Das Schönheitsideal in Zeiten von TikTok oder Instagram baut auf Künstlichkeit. Bei Franz Weidinger (60) ist das Ideal die Kunstfertigkeit der „Figur im Raum“. Der Oberpfälzer Bildhauer zeigt ab Samstag, 20. Juni, bis Sonntag, 12. Juli, in der Galerie des Deutschordensschlosses Münnerstadt eine Auswahl seiner Werke.
Und die haben es in sich. Vielleicht ist auch so mancher außer sich, weil seine Figuren nichts an haben. Egal, ob als Skulptur oder als Wandbild – so ist eben Frau oder Mann geschaffen, das zeigt sich im Alter mehr und besser als in den Posen junger Generationen. Und wer ein Produkt der Schaffenskraft von Franz Weidinger sein möchte, muss Präsenz zeigen und Modell sitzen.
Der Meisterschüler der Nürnberger Akademie der bildenden Künste (1990 bis 1996) lebt und arbeitet in Deining, in der Nähe von Neumarkt, und in Monteccio/Umbrien. Seine Holzarbeiten bestechen einmal durch das Filigrane, welches zum Beispiel dem Eichenholz abgerungen wird, oder den Bleistiftzeichnungen auf Holzplatten und -plättchen.
Ins Auge fallen in dieser Ausstellung auch großformatige Arbeiten. Dabei wird der Kontrast deutlich, mit welcher Akribie der Künstler seine Werkzeuge einsetzt und dabei immer die entsprechenden Verhältnisse wahrt. Ob bei den Stelen oder Stäben mit den kleinen, spannungsreichen Figuren, die in Gruppen sehr gut harmonieren, oder den in der Ausstellung sehr präsenten Plastiken, die Geschichten lostreten können. Es ist klassische Bildhauerei, deren Tradition Franz Weidinger ganz bewusst in diese, unsere Zeit hineinstellt.
Der erste Griff geht zur Kettensäge
Grob vorgearbeitet wird mit der Kettensäge, die Arbeitsspuren sollen sichtbar bleiben. Danach wird mit Klüpfel, Beitel und Raspel an der Formung gearbeitet. Dabei entstehen „Verhältnisse“, also Sichtweisen, wie sich Paare in einem abstrakten Umfeld begegnen und holzschnittartig bewegen können. Und das fast ausschließlich auf 170 cm Höhe, wie auf einer Bühne in einer klassischen Kulisse. Die Figürlichkeit ist dabei immer unterschiedlich, so wie der gemeine Mensch halt gebaut ist.
Franz Weidinger setzt seine Figuren auch in Buchformen, aufklappbar als Leporello und mit einer Erzählung im Ausdruck. Es sei eben „das Entwickeln von Figur-Ideen, die unter anderem bereits beim Aktzeichnen durch das Erforschen der ungeschönten Darstellung von Körpern entsteht“, so Weidinger.
Der Künstler setzt schon beim Zeichnen seine Wahrheit in Formgebung um. Er liebt es, den Bleistift als finales Malwerkzeug zu benutzen, wie auf einer Sammlung von kleinen Holzplättchen zu sehen ist. Zum Schutz der Darstellung wird das Motiv nur leicht lasiert. Es soll möglichst wenig Verfremdendes (zum Beispiel Glas) den Blick beeinflussen und immer auch das Holz wirken.
Während für die Stelen und Stöcke Eiche bevorzugt wird, findet für große Arbeiten die weichere Pappel Verwendung. Noch gar nicht so lange befasst sich Franz Weidinger nach seiner Aussage mit Großskulpturen, abgesehen von Auftragsarbeiten. Da kommt es dann schon vor, dass die aktuelle Zeit ihm die künstlerischen Hände führt.
Als wuchtige Zentralfigur erscheint ein vom Sockel gestürzter „Atlas“ aus der Mythologie, dessen Weltkugel zerbrochen am Boden liegt. Hier bleiben beim Betrachten Ansichten und Geschichten hängen, und man wüsste auch gleich, wer sich das jeden Tag ansehen sollte, statt vor seinem „weißen Haus“ eine Schlägerei zu veranstalten.












