„Kultur ist weit mehr als bloße Freizeitgestaltung. Sie ist Ausdruck unserer Identität, sie schafft Verbindung zwischen Menschen und Generationen, sie inspiriert und gibt Kraft.“ Mit diesen Worten begann Landrat Thomas Bold (CSU) seine Laudatio in der festlich ausgeleuchteten Hammelburger Klosterkirche anlässlich der diesjährigen Verleihung der Kulturehrenbriefe des Landkreises an acht Persönlichkeiten, „die sich über Jahrzehnte hinweg für Musik, Heimatpflege, Geschichte und Gemeinschaft eingesetzt haben“. Den musikalischen Rahmen gestalteten das Kreisjugendblasorchester unter Leitung von Timo-Jan Deen sowie das Hammelburger Jazz-Ensemble „Sing 'n' Swing“ unter Leitung von Paul Oschmann.
„Kultur rechnet sich nicht, aber sie zahlt sich aus.“
In einer Zeit, in der der Alltag von Geschwindigkeit, Veränderungen und Herausforderungen geprägt ist, sei es von besonderem Wert, gelegentlich innezuhalten und sich jener Dinge zu vergewissern, die das Leben bereichern und Halt geben. „Kunst und Kultur gehören zweifellos dazu“, meinte der Landrat. „Kultur rechnet sich nicht, aber sie zahlt sich aus.“ Im Landkreis sei die Kulturlandschaft „lebendig, vielfältig und tief verwurzelt“. Dies sei keineswegs selbstverständlich, sondern einzig der Verdienst engagierter Menschen, „die mit Herzblut, Kreativität und Ausdauer ihr Können einbringen“. Auch die diesjährigen Preisträger haben ehrenamtlich Vereine aufgebaut und über Jahre geführt, Ensembles geformt und Generationen von Musikerinnen und Musikern geprägt, Archive erschlossen, Heimatgeschichte sichtbar gemacht und Museen mit Leben gefüllt.
Langjährige Dirigenten
Mit dem ersten vom Kulturausschuss des Landkreises verliehenen Kulturehrenbrief wurde Bernd Borst aus Stangenroth für seine Tätigkeit als langjähriger Dirigent und Vorstand der Steinacher Musikanten ausgezeichnet. Schon als deren Jugendbeauftragter ab 2003 organisierte er Nachwuchsinformationstage, gründete ein Nachwuchsorchester und sorgte so für eine stetige Vergrößerung der Kapelle, mit der er alljährlich nicht nur in Bad Bocklet, sondern in der Region auftritt. Seit 2008 als Dirigent und seit 2013 als Vorstand schafft Borst unvergessliche Gemeinschaftserlebnisse wie zuletzt die diesjährige Teilnahme an der Steubenparade in New York.
Im Jahr 1969 begann Walter Borst als Musiker bei der Blaskapelle Aschach, in der er nicht nur Klarinette und Saxophon spielte, sondern auch als Sänger auftrat. Im Jahr 2006 übernahm er das Dirigentenamt und die Leitung der Blaskapelle. Zusätzlich war er zwischen 1978 und 1990 Mitglied der OMB-Big-Band Bad Kissingen, die er ab 1990 bis zur Corona-Pandemie leitete. Auch war er über Jahrzehnte aktiver Musiker bei den Rhöner Schulmeistern, den Rhöner Läushammel und der Gruppe Gradnaus.
Seit 30 Jahren wirkt Heiko Krakofsky im Vorstand des Musikvereins Haard, den er 15 Jahre lang von 2004 bis 2016 sowie von 2022 bis 2025 als Vorsitzender leitete. Durch seine aktive Zusammenarbeit mit anderen Vereinen trug er zur Bereicherung des gesamten Dorflebens bei.
Als Gründungsmitglied der Blaskapelle Diebach im Jahr 1978, als aktiver Musiker sowie Mitglied in der Vorstandschaft hat sich Peter Scherpf Verdienste erworben. Als herausragende „Meilensteine“ nannte Landrat Bold die Teilnahme am Internationalen Jugendmusikwettbewerb 1985 in Polen, den Bau des Musikerheims im Jahr 1992 sowie die Organisation des Gründungsfestes zum 40-jährigen Jubiläum.
Leider konnte Stefan Roth aus Elfershausen seinen Kulturehrenbrief nicht persönlich in Empfang nehmen. Schon als 19-Jähriger absolvierte er beim Nordbayerischen Musikbund den Dirigentenhauptkurs, musizierte bei den Schlossmusikanten Elfershausen und von 1998 bis 2007 bei der Gemeinschaftskapelle Elfershausen/Langendorf, wo er zusätzlich das Amt des stellvertretenden Dirigenten übernahm. Seit 2007 leitet er die Musikkapelle Langendorf.
Als einzige Frau unter den diesjährigen Preisträgern wurde Bianca Greubel aus Maßbach mit dem Kulturehrenbrief des Landkreises ausgezeichnet. Im Jahr 1999 gründete sie den Chor „Il Cantare“, den sie bis heute leitet. Zusätzlich führt sie seit über zehn Jahren den Musikverein Poppenlauer. Besondere Würdigung fand Greubels Nachwuchsförderung wie durch das Projekt „Wir musizieren“ an der Grundschule Poppelauer.
Heimatforscher für „vergessene Dörfer“
Heimatforscher Karl Hahn aus Bad Brückenau wurde als Autor zahlreicher Veröffentlichungen von einer Kinderbibel bis zu Heimatbüchern ausgezeichnet. Besonders gewürdigt wurde seine Organisation der Wanderausstellung „Vergessene Dörfer“ über die abgesiedelten Ortschaften des Truppenübungsplatzes. In Hahns Tätigkeit zeige sich sein „Gespür für Ästhetik, Präzision und die Fähigkeit, Geschichten unserer Heimat visuell eindrucksvoll zu erzählen“, lobte der Landrat.
Dorfmuseum
Schon zwei Jahre vor Gründung des Vereins der Museums- und Landmaschinenfreunde Fuchsstadt hatte sich Michael Schultz für den Erhalt des ehemaligen „Mützelhauses“ eingesetzt. Seit Gründung des Vereins im Jahr 2008 sei Hahn der „Motor des Vereins“, meinte Landrat Bold in seiner Laudatio. „Sie haben das Dorfmuseum zum Schmuckstück gemacht und von 2008 bis 2022 als Museumsleiter mit neuen Ideen bereichert.“ Alljährlich besuchen nicht nur Schulklassen das Museum, um durch Schultz als Museumsführer das Leben früherer Generationen zu erleben. Bei Heimatfesten achtet er darauf, dass neben den historischen Landmaschinen und -geräten auch die Darsteller in zeitgemäßer Kleidung auftreten.
Nach einem humorvollen Schlusswort von Dominik Sitter, dem neuen Kreisvorsitzenden des Nordbayerischen Musikbundes, über mögliche Zusammenhänge von „Kult“, „Tour“ und „Uhr“ als Bestandteile des Begriffes „Kultur“ schloss der Festakt in der Hammelburger Klosterkirche mit dem Frankenlied, der Bayern- und der Nationalhymne, gespielt vom Kreisjugendblasorchester.


















