Dass ein Dorf mit gerade einmal rund 1100 Einwohnern eine ganze Woche lang zu einer offenen Kunstgalerie wird, dürfte weit über die Region hinaus einzigartig sein. Mit der feierlichen Eröffnung der Ramsthaler Kunstwoche machte der Verein erLebenskunst erneut deutlich, was durch ehrenamtliches Engagement, Kreativität und den Zusammenhalt eines ganzen Ortes möglich ist.
Zahlreiche Gäste aus Politik, Tourismus, Kirche und Kultur waren zur Eröffnung gekommen. Der Vorsitzende des Vereins, Bernhard Gößmann-Schmitt, der die Neuauflage der Kunstwoche maßgeblich initiiert und organisiert hat, stellte das Motto „Farben – Formen – Frieden“ vor. Es sei angesichts der weltweiten Krisen bewusst gewählt worden und ziehe sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung.
Ein besonderer Blickfang sind die im gesamten Ort verteilten, farbenfroh gestalteten Schaufensterpuppen. Dass sogar auf dem Friedhof Kunstwerke ihren Platz gefunden haben, zeige die Offenheit des Dorfes für neue Ideen und ungewöhnliche Perspektiven.
Finissage am 19. Juli 2026
Große Aufmerksamkeit gilt auch dem Holzbildhauersymposium. Vier Bildhauerinnen aus verschiedenen Regionen Deutschlands verwandeln rohe Eichenstämme während der Woche vor den Augen der Besucher in Skulpturen. Bei der Finissage am Sonntag, 19. Juli, um 17 Uhr werden die entstandenen Werke und ihre Künstlerinnen noch einmal vorgestellt.
Die Kunstwoche lebt aber nicht nur von den professionellen Künstlerinnen und Künstlern. Menschen aller Generationen präsentieren ihre Arbeiten und machen das Dorf zu einer Ausstellungsfläche. Hinzu kommen Konzerte und Abendveranstaltungen, die den Besuchern täglich einen stimmungsvollen Ausklang bieten.
Die stellvertretende Landrätin Brigitte Meyerdierks zeigte sich beeindruckt von der Leistung des kleinen Weinortes. „Was Sie in einer Woche auf die Beine stellen, schaffen andere im ganzen Jahr nicht“, würdigte sie das Engagement der vielen Helferinnen und Helfer. Bereits die Ortseinfahrt mit den bemalten Figuren und den Friedenspfählen mache neugierig und lade zum Entdecken ein.
Schirmherr Dr. Joachim Galuska stellte den Gedanken des Friedens in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Friedensarbeit müsse beginnen, bevor Konflikte entstünden. Die rund 120 gestalteten Friedenspfähle sollen nach der Kunstwoche im „Garten der Seele“ in Bad Kissingen dauerhaft einen Platz finden.
Kunst im öffentlichen Raum
Zugleich sprach er sich für mehr Kunst im öffentlichen Raum aus. Sein Ziel sei ein Skulpturenweg, der die Gemeinden des Saaletals miteinander verbindet. „Kunst gehört nicht nur ins Museum, sie soll unter Menschen sein“, betonte Galuska. Sie sei Ausdruck menschlicher Kreativität und könne gerade deshalb nicht durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden.
Auch Bürgermeister Rainer Morper hob die besondere Bedeutung der Veranstaltung hervor. „Das Dorf wird zur Galerie“, sagte er. Die Kunstwoche habe sich längst einen Namen weit über Ramsthal hinaus gemacht und zeige eindrucksvoll: „Kunst braucht keine Großstadt.“ Besonders freute ihn, dass sich nahezu der gesamte Ort mit der Veranstaltung identifiziere. Viele Bürgerinnen und Bürger unterstützten die Organisatoren, stellten Flächen zur Verfügung oder packten selbst mit an. Dieses Miteinander mache den besonderen Charakter der Kunstwoche aus.
Weinprinzessin Julia Vierheilig spannte eine Brücke zwischen Kunst und Wein. Beides trage die unverwechselbare Handschrift der Menschen, die es schaffen. Es sei Ausdruck regionaler Kultur und Lebensfreude.
Alle Infos zur Kunstwoche gibt es hier.









