächsten Schritt.
Bereits als Kind tanzte er, und mit 15 Jahren verschrieb sich der gebürtige Kalifornier dem Squaredance auf besondere Art – nicht tanzend, sondern rufend. Als „Caller“ begleitet er seit 1981 in Deutschland tonangebend Squaredance-Veranstaltungen, an bis zu vier Abenden wöchentlich in regionalen Clubs.
In Gruppen zu je vier Paaren
Turnbow ist es wichtig, dass alle jene, denen er die nächste zu tanzende Figur zuruft oder singt, Spaß haben. Sie tanzen in Gruppen zu je vier Paaren und spüren durch den Raum wirbelnd Lebensfreude. Er als Kommandogeber weiß alleine, welche Figur die nächste ist. Er setzt sie im musikalischen Rhythmus immer wieder neu und kreativ zusammen. Langweilig wird es beim Squaredance ob der unterschiedlichen Variationen und dem Überraschungseffekt also nie.
Turnbow war gerne der Aufforderung der Damen von kulturbunt gefolgt, den in den USA aus verschiedenen europäischen Volkstänzen entstandenen Squaredance vorzustellen – Spaß, geistiges und körperliches Training inklusive. Eine Aufforderung, der an diesem Abend 40 Tanzlustige nachkamen. „Der Wunsch war sehr groß, wieder einmal einen Tanzabend anzubieten“, so Martina Bay vom kulturbunt e. V., „und diesmal kam eine Mitgliedsfrau auf die Idee, einen Squaredance-Abend zu veranstalten“. Es war Gitti Bußmann, die den Gedanken hatte und umgehend zum „Caller“ Danny Turnbow Kontakt aufnahm. „Ich bin Sportlehrerin und Tänzerin“, so Bußmann, die bereits dank des Hochschulsports Squaredance-Erfahrung hat.
Einfach nur laufen
„Squaredance ist ganz einfach“, ergänzt sie, „man braucht nur einfach zu laufen. Turnbow kam mit der US-Army nach Deutschland, ist hiergeblieben und ist ,Caller’ der Saaletal-Dancers in Bad Bocklet. Er ist ein Profi und bringt uns heute Schritte bei“, so Gitti Bußmann. Auch Freunde hatte er mitgebracht, die helfen sollten, die Squaredance-Neulinge anzuleiten. Die Geselligkeit, die Nähe und die körperliche Bewegung nach Musik sind wichtige Faktoren aus Bußmanns Sicht. Nur zu sitzen und zu konsumieren tut nicht gut, und das Tanzen aktiviert nicht nur den Körper, sondern ist auch ein Gehirntraining. Das konnte man alles an diesem Abend ausprobieren.
„Forward and back“
Neben dem Laufen muss man natürlich auch den Aufforderungen des „Callers“ folgen, das wurde an diesem sehr amüsanten, bewegungs- und koordinationsintensiven Abend deutlich. Es war ein Abend, an dem viel gelacht wurde, es so manche Verwirrung ob der anfangs noch unbekannten Zurufe gab und man seinen Tanzpartner manchmal aus den Augen verlor, doch immer wieder fand.
„Do sa do & Do sa do to a wave“, „Forward and back“, „Into the middle and back“, „Bow to your partner“, „Swing“: Turnbow hatte einen hohen Anspruch an die Teilnehmer dieses Squaredance-Abends. Der Tanzsaal des Diebacher „Goldenen Rosses“ war nicht nur von seinen Calls und der Musik, sondern auch von viel Lachen erfüllt. Klappte es einmal nicht so optimal, so wurde das von niemandem hier kritisch beäugt oder kommentiert. Ganz im Gegenteil. Man lachte gemeinsam und machte einfach weiter. So schön kann es sein, sich zu bewegen, Neues zu lernen und guten Mutes und bester Laune zu sein: Squaredance einfach. Diese gute Kombination brachte einige Anwesende auf den Plan, „Caller“ Turnbow künftig einmal monatlich für ein Tanz-Vergnügen in Hammelburg zu gewinnen. Damit sieht es gut aus, jeder dritte Sonntag im Monat ist schon im Visier, und vielleicht heißt es bald schon regelmäig „Square up“!
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